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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Foto: zVg
Eishockey-Kapitänin Esther Väärälä schaukelt bei der WM mehr als nur ein Baby
Die Mutter der Eis-Kompanie
Mit 16 Jahren war Esther Väärälä bereits Bestandteil des ersten rot-weiß-roten Damen-Eishockey-Nationalteams. Mittlerweile reist die 34jährige als Rekordspielerin und mit eigenem Baby namens Emma im Schlepptau zur WM nach Budapest (Ungarn), wo nun der historische Aufstieg in die Top-Division gelingen soll.
Der Feind liegt diesmal wirklich im eigenen Bett. Von 7. bis 13. April findet in der ungarischen Hauptstadt Budapest die Weltmeisterschaft der Damen im Eishockey statt. Unser Team trifft dort auf Dänemark, Norwegen, Slowakei, Italien und Ungarn. Dort ist Mika Väärälä, 31, Assistenztrainer. Der gebürtiger Finne muss sich in den nächsten Tagen bemühen, daheim keine Geheimnisse auszuplaudern. Denn seine 34jährige Frau Esther ist immerhin die Kapitänin und mit 168 Einsätzen Rekordspielerin der rot-weiß-roten Eishockey-Damen. „Es ist unüblich, dass Mitglieder gegnerischer Teams im selben Hotelzimmer schlafen, aber in unserem Fall ist das eine Ausnahme“, lacht Esther Väärälä. Der Grund heißt Emma, ist sechs Monate alt, blond und hat ein entzückendes Lächeln. „Unsere Tochter ist bei der WM mit dabei, sie war schon oft mit mir in der Eishockey-Halle“, erzählt Väärälä. Oma Waltraud wird dem Nachwuchs in Ungarn Flascherl geben und Windeln wechseln, wenn die Eltern „Eiszeit“ haben. „Es kann schon recht kalt und zugig in der Halle sein, da wird die Kleine einige Pausen brauchen“, sagt die Mutter.

Für wen das familieninterne Maskottchen bei der WM die Daumen drückt, steht noch nicht fest. Ginge es nach der Weltrangliste, so wäre es unser Land, denn Platz elf ist eine bessere Platzierung, als sämtliche Gegner aufzuweisen haben. Auf dem Papier sind also die Frauen um Väärälä Mitfavoritinnen auf die zwei ersten Ränge, die den Aufstieg in die Top-Division der Weltelite bedeuten würden. „Unser Damen-Eishockey ist derzeit so gut wie noch nie“, bringt es die Kapitänin auf den Punkt, deren Verein der „EHV Sabres“ in Wien ist. „Kaum zu glauben, dass erst 2001 das erste Damen-Nationalteam aufs Eis geschickt wurde, wir heute schon an den Top zehn kratzen und besser sind als die Männer.“ Beim Startschuss gab es damals überschaubare 100 aktive Spielerinnen im Land, heute sind es 700. Vor wenigen Jahren noch mussten die Frauen bei der WM in der Jugendherberge schlafen, heute verfügen sie im WM-Jahr über ein Budget von immerhin 400.000 Euro. „Nach 18 Jahren Nationalteam und all diesen Entwicklungen komme ich mir schon ein bisserl wie die Mutter der Kompanie vor“, verrät Väärälä. „Wir haben bei der WM sogar 16jährige mit dabei, die müssen geführt werden. Neben ihnen fühle ich mich fast alt.“

Aufgewachsen neben den drei Eishockey spielenden älteren Brüdern Clemens, Felix und Fabian war bei Esther Väärälä früh klar, dass Schlittschuhe, Puck und Helm in ihrem Leben eine tragende Rolle spielen würden. „Obwohl ich als Mädchen auch im Ballett war und meine Mama mich wohl lieber in der Staatsoper gesehen hätte. Aber ich mag das Schnelle und Direkte am Eishockey und habe auch keine Probleme mit hartem Körperkontakt.“ Klar, eine „Prinzessin“ dürfe keine Spielerin sein, aber die Härte wäre weniger brutal, als alle denken. „Dieser Sport hat immer noch den Geruch von ausgeschlagenen Zähnen und Knochenbrüchen, aber das gibt es bei uns kaum. Der Vollvisierhelm ist Pflicht und nach vielen Einsätzen habe ich nicht einmal einen blauen Fleck.“ Der Rekordspielerin würde es auch nicht einfallen, ihren Körper im Zweikampf zurückzuziehen, nur weil sie jetzt Mutter ist und ihr Baby auf der Tribüne sitzt. „Sicher hätten Verletzungen nicht mehr nur Auswirkungen auf mich, sondern auch auf Emma. Aber wenn ich auf dem Eis bin, blende ich das aus. Ich glaube, keine Mutter könnte auf hohem Niveau spielen, wenn sie vorsichtsorientiert denken würde.“ Auch ihr Mann Mika sieht das so, der seine Frau als einstiger Trainer der heimischen Eishockey-Damen kennenlernte und mit ihr heute in Wien lebt. „Bei uns daheim wird viel über Eishockey geredet“, gesteht Esther Väärälä. „Nur jetzt bei der WM in Ungarn dürfen wir das nicht.“

Ein Wermutstropfen ist in Budapest freilich, dass einige heimische Stammspielerinnen, darunter US-Legionärin Janine Weber, für das Turnier ausfallen. „Wir müssen erst schauen, wie wir diese Ausfälle kompensieren können, bevor wir vom Aufstieg träumen“, warnt der Teammanager Martin Kogler. Wenn er gelingen würde, wäre es allerdings ein historisches Ereignis, dann würde auch Väärälä eventuell ihre Karriere noch einmal verlängern. „Eigentlich denke ich darüber nach, den Helm bald an den Nagel zu hängen, denn die Sportkarriere neben dem Baby ist anstrengend“, berichtet die gelernte Heilmasseurin. „Aber wenn es gelingt, erstmals in der WM-Top-Division aufzuspielen, wäre ich schon gern dabei.“
Kreuziger
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