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Ausgabe Nr. 17/2019 vom 23.04.2019, Foto: picturedesk.com
Balázs Ekker, am 20. März 1977 im ungarischen Győr geboren, war von 2005 bis 2011 mehrfach ausgezeichneter Profitänzer. Ekker tanzte in der ersten „Dancing Stars“-Staffel des ORF mit Arabella Kiesbauer, dann mit Nicole Beutler, Nina Proll, Jeannine Schiller und Gitta Saxx. 2011 gewann er mit der „Seer“-Sängerin Astrid Wirtenberger den Titel. Seit der siebenten Staffel sitzt Ekker in der Jury. Mit seiner Tanzpartnerin und Ehefrau Alice führt er seit 2003 ein Tanzstudio in Győr und seit 2016 eine Tanzschule in Wiener Neustadt.
Für Petzner wird‘s Zeit zu gehen“
Als Juror bei „Dancing Stars“ nimmt er sich kein Blatt vor den Mund. Balázs Ekker, 42, bewertet die tänzerischen Leistungen der Teilnehmer nach dem Motto „Was wiegt, das hat‘s“. Schönrednerei liegt ihm nicht. Deshalb sagt er klipp und klar, für wen es Zeit zu gehen wäre, was er im Finale sehen möchte und dass seine Scharfzüngigkeit nicht gespielt ist.
Herr Ekker, tut das Tanzen nicht nur dem Körper, sondern auch der Seele gut?
Tanzen ist neben der Technik eine hochemotionale Angelegenheit und kann vieles bewirken. Wir sagen in unseren Tanzkursen zum Tanzpartner lustigerweise Tanzgerät. Was nicht ganz stimmt. Denn schließlich reden wir von keinem sportlichen Gerät wie einem Tennisschläger. Wir reden von einem Menschen. Und ein Mensch hat immer Gefühle, die sich eben auch unmittelbar auf die Tanzleistung auswirken. Mit dem Tennisschläger funktioniert das Spiel heute gut und morgen ebenso. Mit dem Tanzpartner kann es heute wunderbar laufen, aber am nächsten Tag ganz miserabel.

„Zeige mir, wie du tanzt, und ich sage dir, wie du bist.“ Erkennen Sie am Tanzstil eines Menschen seine Charakterzüge?
Ich wage zu behaupten, dass das möglich ist. Da sich die Bewegungen und Schritte nicht von den Gefühlen trennen lassen, verraten Tänzer vieles über ihre inneren Emotionen. Kommt beispielsweise ein Hochzeitspaar zu uns in die Tanzschule, um einen Kurs zu absolvieren, kann ich schon nach der ersten Stunde die Probleme des Paares erkennen, die bei ihnen vielleicht erst in den nächsten fünf Jahren auftreten.

Wie können Sie das erahnen?
Beim Tanzen kann sich rasch herauskristallisieren, ob jemand Geduld mit sich selbst oder mit anderen Menschen hat. Wie er mit Kritik umgeht, ob er nur austeilen und nichts wegstecken kann. Zuerst mag bei einem Paar alles einwandfrei und friedlich erscheinen. Beim Tanzen kann die Harmonie urplötzlich aus den Fugen geraten. „Dancing Stars“ ist das beste Beispiel dafür, wie sehr beim Tanzen die Gefühle im Vordergrund stehen.

Dann braucht es einen nicht wundern, wenn bei „Dancing Stars“ die Wogen hochgehen?
So ist es. Jeder, der auf die Tanzfläche geht, ist grundsätzlich eitel. Ich habe in dieser Branche selten uneitle Menschen kennengelernt. Dazu kommt, dass die Tänzer ein Stückerl ihres Innersten preisgeben und empfindlich sind. Der eine mehr, der andere weniger.

