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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Fotos: ORF/Hans Leitner, picturedesk.com
Michael „Schotti“ Schottenberg, 66 mit Conny Kreuter
Michael Schottenberg mit Lebensgefährtin Claire
„Ich habe keine Angst zu versagen“
Der Schauspieler und Regisseur Michael Schottenberg ließ 45 Jahre Bühnen-Arbeit hinter sich, um in einen Lebensabschnitt des Reisens und Schreibens aufzubrechen. Ebenfalls Neuland erkundet er gerade in der Welt der Tänze mit seiner „Lehrmeisterin“ Conny Kreuter.
Wie gestochen scharf das Bild ist“, sagt Michael Schottenberg beinahe fasziniert und zeigt auf den Flachbildfernseher in der Kantine des ORF-Zentrums. Dort traf ihn die WOCHE zwischen seinen Tanz-Proben für „Dancing Stars“. „Das ist kein Vergleich zu den verschneiten schwarz-weißen Bildern der 1960er Jahre, mit den Zimmer-,Libellen‘, also den ausladenden Zimmer-
antennen“, erinnert sich der 66jährige an die Kindheit.

Fernsehshows mochte der am 10. Juli 1952 in Wien geborene Schauspieler und Regisseur schon als „kleines Burli“. „Wir selbst hatten noch keinen Fernseher. Bei Tante Gerti und Onkel Pepperl sahen wir ,Einer wird gewinnen‘, den Straßenfeger der damaligen Fernsehlandschaft. Das waren die goldenen Zeiten der Fernseh-Unterhaltung. Heute ist ,Dancing Stars‘ einer der Quotenbringer.“

Bevor „Schotti“, wie ihn alle, die ihn kennen, nennen, von 1971 bis 1974 am Salzburger Mozarteum Schauspiel studierte, arbeitete er in der „Zauberklingl“ in der Wiener Innenstadt. Mit 16 versetzte er als jüngster Profi-Magier des Landes das Publikum in Staunen. „Ich war begabt und habe mir selbst die Mikro-Zauberei beigebracht“, erinnert sich der vielseitig Talentierte. Seinen Traum, als Magier in Las Vegas (USA) aufzutreten, tauschte er gegen die Schauspielerei und begann seine Laufbahn am Theater der Jugend in Wien. Schottenberg spielte von Nestroy über Hebbel bis Shakespeare alles an Bühnen in Wien und Berlin (D). Seine erste Fernsehrolle hatte er 1977 in „Kottan ermittelt“. „Ab 1980 ging es mehr in Richtung Regie.“ Im Jahr 1984 gründete er sein Ensemble „Theater im Kopf“.

„Meine zehn Jahre als Direktor des Wiener Volkstheaters waren der Schlusspunkt meiner schauspielerischen Karriere“, beschreibt der Künstler die Aufgabe als fordernder, als er gedacht hatte. „Ich war für 200 Mitarbeiter verantwortlich. Auch die Kunst kostet Geld, da gibt es aber das entsetzliche Wort ,Einsparung‘. Einem Schauspieler, der gerade Vater wurde, sagen zu müssen, ihn nicht weiter engagieren zu können, ist eine Katastrophe.“

Vier Jahre bevor sich Michael Schottenberg aus der Branche zurückzog, wurde seine Scheidung von Maria Bill bekannt. Mit der Schauspielerin und Sängerin war er 35 Jahre verheiratet. „Trennungen gehen mit unendlich vielen Verletzungen einher. Da gibt es nichts zu verharmlosen.“

Am 28. August 2015 machte sich „Schotti“ im wahrsten Sinne des Wortes zu seiner Reise in einen neuen Lebensabschnitt auf. „Wie ein 20jähriger flog ich mit meinem 40-Kilo-Rucksack nach Vietnam und war sechs Wochen lang allein mit mir. Ich wollte die 45 Jahre meines Berufes hinter mir lassen“, erinnert sich Schottenberg an sein erstes Reise-Abenteuer, das zwei Jahre später unter dem Titel „Von der Bühne in die Welt“ als Buch veröffentlicht wurde. Seine Lust aufs Reisen und Schreiben setzte sich in seinem Buch über Burma fort. In „Von Träumen und Schiffen“ beschreibt der Autor seine Erlebnisse als Crew-Mitglied eines Containerschiffes.

Wie eine Reise durch die Welt des Glamours und des Tanzes empfindet der charismatische Optimist nun sein Mitwirken bei der Show „Dancing Stars“. „Beim Tanzen werden Glückshormone ausgeschüttet wie beim Marathonlaufen, was ich früher machte. Und etwas auszuprobieren, das ich gar nicht kann, reizte mich schon immer“, sagt Schottenberg, der bislang Walzer, Cha Cha Cha und Slow Fox elegant in Szene setzte.

Im „Ballroom“ (Tanzsaal) fiebert seine Frau Claire („Obwohl wir nicht verheiratet sind, ist sie meine Frau“) mit. Auch Tany, 30, sein Sohn aus der Ehe mit Maria Bill, findet Papas Teilnahme an der Show gut, denn es brauche schon Mut dafür. Dass er der Alte unter den Tänzern ist, war Schottenberg gar nicht bewusst. „Bis aus der Jury die Bemerkung mit dem Alter kam. Erst wenn jemand anderer sagt, du wärest ein alter Mann, denkst du dir, ach so, das bin ja ich.“ Außerdem spürt er die Strapazen des Trainings in den Knochen.

Ein Ausscheiden würde Michael Schottenberg weitgehend humorvoll hinnehmen. „Ich habe keine Angst zu versagen. Wenn ich etwas nicht kann, kann ich auch nicht versagen. Anders bei einem Wissensquiz. Da hätte ich vielleicht Angst, bei einer Frage auf der Leitung zu stehen.“ Die tänzerische Reise geht für „Schotti“ vorerst jedoch weiter. Mit Rhythmus und Lebenslust, die Samba steht auf dem Trainingsplan mit seiner „Lehrmeisterin“ Conny Kreuter, 32. Wie gut die Darbietung ist, darüber fällen am Freitag, 5. April, ab 20.15 Uhr, ORF eins, die Jury und das Publikum ihr Urteil.
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