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Ausgabe Nr. 19/2019 vom 07.05.2019, Foto: duty
Vom Schulchor zum Song Contest. Gabriela Horn alias Paenda fühlt sich zur Musik berufen.
„In der Früh sehe ich aus wie ein Panda“
Die Steirerin Gabriela Horn, 31, alias Paenda, vertritt unser Land beim 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv (Israel). Am 16. Mai kämpft sie mit ihrem Lied „Limits“ um den Einzug in das
Finale am 18. Mai. Die Gesangslehrerin einer niederösterreichischen Musikschule begann schon früh zu musizieren, der Teilnahme am Song Contest sieht sie entspannt entgegen.
Vor einem Millionenpublikum im Fernsehen aufzutreten
wäre für Gabriela Horn vor einigen Jahren noch unvorstellbar gewesen. „Hätte mir jemand gesagt, dass ich beim Song Contest mitmache, hätte ich ihn ausgelacht“, sagt die Sängerin mit den markant blauen Haaren. Mittlerweile hat sie realisiert, dass sie die heimische Kandidatin
für den 64. Eurovision Song Contest in Tel Aviv (Israel) ist, wenngleich sie der Veranstaltung, wohl auch wegen der bescheidenen Wettquoten ihres Liedes „Limits“, zu Deutsch „Grenzen“, gelassen entgegensieht. Beim Halbfinale des Song Contests am 16. Mai möchte Horn alias Paenda die Menschen dennoch für sich gewinnen, um ins große Finale am 18. Mai aufzusteigen.

Das musikalische Talent wurde der Sängerin, wie es scheint, bereits in die Wiege gelegt. Horn erblickte das Licht der Welt im Jänner 1988 in Deutschlandsberg (Stmk.). Ihre Mutter arbeitete als Tanzlehrerin und hat gerne gesungen. „Sie war äußerst musikalisch und kreativ“, erinnert sich Paenda.

Ein inniges Verhältnis hatte sie auch zu ihrer Großmutter, in deren Haus in Frauental die kleine Gabi und ihre zwei jüngeren Geschwister, heute sind es bereits vier, während der Sommerferien viel Zeit verbrachten. „Meine Oma sang mit uns lustige Kinderlieder. Ich erinnere mich wahnsinnig gerne an diese Zeit.“

Von der Volksschule war sie dagegen nur mäßig angetan. „Ich war eine mittelmäßige Schülerin. Lernen war nicht so meins, viel lieber habe ich Zeit in der freien Natur verbracht.“ Ihre Eltern hatten zu dieser Zeit auch ihr Gesangstalent entdeckt. Erste musikalische Gehversuche machte sie im Alter von sechs Jahren im Kinderchor. „Vor meinem ersten Auftritt in der Kirche war ich furchtbar nervös. An den Auftritt selbst kann ich mich heute gar nicht mehr erinnern, aber ich war nachher wahnsinig stolz auf mich“, blickt sie zurück. Erstmals auf einer großen Bühne stand sie als 14jährige bei der Veranstaltung „Show4kids“ am Wiener Donauinsel-Fest, bei der sie Vizebundessiegerin im Karaoke wurde.

Mit 16 Jahren gründete Paenda ihre erste Musikgruppe. „Obwohl ich unsere Liedtexte manchmal während des Unterrichts in der Handelsakademie geschrieben habe, konnte ich mit gutem Erfolg abschließen“, lacht die Künstlerin.

Nach der Matura begann sie ein Kolleg für Mediendesign und ein Psychologiestudium, brach aber beide wieder ab. Erst ein Studium in Jazz- und Populargesang in Wien entsprach ihren Vorstellungen. „Ich hab mich voll reingehängt und es auch abgeschlossen.“

Während der Studienzeit entdeckte Paenda, die zahlreiche Instrumente wie Gitarre, Klavier und Bass spielt, auch die am Computer entstehende elektronische Musik für sich, der sie sich heute noch widmet. Beigebracht hat sie sich diese selbst. „Ich will von niemandem abhängig sein, auch meine Lieder produziere ich alle selbst.“

Selbstredend, dass auch ihre Elektro-Ballade „Limits“, mit der sie beim Song Contest antritt, aus eigener Feder stammt. „In dem Lied geht es darum, Grenzen zu überschreiten. Ich habe darin die Hochs und Tiefs verarbeitet, die ich durchlebt habe, denn ich habe oft viel gearbeitet und war ausgebrannt“, erzählt sie.

Mit dem Lied will sie vordergründig eine Botschaft in die Welt hinaustragen. „Es ist mir wichtig zu zeigen, dass eine Frau etwas erreichen kann und nicht nur ein Aushängeschild ist. Wenn ich nur zehn Mädchen Mut machen kann, habe ich meine Mission schon erfüllt“, sagt Horn, die sich seit einigen Jahren Paenda nennt. Ihr Künstlername rührt daher, dass „ich beim Aufstehen, also ungeschminkt, Augenringe habe wie ein Panda“, lacht sie. Weil ihre Bewunderer sie unter dem Namen Panda im Internet aber nicht finden konnten, sondern nur die kuscheligen Pandabären, wurde aus dem Namen kurzerhand Paenda.

Für den Song Contest ist der Österreichische Rundfunk (ORF) auf sie zugegangen. Paenda schaffte es mit einigen Mitbewerbern, wie der Wiener Neustädter Sängerin Hyäne Fischer und ihrem Lied „Im Rausch der Zeit“ in die engere Auswahl. Letztendlich fiel die Wahl aber auf Paenda und ihre gefühlvolle Ballade „Limits“. „Ich glaube an das Universum und dass alles zur rechten Zeit kommt, es hat eben gepasst“, erzählt sie begeistert.

Im Brotberuf verdingt sich Horn als Musiklehrerin einer Musikschule in Leobersdorf (NÖ). „Meine Kollegen und Schüler halten mir natürlich kräftig die Daumen. Alle freuen sich für mich.“

Der Gedanke an weltweit rund 200 Millionen Fernsehzuseher, die den Song Contest mitverfolgen, macht sie nicht allzu nervös. „Ich finde es viel aufregender, vor zehn Menschen zu singen, denen ich in die Augen schauen muss.“ Auf Spekulationen, welchen Platz sie letztendlich belegen wird, will sie sich nicht einlassen. „Ich will den Moment genießen und mit einem Lächeln im Gesicht von der Bühne gehen“, sagt die Künstlerin.

Paenda lebt in Wien, wo sie ihre Freizeit gerne in den Wäldern rund um die Jubiläumswarte verbringt. Gern fährt sie mit dem Fahrrad und geht einmal in der Woche laufen. Natürlich zieht es sie als naturverbundenen Menschen auch öfters in ihr Heimatbundesland, die Steiermark. Ab Herbst ist die sympathische Sängerin auf zahlreichen Konzerten in unserem Land zu bewundern. rb
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