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Ausgabe Nr. 15/2019 vom 09.04.2019, Foto: picturedesk.com
Die Ferrari-Talente Charles Leclerc und Mick Sch umacher geben Vollgas
Zwei PS-Heilsbringer für „die rote Göttin“
Seit dem Jahr 2007 wartet Ferrari bereits auf einen Gas gebenden Messias, der im italienischen Boliden, genannt „die rote Göttin“ wieder einen Weltmeisterschafts-Titel erobert.
Mit den beiden Talenten Charles Leclerc, 21, und Mick Schumacher, 20, stehen nun gleich zwei hochveranlagte Heilsbringer in den Start-löchern, die den arrivierten Sebastian Vettel, 31, alt aussehen lassen.
Erst ein Motorschaden kurz vor dem Rennende verhinderte vor Kurzem in Bahrain Charles Leclercs, 21, ersten Sieg im zweiten Rennen seiner Karriere. Doch nicht genug damit, raste zuletzt auch Mick Schumacher, 20, der Sohn des legendären siebenfachen Weltmeisters Michael, bei Testfahrten für Ferrari schneller ins Ziel als Lewis Hamilton.

Für viele Experten steht damit beim italienischen Rennstall endgültig die Wachablöse bevor, womöglich schon am Wochenende beim Großen Preis von China in Shanghai. „Leclerc hat eine strahlende Zukunft vor sich und ist ein kommender Sieger“, verneigte sich der Weltmeister Lewis Hamilton, während der Ex-Champion Nico Rosberg große Probleme auf Sebastian Vettel zukommen sieht. „Leclerc wird langfristig ein schmerzhafter Dorn in Sebastians Fleisch sein“, glaubt er.

Nachdem er 2018 bei Sauber noch ein klar unterlegenes Auto gelenkt hatte, schlug der junge Monegasse Leclerc, der seit seinem elften Lebensjahr ein gehirnförderndes Training in einer Klinik betreibt, im Ferrari wie ein Blitz ein. Mit Nerven aus Stahl, Mut und viel Gefühl für Taktik blieb der Formel-2-Weltmeister von 2017 schon im Auftaktrennen nur aufgrund einer Stallorder hinter Vettel, bevor er ihn mit der Pole-Position und Platz drei in Bahrain in den Schatten fuhr.

Das Rennfieber hätte bereits immer in ihm geschlummert, erzählt er. „Schon mit vier Jahren täuschte ich Übelkeit vor, um statt in den Kindergarten auf die Kartbahn gehen zu dürfen“, schmunzelt der Schokolade liebende Leclerc. „Ich gebe bis zum heutigen Tag alles dafür, um zu gewinnen.“ Kein Wunder, Vater Hervé war Amateurpilot, Mama Pascale frisierte in ihrem Salon Prominente wie den früheren Piloten David Coulthard, und die ganze Familie wuchs in Monaco nur 50 Meter neben der ersten Rennkurve des Monte-Carlo-Städtekurses auf. „Ich befuhr ihn schon als Kind mit dem Skateboard, Fahrrad und dem Schulbus.“ Seit 2015 ist Leclerc mit seiner hübschen italienischen Freundin Giada Gianni, 21, zusammen, die er aber nicht zu den Rennen lässt. „Ich will nicht, dass sie in der Box sitzt und sieht, wie ich einen schlechten Tag erwische.“

Die vergangenen Jahre waren privat hart für Leclerc, der zwei tragische Schicksalsschläge wegstecken musste. 2014 verunglückte zunächst sein Jugendfreund und F1-Pilot Jules Bianchi (F) tödlich, 2017 starb sein Vater nach langer Krankheit. „An seinem Totenbett log ich ihn an und erklärte ihm, dass mein Formel-1-Vertrag für 2018 bereits fix wäre, denn dies war stets sein größter Traum“, erinnert sich Leclerc. „Zum Glück wurde der Vertrag danach wirklich fixiert und die Flunkerei zur Wahrheit. Heute widme ich jedes Rennen Papa, meinem größten Förderer.“

So sehr Leclercs Karriere von seinem Stammhalter geprägt war, überschattet jedoch ein anderer PS-Vater noch gewaltiger die Ferrari-Szene. Vor allem seit der 20jährige Mick in fast allen Motorsportklassen Erfolge feierte, im vorigen Jahr die Formel-3-EM gewann und nun sogar für Ferrari testen darf, ist der Name Schumacher wieder in aller Munde. Vater Michael, 50, liegt nach einem dramatischen Schi-Unfall im Jahr 2013 im Koma und wird von der Öffentlichkeit abgeschirmt. „Dreht Mick am Lenkrad, sehe ich Michael vor mir“, erkennt die Ingenieurs-Legende Ross Brawn Ähnlichkeiten. „Diese Fokussiertheit, der Tunnelblick am Start, das ist ganz der Papa. Wir werden ihn bald in der Formel 1 an der Spitze sehen.“

Um den öffentlichen Druck abzuschwächen, startete Schumacher als Kind unter dem Namen Mick Betsch, dem Mädchennamen seiner Mutter Corinna. Heute stört ihn der ständige Schatten des Vaters nicht mehr.

„Ich bin glücklich, der Sohn des großartigsten Formel-1-Fahrers zu sein“, verrät der Deutsche, der privat gern mit dem Motocross-Motorrad unterwegs ist. Sein Vater Michael hatte früher stets gehofft, der Sohn würde nicht im gefährlichen Motorsport, sondern lieber im Tennis oder Basketball landen. „Doch ich sagte ihm schon als Kind, dass ich nie etwas anderes machen würde“, raubte ihm der Sohnemann alle Illusionen. „Wir haben unsere Leidenschaft für Motoren immer geteilt. Die langen Nächte, in denen Papa und ich an meinem Gefährt herumgeschraubt haben, werde ich nie vergessen.“
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