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Ausgabe Nr. 18/2019 vom 29.04.2019, Foto: picturedes.com
Kiefer Sutherland wurde am 21. Dezember 1966 in London (England) geboren. Sein Vater Donald Sutherland ist Schauspieler, seine Mutter Shirley Douglas ist ebenfalls Schauspielerin. Kiefer Sutherland begann seine Karriere beim Film im Jahr 1983 an der Seite seines Vaters, ein Jahr später gelang ihm mit dem Streifen „The Bay Boy“ der internationale Durchbruch. Heute ist das Verhältnis zu seinem Vater angespannt. Der Schauspieler und Musiker ist zwei Mal geschieden, hat eine leibliche Tochter sowie eine Stieftochter und zwei Stiefsöhne.
„Beim Rodeo war ich gut“
Als Schauspieler ist Kiefer Sutherland längst eine Größe. Mittlerweile macht der 52jährige Hollywood-Darsteller jedoch mehr durch seine Musik von sich reden. Dann steht er mit Cowboyhut auf der Bühne und lässt die Saiten seiner Gitarre zu Country-Liedern erklingen. Aktuell zu seinem zweiten Album „Reckless & Me“. Im Gespräch mit der WOCHE-Reporterin Katja Schwemmers erzählt er von seiner Liebe zur Musik, zum Whisky und was Pferde mit all dem zu tun haben.
Herr Sutherland, stimmt es, dass Sie Ihr neues Album nach einem Pferd benannt haben?
Ja, ich habe mich in den Neunzigern als Rodeo-Reiter durchgeschlagen und verbrachte unglaublich viel Zeit damit, Pferde einzureiten und zu trainieren. Mein Pferd hieß „Reckless“. Also schrieb ich über meine Erfahrung mit ihm ein Lied. Irgendwann konnte ich gar nicht mehr trennen, ob ich noch über das Pferd oder mich selbst schrieb. Denn ein Teil meiner Persönlichkeit ist reckless – also waghalsig.

Wie kamen Sie zum Rodeo?
Ich bekam einfach keine Rollen mehr angeboten, die ich interessant fand. Also musste ich den Kopf freibekommen. Ich zog von Rodeo zu Rodeo, die Stille der Nacht liebte ich besonders. Ich wurde richtig gut, gewann Preise, in den Jahren 1994 und 1996 sogar die Meisterschaften. Fast zehn Jahre lang ziemlich erfolgreich im Rodeo-Betrieb gewesen zu sein, hatte etwas Heilsames.

Reiten Sie heute noch?
Natürlich, aber Rodeo schon eine ganze Weile nicht mehr. Und ich wünschte, ich würde wieder mehr auf einem Pferd sitzen. Ich vermisse das.

Was haben Sie dabei gelernt?
Abgesehen vom Umgang mit Pferden jede Menge über Amerika. Ich bin landauf, landab gereist, entdeckte für mich die Bundesstaaten New Mexico, Texas, Arizona, Utah, Washington, Oregon – davor war ich eigentlich nur in Los Angeles und New York. Ich bekam ein besseres Gefühl dafür, was Amerika wirklich ist. Und natürlich wurde die Country-Musik zu meinem ständigen Begleiter. Denn das ist die Musik, die in besagten Bundesstaaten gehört wird.

Das hat Sie angestachelt?
Ja. Die Country-Musik war für mich eine Offenbarung. Drei Akkorde und die Wahrheit – mehr braucht sie nicht. Viele Cowboys, mit denen ich unterwegs war, mochten Johnny Cash und Kris Kristofferson. Diese Musik hat mich geprägt.

