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Ausgabe Nr. 15/2019 vom 09.04.2019, Foto: picturedesk.com
Die Schauspielerin Emma Thompson wird 60
„Es nervt, eine Frau zu sein“
Mit dem Älterwerden hat Emma Thompson keine Probleme. Ärgerlich findet die 60jährige nur, dass ältere Schauspielerinnen bei der Rollenvergabe benachteiligt sind.
Das Alter macht mich mutiger. Ich liebe es, älter zu werden, weil ich dadurch immer mehr über das Leben weiß. Und mir ist inzwischen bewusst geworden, dass es die wenigsten Dinge wert sind, vor ihnen Angst zu haben“, sagt Emma Thompson. Einzig der Gedanke, Menschen zu verlieren, beunruhigt sie. „In den vergangenen Jahren sind sechs Menschen aus meinem Umfeld an Krebs gestorben, darunter im Jahr 2016 mein lieber Kollege Alan Rickman“, beschreibt die englische Schauspielerin eine traurige Seite des Älterwerdens.

In beruflicher Hinsicht ärgert es sie, dass Frauen in ihrem Alter es schwerer als Männer hätten, Rollen zu bekommen. „Es nervt, eine Frau zu sein und Filme zu sehen, in denen Männer jenseits der sechzig noch immer wunderbare Rollen verkörpern dürfen, Frauen aber nicht.“

Immerhin ist sie eine anerkannte und „Oscar“-gekrönte Darstellerin, die nicht ausschließlich auf ihr Äußeres reduziert wird. „Daher muss ich mich nicht dafür rechtfertigen, dass ich in jungen Jahren hübscher ausgesehen habe.“

Ihr Talent hat die am 15. April 1959 in der englischen Hauptstadt London geborene Schauspielerin von ihren Eltern Phylida Law und Eric Thompson, beide Schauspieler, geerbt. Schon als junge Studentin trat sie in englischen Fernseh-Serien auf, ab 1987 in der nach ihr benannten Serie „Thompson“. Ein Jahr davor lernte sie bei Dreharbeiten den Schauspieler Kenneth Branagh, 59, kennen und lieben. 1989 heirateten „Ken und Em“, wie das damalige Traumpaar des englischen Filmes genannt wurde.

Als Emma Thompson 1993 für ihre Rolle in „Wiedersehen in Howards End“ den „Oscar“ bekam, wurde Hollywood auf sie aufmerksam. Daher spielte sie ein Jahr später an der Seite von Arnold Schwarzenegger und Danny DeVito in der Komödie „Junior“ mit.

Dem beruflichen Hoch, Thompson konnte sich ihre Rollen nun aussuchen, folgte 1995 ein privates Tief in Form der Scheidung. Kenneth Branagh hatte eine Affäre mit der Schauspielerin Helena Bonham Carter. Tief enttäuscht stürzte Emma Thompson in eine schwere Depression. „Es war grauenhaft, ich stand völlig neben mir. Ich glaube, ich war nicht zurechnungsfähig“, erinnert sich die Schauspielerin an die schwere Zeit zurück. Tagelang habe sie es nicht geschafft, ihre Kleidung zu wechseln. Eingewickelt im schwarzen Bademantel ihres Exmannes sei sie im Haus planlos umhergeirrt. Gerettet habe sie in diesen schmerzvollen Monaten ihre Arbeit. „Ich schrieb damals das Drehbuch für die Jane-Austen-Verfilmung ‚Sinn und Sinnlichkeit‘. Wenn ich es endlich geschafft hatte, von meinem Bett ins Arbeitszimmer zu meinem Computer zu kriechen, war alles gut“, erzählt Thompson, der es überzeugend gelingt, vor der Kamera in Tränen auszubrechen wie etwa in dem Weihnachtsklassiker „Tatsächlich … Liebe“.

„Ich erinnere mich daran zurück, wie mich Kenneth betrogen und mir damit das Herz gebrochen hat. Im Film stand ich da und weinte deshalb so bitterlich, weil ich genau nachvollziehen kann, was es bedeutet, im Nachtkästchen eine Halskette zu finden, die nicht als Geschenk für die Ehefrau, sondern für die Geliebte bestimmt ist.“

Privat sah es für Emma Thompson zu dieser Zeit schon wieder um einiges besser aus. Für das Drehbuch zu „Sinn und Sinnlichkeit“ erhielt sie nicht nur ihren zweiten „Oscar“. Bei den Filmarbeiten lernte die „Zauberhafte Nanny“-Darstellerin Greg Wise kennen. Der 59jährige Schauspieler teilt mit ihr bis heute Tisch und Bett. Im Jahr 1999 wurde die gemeinsame Tochter Gaia geboren. Thompson war 40 und, weil ihr Kinderwunsch lange unerfüllt geblieben war, kam ihre Tochter mithilfe künstlicher Befruchtung zur Welt. „Es ist mutig, Kinder in die Welt zu setzen und sie zu erziehen. Mutig fand ich es auch, meine Tochter ohne Schmerzmittel zu gebären, denn es war ganz schön schmerzhaft“, sagt die Schauspielerin.

Der aus Ruanda stammende Tindy, den das Paar 2003 adoptierte, macht das Familienglück komplett. „Ich bin ein Familienmensch und liebe es, alle mir wichtigen Menschen um mich zu haben“, schwärmt Thompson. Sie lebt mit ihrer Familie in derselben Straße, in der sie ihre Jugend verbracht hat. Direkt gegenüber wohnt ihre Mutter, ein paar Häuser weiter ihre Schwester Sophie, 57.

Für Aufsehen sorgten die beiden Schwestern mit einer Umweltschutz-Aktion bei einem Protest gegen das sogenannte „Fracking“ (hydraulisches Aufbrechen des Bodens für die Gewinnung von Schiefergas) im englischen Lancashire. Thompson und ihre Mitstreiter wollten damit zeigen, dass „wir nicht zulassen, dass unsere Landschaft entstellt und der Klimawandel weiter befeuert wird“.

Ihre Hartnäckigkeit bewies sie auch durch ihr Engagement gegen den ersten Irak-Krieg. Sie habe diesen Krieg von vorne bis hinten falsch gefunden. „Es ist falsch, Zivilisten mit Bomben zu töten. Ich glaube, durch diese Kriege werden junge Menschen radikalisiert, weil sie mitansehen müssen, wie Eltern ihre toten Kinder aus den Trümmern bergen“, erklärt Thompson ihren starken Sinn für Gerechtigkeit. „Ich war schon in jungen Jahren ziemlich wild. Eine Zeitlang war ich Punkerin und wollte ständig mit dem Kopf durch die Wand“, erinnert sich die bald 60jährige.

Grundsätzlich wolle sie das noch immer, „aber jetzt, wo ich Familie habe und älter werde, bin ich nicht mehr so radikal wie früher“, meint die Schauspielerin.
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