Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 19/2019 vom 07.05.2019, Foto: your photo today
Eine neue Hornhaut wird eingesetzt
Der trübe Teil wird entfernt.
Das neue Mittelstück eingenäht.
Eine trübe Hornhaut muss ersetzt werden
Eine getrübte Sicht ist nicht immer Folge des Grauen Stars. Beschädigen Verletzungen oder Infektionen die Hornhaut, sodass sich in ihrer Mitte Narben bilden, ist klares Sehen unmöglich. Die Transplantation einer Hornhaut wird notwendig. Eine chirurgische Meisterleistung.
Sie ist ein zartes, kleines Scheibchen, in der Mitte etwas dünner als am Rand, misst einen Zentimeter im Durchmesser und ist unser Fenster zur Welt. Vorausgesetzt, unsere Hornhaut ist weder verformt noch getrübt.

Erkrankungen der Kornea, wie Ärzte die Hornhaut nennen, sind für jeden Patienten eine heikle Sache, bestätigt Dr. Balázs Gyöngyössy, Oberarzt der Augenabteilung am Konventhospital Barmherzige Brüder in Linz. „Durch Verletzungen, Entzündungen oder Infektionen können sich Narben auf der Hornhaut bilden. Liegen sie in der Hornhautmitte, kann der Betroffene nicht mehr klar sehen. Die vernarbte Stelle bildet einen milchigen, verschwommenen Fleck mitten im Sichtfeld.“

Die Narben sind ein Zeichen dafür, dass es sich um einen Schaden handelt, den die Hornhaut selbst nicht mehr beheben kann. „Der Patient benötigt eine Hornhaut-Transplantation. Sie kann auch durch Erkrankungen am Auge notwendig werden, etwa durch ein Geschwür oder eine extreme Krümmungszunahme, welche die Hornhaut stark ausdünnen. In schweren Fällen muss eine neue Hornhaut transplantiert werden, um die Stabilität des Auges zu gewährleisten.“

Rund 700 Mal pro Jahr werden in unserem Land Hornhäute transplantiert. Die größte Gruppe der Patienten leidet an Narben in der Mitte der Hornhaut. „Für die Betroffenen ist der Alltag schwierig, das Autofahren, das Lesen, das Arbeiten. In schweren Fällen sehen die Patienten nur noch hell oder dunkel“, erklärt Dr. Gyöngyössy.

Schuld an der Narbenbildung sind meist Infektionen. „Das können Virusinfektionen sein, etwa durch Herpesviren. Auch eine Gürtelrose, die am Kopf verläuft, kann für die Augen gefährlich werden. Schließlich gibt es nicht wenige Patienten, die eine Infektion der Hornhaut durch unsaubere Kontaktlinsen erleiden. Sei es, weil sie die Kontaktlinsen nicht gut gereinigt, mit Wasser oder Speichel gesäubert haben oder die Linsen über Nacht oder gar mehrere Tage am Auge ließen. So eine Infektion am Auge kann rasch, innerhalb weniger Tage, schwere Schäden an der Hornhaut anrichten.“

Eine neue Hornhaut ist stets das Transplantat eines verstorbenen Menschen. Versuche mit synthetischen Hornhäuten oder mit tierischen Spendern brachten bisher keinen Erfolg. „Die gespendeten Hornhäute lagern in einer Hornhautbank. Das ist eine Gewebebank, die meist bei der Blutbank des Roten Kreuzes angesiedelt ist. Selbstverständlich werden alle Spenden auf Erreger geprüft. Nur gesunde Hornhäute dürfen transplantiert werden“, versichert der Transplantationsspezialist.

Anders als bei vielen Augenoperationen liegt der Patient bei der Hornhauttransplantation in Vollnarkose. Ein bis zwei Stunden dauert der Eingriff, denn sie erfordert mikrochirurgisches Können. „Früher wurde immer die gesamte Dicke der Hornhaut, in einem Durchmesser von sieben bis acht Millimetern, transplantiert. Der Rand der Patienten-Hornhaut blieb erhalten. Das neue Mittelstück der Hornhaut muss unter dem Mikroskop mit feinsten Fäden angenäht werden, wobei die Stöße der alten und der neuen Hornhaut keine Stufen bilden dürfen. Die in zwei sternförmigen Kreisen angeordneten Nähte werden nach ein bis eineinhalb Jahren entfernt“, erklärt Dr. Gyöngyössy.

Bis die neue klare Sicht eintritt, vergehen dennoch ein paar Wochen bis Monate. Schneller „sichtbare“ Erfolge zeigt eine Hornhauttransplantation nach der DMEK-Methode, die nicht weniger Fingerspitzengefühl erfordert. „Diese Technik ist jung. Hier wird nur die erkrankte Innenschicht der Hornhaut ausgetauscht. Das ist bei bis zu fünfzig Prozent der Patienten der Fall. Das Gute, die Methode ist schonender und die Heilungsphase kürzer.“

Nach dem Eingriff helfen dem Patienten Tropfen gegen mögliche Entzündungen und Tabletten gegen eine mögliche Abstoßung, und der neuen Hornhaut beim Einheilen.

„Am Anfang gibt es engmaschige ärztliche Kontrollen. Dann werden die Zeitspannen größer. Ist die Einheilung ohne Komplikationen wie Rötungen oder Sehverschlechterung verlaufen, ist bei Bedarf sogar die Kontaktlinsenanpassung auch nach einer Hornhautverpflanzung möglich.“
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung