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Ausgabe Nr. 16/2019 vom 16.04.2019, Foto: #fairändern, Mag. Markus Zahradnik
Petra Plonner, Klaudia Frieben
Soll die Spätabtreibungs-
Regelung geändert werden?
Eine Abtreibung innerhalb der ersten drei Monate ist straffrei. Danach nur, wenn ernste Gefahr für das Leben oder die körperliche beziehungsweise seelische Gesundheit der Schwangeren besteht, bei Unmündigen oder bei einer schweren Behinderung des Kindes. Letzteren Spätabtreibungs-Grund will die Bürgerinitiative „#fairändern“ aus dem Gesetz streichen. Mehr als 60.000 Menschen haben unterschrieben, darunter FPÖ-Minister Norbert Hofer, Ex-ÖVP-Landeshauptmann Erwin Pröll sowie etliche katholische Bischöfe.
JA: Petra Plonner,
Bürgerinitiative „#fairändern“

„,Alle Kinder können, wenn der Verdacht besteht, dass sie weiblichen Geschlechts sind, bis zum Einsetzen der Geburt abgetrieben werden.‘ Wo finden wir diesen Gesetzestext? Zum Glück nirgends. Denn da gäbe es zu Recht einen großen Aufschrei über diese Diskriminierung. Was viele nicht wissen: Es gibt tatsächlich einen Gesetzestext, der eine späte Abtreibung ermöglicht, wörtlich wenn ,eine ernste Gefahr besteht, dass das Kind geistig oder körperlich schwer geschädigt sein werde‘ (Strafgesetzbuch §97, Abs. 1 Z 2 Fall 2). Was genau eine ,schwere Behinderung‘ ist, definiert das Gesetz nicht. Viele Menschen mit Down Syndrom sind davon betroffen und auch andere, die mit ihren Behinderungen gut leben könnten. Diese sogenannte ,eugenische Indikation‘ ist eine deutliche Diskriminierung von Menschen mit Behinderung und vor allem ein unwürdiges Werturteil über ihr Lebensrecht. Ihre Abschaffung nimmt der schwangeren Frau nichts; sie kann sich aufgrund anderer Indikationen weiterhin zu einem späten Abbruch entschließen. Aber sie gibt den Menschen mit Behinderung, was ihnen gehört: Akzeptanz und Gleichbehandlung.“

Nein: Klaudia Frieben,
Österreichischer Frauenring

„Wir sind der Meinung, dass eine Frau selbstbestimmt über sich und ihren Körper entscheiden muss. Die Entscheidung, ein behindertes Kind zu bekommen oder nicht, wird sich keine Frau leicht machen. Und wenn sie sich dafür entscheidet, dann darf sie nicht alleine gelassen werden. Das tut der Staat gerade, indem er zum
Beispiel die erhöhte Familienbeihilfe für schwerst behinderte Kinder streicht. Wir lehnen jede Form der
Diskriminierung und ganz besonders der Menschen mit
Behinderung vehement ab. Aber durch ein Verbot der Spätabtreibungen würden wahrscheinlich die Frühabtreibungen zunehmen, wenn der Verdacht auf
eine Behinderung besteht. Dann könnte es sein, dass auch gesunde Kinder abgetrieben werden. Zudem würde es zum Abtreibungstourismus kommen, wie in den Jahren vor der
Fristenlösung. Frauen, die es sich leisten können, werden ins Ausland fahren. Alle Frauen, die sich das nicht leisten können, würden wieder in die Illegalität getrieben. Und Illegalität bedeutet Engelmacherinnen, Hinterhöfe und
Küchentische. Das lehnen wir ab.“
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