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Ausgabe Nr. 19/2019 vom 07.05.2019, Foto: picturedesk.com
Moroder tritt am 14. Mai in Wien auf.
Der heißeste Senior in der Disco-Landschaft bringt noch immer die Bühne zum Beben
Von seinem Studio in München (D) aus eroberte der Südtiroler Disco-Pionier Giorgio Moroder die Welt. Er schrieb Hits wie „Hot Stuff“ (für Donna Summer), „Call Me“ („Blondie“) und „Love Kills“ (Freddie Mercury) und gewann für „Top Gun“, „Flashdance“ und „Midnight Express“ drei „Oscars“. Die Tatsache, dass ihm die französische Band „Daft Punk“ im Jahr 2013 auf ihrem Bestseller-Album „Random Access Memories“ eine Hommage lieferten, hat den Altmeister beflügelt. Der 79jährige schlägt sich seither des Öfteren als Discjockey die Nächte um die Ohren – so wie am 14. Mai im Gasometer in Wien. Auch im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers zeigte er sich wach und witzig.
Herr Moroder, bei Ihren Auftritten als Discjockey werden Sie von 20jährigen Klubgängern mit „Giorgio! Giorgio!“-Rufen angefeuert. Wie wirkt das auf Sie?
Das ist schon schön. Sie singen alles mit, dabei waren sie noch nicht geboren, als die Lieder entstanden sind. Ich kann es mir selbst nicht erklären.

Genießen Sie Ihre späte Karriere als DJ?
Absolut. Und das Schöne im Vergleich zu DJ-Kollegen wie Tiësto oder David Guetta ist, dass ich auch die Menschen jenseits der 50 anlocke, die mich noch von früher kennen. Das macht mich glücklich. Ich habe das Gefühl, ein neues Leben fängt jetzt für mich an.

Ihren Schnauzbart tragen Sie jedenfalls immer noch …
Ich habe ihn eine Zeitlang nicht getragen. Aber meine Frau sagte, dass ich ihn mir wieder drauftun muss. Sie ist ja meine größte Anhängerin, 22 Jahre jünger als ich und hat schon, bevor wir uns kannten, zu meiner Musik getanzt. Und sie liebt das heute noch. In Los Angeles (USA), wo wir wohnen, gibt es einen Klub namens „Giorgio“, den sie regelmäßig besucht.

Ist er nach Ihnen benannt?
Klar. Und der DJ spielt nur Disco-Musik. Da geht meine Frau mit ihren Freundinnen jeden zweiten Samstag hin.

Sie gehen nicht mit?
Ich war nur ein, zwei Mal dort. Ich muss meinen Mythos aufrechterhalten, ich kann mich nicht so viel zeigen. Ich bin auch kein Mann für die Disco. Ich kann nicht tanzen und will auch nicht so recht.

Dabei haben Sie gesagt, dass jeder tanzen kann …
Das stimmt schon. Wer will, kann in der Disco gut tanzen, aber es überzeugt mich trotzdem nicht, es selber zu tun.

In jungen Jahren waren Sie auch nicht in Klubs unterwegs?
Als ich Ende der Siebziger nach Amerika zog, war ich einmal im „Studio 54“ in New York. Ich habe meinem Fahrer gesagt, er solle denen Bescheid geben, dass Giorgio Moroder da ist und gerne rein möchte. Die haben mich sofort an der Schlange vorbeigelassen. Ich dachte, da wäre der Teufel los. Aber nein: Es war gähnend leer. Da waren drei Hunde, drei Katzen und ein paar Menschen. Der Türsteher hatte
die Menschen nur warten lassen, um den Klub interessant zu machen.

Sie haben zahlreiche Disco-Hits geschrieben, manche wurden für die Lesben und Schwulen wichtig, warum?
Ich habe am Anfang gar nicht gemerkt, wie sehr sie darauf abfahren. Bis mir in Amerika gesagt wurde, dass „Love To Love You Baby“ der Hit der Lesbenszene sei. Die Frauen sahen das Lied als eine Art musikalisches Manifest der Befreiung. Wenig später kam „I Feel Love“ heraus, das wurde zur absoluten Hymne in der schwulen Welt.

Es heißt, Sie hätten Donna Summer für „Love To Love You Baby“ in Ihrem „Musicland“-Studio in München zum Stöhnen überreden müssen.
Das Stöhnen ist ja nicht leicht für eine Frau. Sie war sowieso eine zurückhaltende Person. Dann war noch ihr Mann im Kontrollraum, der Tonmeister und zwei andere Menschen. Die habe ich dann alle rausgeschmissen und die Lichter im Studio abgedreht. Als sie ganz allein war, ging es plötzlich. Sie hat nur mein Gesicht gesehen.

Stimmt es, dass Sie mit Summer (sie starb 2012) bis zuletzt befreundet waren?
Wir haben sieben Alben zusammen gemacht. Sie hat in ihren letzten Lebensjahren sogar in der Wohnung unter mir in Westwood (Los Angeles) gelebt.

Von Ihrem eigenen Album „Einzelgänger“ aus dem Jahr 1975 sollen Sie alle Exemplare aufgekauft haben, weil Sie es so schrecklich fanden …
Das habe ich auch gehört, aber es stimmt nicht. Wie hätte ich das bei einer Platte, die weltweit rausgekommen ist, tun sollen? Ich habe sie neulich wieder aufgelegt. So schlecht ist sie gar nicht, sie kam damals nur zu früh auf den Markt. Die Sounds waren einfach zu neu. Das hat sich zum Glück geändert.
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