Geht es bei „Dancing Stars“ mehr um die Show als um das tänzerische Können?
Es ist der Mix aus tänzerischer Leistung und Show, der beim Publikum gut ankommt. Hätten wir nur gute Paare, wäre es nur halb so interessant. Von „Schotti“ (Anm.: Michael Schottenberg) hätte sich beispielsweise niemand erwartet, dass er eine so gute Figur macht. Und für das Publikumsinteresse braucht es offensichtlich auch einen wie den Herrn Petzner, der nicht tanzen kann. Wofür er selbst gar nichts kann, denn nicht jeder Mensch kann tanzen. Stefan Petzner gehört zu dem einen Prozent.

Umso erstaunlicher, dass er bislang so weit gekommen ist …
Er wirkt verbissen. Dass er gewinnen will, ist sein gutes Recht. Und die richtige Einstellung für einen Wettbewerb. Aber scheinbar hat Herr Petzner keinen Spiegel zuhause. Vielleicht hat er aus diesem Grund die Objektivität zur eigenen Leistung komplett verloren. Seine Auftritte gehen ein bisserl in die lächerliche Richtung.

Ist es Absicht, dass Sie und Karina Sarkissova die scharfzüngigen Juroren seid? Müssen Sie strenger sein als die anderen?
Nein, gar nicht. Wir Juroren müssen keine Rolle spielen, sondern dürfen so sein, wie wir eben sind. Unsere Direktheit ist vielleicht darauf zurückzuführen, dass Karina und ich aus dem Osten stammen und nach anderen Maßstäben sozialisiert wurden. Wir beide sind härtere Töne gewohnt und vermeiden es, um den heißen Brei herumzureden. Im Gegensatz zu Nicole (Anm.: Nicole Hansen). Sie ist „die Liebe“ in unserer Runde und versucht, immer etwas Gutes zu finden, auch wenn es gar nichts Gutes gibt.

Vertragen die Menschen keine Kritik mehr?
Die Menschen sind es nicht mehr gewohnt, direkt, von Auge zu Auge mit Kritik konfrontiert zu werden. Alles wird schöngeredet, überhaupt hierzulande, wo die Menschen offenbar Meister der Diplomatie sind. In meiner ungarischen Heimat wird eher Klartext geredet. Das heißt, wenn etwas ein „Sch...“ ist, dann ist es auch ein „Sch...“ Hundert Prozent der Menschen in diesem Land wissen beispielsweise, dass Herr Petzner nicht tanzen kann, stimmen aber trotzdem für ihn.

Wer wird gewinnen?
Wider meinem Naturell erlaube ich mir ausnahmsweise eine diplomatische Antwort und sage, der, der es sich verdient hat. „Dancing Star 2019“ soll der werden, der zu hundert Prozent tanzen kann, sympathisch erscheint und das Publikum unterhalten kann. Und das sind für mich alle bis auf einen, den Stefan Petzner. Für ihn wird es langsam Zeit zu gehen.

Was wünschen Sie sich beim großen Finale am 10. Mai zu sehen?
Spannung bis zur Ziellinie und dass wir Juroren nicht zwischen „gut“ und „schlecht“ entscheiden müssen, sondern zwischen „gut“ und „noch besser“.

Dann wollen wir auf die Besten gespannt sein …
Allerdings, wobei die Spitzenreiter-Rolle auch nicht einfach ist. Das spürte ich am eigenen Leib, als Astrid Wirtenberger und ich 2011 siegten. Jeder hat förmlich darauf gewartet, dass wir einen Fehler machen.

Zwölf Staffeln „Dancing Stars“, zunächst als Tänzer, später als Juror, sind Sie schon dabei. Haben Sie noch Spaß daran?
Ja, weil es doch ein paar neue Akzente gibt. Die Profitänzer und Jurymitglieder auszutauschen, brachte frischen Wind. Ich könnte mir „Dancing Stars“ auch mit Laien, also mit kleinen statt großen Namen gut vorstellen. Denn ich glaube, dass sich viele Zuschauer daheim vor dem Fernseher vorstellen, wie es wäre, im schillernden Glamour des „Ballrooms“ zu tanzen.
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