Es heißt, Sie wünschten, mindestens 20 Jahre früher mit dem Musikmachen angefangen zu haben. Doch ohne die Lebenserfahrung von heute hätten Sie die Geschichten, die Sie in Ihren Liedern erzählen, ja gar nicht parat, oder?
Das stimmt. Und ich glaube ja auch immer, dass Dinge aus einem bestimmten Grund passieren. Die Musik macht mir jedoch gerade so viel Freude, dass ich mir wünschte, diese Leidenschaft früher ausgelebt zu haben. Ich musste wohl erst an einen bestimmten Punkt im Leben kommen, an dem ich das Gefühl hatte, etwas zu sagen zu haben, das wert ist, gehört zu werden. Großartige Künstler wie die „Beatles“, Bob Dylan oder David Bowie hatten bereits in ihren Zwanzigern wunderbare Geschichten zu erzählen.

Den meisten Menschen mit einer Karriere
wie der Ihren wäre es wohl zu mühsam, mit 50 Jahren noch einmal neu anzufangen und sich etwas aufzubauen. Faul und bequem sind Sie offensichtlich nicht …

Ich glaube, für das, was wir gerne machen, finden wir immer Zeit. Ich mag es, Geschichten zu erzählen. Das liebe ich auch an der Schauspielerei: Mit einer Gruppe von Schauspielern, dem Regisseur, den Kameraleuten und dem Team zusammenzukommen und herauszufinden, was der beste Weg ist, um eine Geschichte zu erzählen. Dasselbe gilt für die Musik. Meine Lieder sind Geschichten. Und mit meiner Band finde ich den besten Weg, sie zu präsentieren.

Waren Sie immer schon ein Erzähler?
Oh ja. Ich genieße es, mit Freunden in einer Bar zu sitzen und mich auszutauschen. Dass ich das ganz gut kann, liegt wohl an meiner Mutter und der Art, wie sie mir als Kind Geschichten erzählt hat. So warmherzig, dass sie fast schon eine familiäre Atmosphäre kreierte. Da meine Band aus meinen besten Freunden besteht, ist es für mich nicht viel anders.

Auf Ihrem neuen Album „Reckless & Me“ gibt es auch eine musikalische Hommage an Ihre Mutter, die Schauspielerin Shirley Douglas …
Ja, „Saskatchewan“ – so heißt die kanadische Provinz, in der die Wurzeln unserer Familie liegen. Im Jahr 2017 hatte meine Mutter ihren dritten Schlaganfall. Ich saß im Flieger und dachte, ich sehe sie nicht mehr lebend wieder, und schrieb ihr dieses Lied, in dem ich ihr erklärte, wie viel sie mir bedeutet. Es war gefühlt die längste Reise, auf der ich je war. Als ich im Spital ankam, war ich mir sicher, dass sie verstorben sei. Es drang lautes Fluchen an meine Ohren. Und da lag sie – voll in ihrem Element. Es war trotzdem ein mühsamer Weg zurück ins Leben für sie. Irgendwann habe ich ihr das Lied aus dem Flugzeug vorgespielt und fragte, wie sie es fände. Sie antwortete: „Du weißt aber schon, dass ich nicht in Saskatchewan begraben werden will, oder?“ Ich bejahte. Dann meinte sie: „Okay, dann liebe ich das Lied.“ (lacht)

Eine andere Form von Leidenschaft – sie soll dem Whisky gelten …
Oh, ich würde das mit dem Whisky gerne mehr strapazieren und die ganze Nacht in Bars herumhängen. Denn ich treffe dort immer interessante Menschen. Und natürlich finde ich all die verrückten Geschichten,
die ich über „The Who“ und „Led Zeppelin“ im Suff hörte, großartig. Aber die Wahrheit ist, ich kann das nicht tun. Wenn ich vier Shows spielen soll, tötet der Whisky meine Stimme. Zu meinem großen Bedauern komme ich also nicht in den Genuss, wie mir lieb wäre. Auch wenn der Whisky meine erste Liebe war. Und ich mein erstes Liebeslied in einer Bar schrieb.

Was muss bei Auftritten in Ihrer Garderobe sein?
Socken und Unterhosen. Denn die Möglichkeiten, Wäsche zu waschen, sind auf Tour äußerst limitiert. Es ist
mir egal, wenn ich schmutzige Jeans tragen muss. Aber bei Unterwäsche und Socken hört der Spaß auf.
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