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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Foto: Volker Weihbold
Klaus Eckel, am 1. Mai 1974 in Wien geboren, sattelte vom Logistiker zum Kabarettisten um. Im Jahr 2001 präsentierte er sein erstes Programm „Umschulung zum Kabarettisten“ beim Grazer Kleinkunstpreis. Darauf folgten Soloprogramme wie „Ich Eckel euch an“ (2002), „Helden des Alltags“ (2006), „Zuerst die gute Nachricht“ (2016).

Derzeit ist er mit
„Ich werde das Gefühl nicht los“ auf Tour
(Karten unter www.oeticket.com,
Tel.: 0900/9496096).

Der zweifache Vater lebt mit seiner Familie in Klosterneuburg (NÖ).
„Ich meide digitale Orte“
Pointenreich, witzig und klug ist das neue Kabarett von Klaus Eckel, 44. Der Titel seines Programmes „Ich werde das Gefühl nicht los“ war Anlass dafür, den vielfach ausgezeichneten Kabarettisten um ein Gespräch zu bitten, in dem er Einblicke in seine ganz persönlichen Gefühlswelten gewährt.
Herr Eckel, Ihr neues Programm heißt „Ich werde das Gefühl nicht los“. Sind Sie ein Gefühlsmensch?
Jeder Mensch ist ein Gefühlsmensch. Manche können ihre Gefühle halt gut verbergen. Grundsätzlich sind wir alle von unseren Emotionen getrieben. Es gibt diese schöne Formulierung „gefühlte Fakten“. Ob es ums Impfen, die Homöopathie oder um Flüchtlinge geht, manchmal kenne ich mich bei einem Thema nicht gut aus, argumentiere aber über die Gefühlsebene. Der Verstand ist heute nicht wahnsinnig gefragt. Viele Politiker appellieren nur noch an die Gefühle. Mit Verstandesargumenten schafft es keiner mehr ins Parlament.

Mit welcher politischen Linie fühlen Sie sich wohl?
Mit gar keiner. Dieses Links-Rechts-Schema langweilt mich unglaublich. Ideologien sind für mich wie betreutes Denken. Es ist notwendig geworden, sich zu jedem Thema eine eigene Meinung zu bilden und das Denken nicht an ein Navi auszulagern.

Welche Themen meinen Sie?
Die Problematik rund um den Pflegebedarf, die Bildung und wie wir mit dem digitalen Wahnsinn umgehen.

Welche Gefühle löst der „digitale Wahnsinn“ bei Ihnen aus?
Ich war schon einmal intensiver auf Facebook und Twitter unterwegs. Es ist mittlerweile erwiesen, dass Menschen, die exzessiv in den sozialen Medien unterwegs sind, unglücklicher sind als vorher. Die meisten posten über den herrlichen Urlaub, den wundervollen Partner, den besten Beruf und die süßeste Katze. Keiner zeigt das von der Katze zerkratzte Sofa, das verbrannte Essen oder den nicht mehr ganz so attraktiven Partner. Da wird eine geleckte Welt zur Schau gestellt, die einen völlig falschen Eindruck vom anderen entstehen lässt.

Haben Sie eine sprachgesteuerte „Alexa“?
Eher würde ich mir ein Bein abschneiden, bevor ich mir einen Lautsprecher ins Wohnzimmer stelle.

Sie nutzen die sozialen Medien also nur für berufliche Zwecke?
Ich meide die digitalen Orte mehr und mehr, weil dort viele Spinner unterwegs sind. Unglaublich, von wie vielen gefälschten Internetadressen Kommentare geschrieben werden. Das ist äußerst skurril. Da treffe ich mich lieber mit meinem Nachbarn am Gartenzaun oder rede mit meinem Freund auf einer Bank im Wald, trinke mit ihm ein Bier und spüre die Natur.

