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Ausgabe Nr. 17/2019 vom 23.04.2019, Foto: Achensee Tourismus
Fahrt mit der Achenseebahn
Information: Hin- und Retourfahrt um 31 Euro pro Erwachsenen, 15,50 Euro pro Kind
Saisoneröffnung am 27. April,
Tel.: 05244/62243
www.achenseebahn.at
Mit Volldampf zum größten See Tirols
Wenn die Dampfloks der Achenseebahn ausfahren, sind alle Augen auf sie gerichtet. Die vier Kraftrösser befördern ab Ende April wieder Passagiere von Jenbach in Tirol hinauf zum Achensee. Nach oben gelangen sie über eine steile Zahnradtrasse. In diesem Jahr feiert die Bahn ihr 130jähriges Jubiläum.
Seit 130 Jahren arbeiten sich „Georg“, „Hannah“, „Hermann“ und „Theodor“ den steilen Berg von Jenbach in Tirol zum Achensee hinauf. Mit diesen vier Namen sind die kleinen Dampfloks der Achenseebahn versehen. Die Kraftrösser beweisen, dass Alter keine Rolle spielt. Denn die Achenseebahn ist die älteste ausschließlich mit Dampf betriebene Zahnradbahn Europas.

In den Jahren 1888 und 1889 rollten die kleinen Dampfloks in der Wiener Lokomotivfabrik Floridsdorf vom Band und sind seitdem im schönen Land Tirol im Einsatz. Die Mitarbeiter der Achenseebahn holen dieser Tage die Dampfloks aus dem Winterschlaf, damit sie ab 27. April wieder auf den Gleisen unterwegs sein können.

Den ersten Kraftakt hat der Zug nach der Abfahrt in Jenbach zu meistern. „Kurz nach dem Bahnhof beginnt die Zahnradtrasse. Der Zug hat eine Steilstrecke von 3,5 Kilometern mit einer maximalen Steigung von 16 Prozent zu bewältigen“, erzählt Georg Fuchshuber, Obmann der Achenseebahn. Damit die Dampflok die 440 Höhenmeter problemlos erklimmt, schiebt sie die Waggons den Berg hinauf.

Zischend und schnaufend arbeitet sich die Zahnradbahn den Berg empor. Sie dampft vorbei an Bergwiesen, durch Wälder und bietet den Fahrgästen einen herrlichen Blick über das Inntal. Bei Bedarf hält die Lok im Bahnhof Burgeck.

Die Passagiere nehmen in einem der sechs Personenwagen Platz. Jeder Wagen hat 55 Sitzplätze und eine Plattform mit Stehplätzen. Alle Waggons kann die Dampflok aber nicht gleichzeitig den Berg hinaufschieben. Das wäre selbst für die 180 PS starke Maschine zuviel.

Maximal zwei Waggons werden an die Lok gekoppelt. Bei schönem Wetter können die Fahrgäste im offenen Personenwagen die vorbeiziehende Landschaft genießen, während die Aromen der Kohle um die Nase wehen. Mithilfe des schwarzen Gesteins wird der Lok Feuer im Kessel gemacht. Die alte Dame labt sich pro Stecke mit 300 Kilo Kohle und schluckt 1.500 Liter Wasser.

Eine halbe Stunde braucht die Lok, um den Bahnhof Eben, den höchsten Punkt der Bahntrasse auf 970 Meter Höhe, zu erreichen. „Hier wird umgekoppelt. Die Dampflok zieht ab nun die Waggons bis zur Endstation Seespitz“, erzählt der 55jährige Obmann.

Unterwegs hält der Zug an den Bahnhöfen Maurauch und Maurach Mitte. Bei Letzterem steigen all jene aus, die ins Rofangebirge wollen. Mit der Seilbahn gelangen die Ausflügler bequem zur Bergstation auf 1.840 Meter. Einen herrlichen Panoramablick auf den Achensee haben Besucher von der Aussichtsplattform, die einem Adlerhorst nachempfunden ist.

Wieder zurück im Tal, steigen die Ausflügler bei der Haltestelle Maurach Mitte wieder in die Dampflok ein. Nun ist es nicht mehr weit zur Endstation Seespitz. Nach 50 Minuten Fahrtzeit und einer Strecke von 6,8 Kilometern erreicht die Lok das Ufer des Achensees. Radler und Spaziergänger tummeln sich am Seeufer und beobachten interessiert das Ankommen der nostalgischen Lok.

Nur ein paar Meter von den Gleisen entfernt, ankert ein Ausflugsschiff, das auf die Bahnpassagiere wartet. Die Fahrgäste können nun den Zug gegen das Boot tauschen. Die Fahrpläne sind aufeinander abgestimmt, somit steht einer Rundfahrt auf Tirols größtem See nichts im Weg.

Die Achensee-Schifffahrt ist sogar noch um ein Jahr älter als die Bahn. „Wir feiern dieses Jahr am 6. Juni das 130. Bahnjubiläum. An diesem Tag wurde nach acht Monaten Bauzeit im Jahr 1889 die Achenseebahn und somit auch die erste Bergbahn Tirols eröffnet“, sagt Fuchshuber.

Der Konsul Theodor Friedrich Freiherr von Dreifuss ließ die Zahnradbahn bauen. Die Anrainergemeinden hatten große Bedenken gegenüber der neumodischen Bahn. Das Kloster Fiecht, damals im Besitz des Achensees und Betreiber der Dampfschifffahrt, befürwortete aber das Eisenbahnprojekt.

Mit der Bahn und dem Schiff begann sich der Tourismus am Achensee zu entwickeln. Neben der Personenbeförderung war anno dazumal der Transport von Wirtschaftsgütern, etwa Holz, die Hauptaufgabe der Bahn. Heute transportiert sie 100.000 Personen im Jahr.

Die Dampflokomotiven „Georg“, „Hermann“, „Hannah“ und „Theodor“ sind ab Ende April bis 27. Oktober täglich im Einsatz. In der Hauptsaison befahren sie die Strecke sechs Mal am Tag. widlak
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