Macht Ihnen diese Entwicklung Angst?
Angst macht mir, was die Digitalisierung bei unseren Kindern auslösen wird. Als ich klein war, wusste ich von der Welt gar nichts. Kindergarten, Schule und Fußballplatz waren die drei Eckpfeiler meines Universums. Meine neunjährige Tochter weiß, wer in Amerika Präsident ist, dass in Syrien ein Bürgerkrieg herrscht und in Australien ein Haiangriff stattfindet. Die Kinder haben ein Recht auf ihre Kindheit, wo ihnen nicht dauernd alles vor die Nase gehalten wird.

Was lässt sich dagegen tun?
Verbote sind sicher nicht der richtige Weg. Wichtig für Eltern ist, mit ihren Kindern nicht über „What‘s app“ zu kommunizieren, sondern wirklich mit ihnen zu reden, versuchen, ihnen alles zu erläutern und den Kindern auch das Schöne in der Welt näherzubringen. Und nicht nur die Hässlichkeiten, die zu neunzig Prozent in den Medien gezeigt werden.

War Ihre analoge Kindheit schöner?
Positiv ist, dass sich immer mehr Männer um ihre Kinder kümmern. In meiner Generation war der Vater am Wochenende ein bisserl, aber auch nicht ganz da. Das soll kein Vorwurf sein, er musste arbeiten. Negativ sind für mich die Helikopter-Eltern, die mit blinkenden Beschützer-Lamperln über ihren Kindern kreisen und sie gar nichts mehr allein tun lassen, wodurch die Kinder immer unfähiger werden.

War denn früher alles besser?
Unsere Kinder haben mehr Sachen denn je. Da könnte ich jetzt sagen, das ist schlecht. Andererseits bietet sich ihnen dadurch eine große Vielfalt, die wiederum gut ist. Ja, die Ungewissheit, die herrscht, könnte einem Sorgen machen. Aber es gab noch keine Generation, die wusste, wie die nächsten dreißig Jahre werden.

Haben Sie das Gefühl, dass es eventuell doch auch besser werden könnte?
Wir wurschteln weiter. Ich bin ein hoffnungsloser Optimist. Ich traue es mich fast nicht sagen, aber ich glaube, dass sich die Welt in eine gute Richtung bewegt. Es gibt zwar noch genug Hunger, aber viel weniger Hunger als vor 50 Jahren und weniger Kriege als vor hundert Jahren.

Was ist Ihr Lieblingsgefühl?
Es sind die schönen Liebesmomente, die im Leben zählen. Liebe gegenüber Menschen, liebevoll musizieren, liebevoll kochen, liebevoll seine Kinder behandeln, liebevoll Kabarett spielen. Je mehr Liebespunkte, umso erfüllter ist das Leben. Das mag banal klingen, aber genau dem kann ich etwas abgewinnen.

Das klingt ja fast wie in einem Roman aus der Feder von Rosamunde Pilcher …
(lacht) Nicht alles, was Rosamunde Pilcher sagte, war falsch. Der Verstand macht nicht wahnsinnig glücklich. Beginne ich zu denken, werden die Dinge meistens problematisch. Kitschig hin oder her, ich denke mir, es sind ausschließlich die Gefühle, die uns ein schönes Leben bereiten.

Äußerst gefühlvolle Worte aus dem Mund eines Mannes …
Jeder Mensch, egal, ob er das will oder nicht, hat Gefühle in sich. Und jeder, der mir sagt, ein Mann kann keine Gefühle zeigen, irrt sich gewaltig. Der sollte einmal in ein Fußballstadion gehen. Das ist ein Sammelbecken an Emotionen. Dort befinden sich Männer inmitten von Freude, Hoffnung, Euphorie, und ja, auch Tränen, wenn‘s schlecht ausgeht. Männer können gerne schnell wütend werden. Ich spiele Tennis und erlebe oft hautnah mit, wie da herumgeschrien und geflucht wird. Andererseits können Männer äußerst rührend, vor allem gegenüber ihren Kindern, sein. Also machen wir bitte endlich Schluss mit den Klischees, wenn wir über Gefühle sprechen.
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