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Ausgabe Nr. 14/2019 vom 02.04.2019, Fotos: www.dapic.rocks/David Pichler, Parlamentsdirektion/Simonis
Julia Herr, Maximilian Krauss
Soll es ein Streikrecht für Schüler geben?
Die freitäglichen Klima-Proteste stellen keine „gerechtfertigte Verhinderung“ des Schulbesuchs dar, das hat jetzt ein Erlass des Bildungsministers festgelegt. Als solche gelten nur Krankheit oder außergewöhnliche Ereignisse in der Familie. Klassenvorstände oder Direktoren dürfen Schülern keine Erlaubnis mehr zum Fernbleiben „aus wichtigen Gründen“ geben, wenn sie für den Klimaschutz demonstrieren. Julia Herr, die auch SPÖ-Kandidatin für die EU-Wahl auf dem sechsten Listenplatz ist, will zwei Schüler-„Streiktage“ pro Jahr.
JA: Julia Herr,
Sozialistische Jugend:

„Mit 16 Jahren dürfen junge Menschen an Wahlen teilnehmen. Dazu ist es auch notwendig, sich mit Politik zu befassen. Politische Bildung kann man aber nicht nur aus einem Buch oder durch einen Vortrag lernen. Junge Menschen müssen darin gefördert werden, kritisch zu denken. Politische Bildung bedeutet auch zu lernen, die eigenen Interessen zu formulieren und für sie einzustehen. An einer Demonstration teilzunehmen, ist eine gute Gelegenheit dafür. Statt es zu fördern, wird dieses gesellschaftliche Engagement aber kriminalisiert. Schülerinnen und Schüler werden wie Verbrecher behandelt, denen schwere Strafen drohen. Denn seit vergangenem Jahr droht in der Oberstufe der Rauswurf aus der Schule, wenn sie in einem Schuljahr insgesamt an mehr als fünf Tagen oder 30 Stunden unentschuldigt gefehlt haben. Auf der einen Seite wird jungen Menschen oft vorgeworfen, sie seien unpolitisch und desinteressiert. Jetzt, wenn bei ‚Fridays for Future‘ Zehntausende für ihre Zukunft auf die Straße gehen, ist das auch nicht in Ordnung. Wir fordern, dass sich Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren zwei Mal im Jahr für gesellschaftliches Engagement von der Schule freistellen lassen können.“

NEIN: Maximilian Krauss,
Freiheitliche Jugend:

„Umwelt und Klimaschutz sind wichtig. Allerdings sprechen wir uns gegen ein solches Streikrecht aus, weil es zielführender ist, diese Thematiken im Unterricht zu behandeln. Es ist grundsätzlich positiv, wenn sich junge Menschen für etwas engagieren. Allerdings muss das nicht während der Schulzeit sein. Es wäre beachtenswerter, wenn die Demonstrationen zu einem Zeitpunkt stattfänden, der für die Teilnehmer nicht so angenehm ist. Und es gibt viele Schüler, die sich fürs Klima einsetzen würden, aber pflichtbewusst in die Schule
gehen. Ihnen wird die Möglichkeit zur Teilnahme genommen. Zudem sollten wichtige Themen so behandelt werden, wie sie es verdienen, und zwar in einem ernsthaften Diskurs. Und nicht, dass vielleicht manche, die an einem Tag nicht in die Schule gehen wollen, sagen, sie gehen jetzt zum Klimastreik. Da wäre es besser, sich mit dem Thema ernsthaft auseinanderzusetzen und zukunftsträchtige Lösungen zu erarbeiten. Das könnte im Rahmen der Schule in Projekten gemacht werden. Ein bisschen überspitzt formuliert könnte man auch fragen, ob alle, die zur Demonstration gehen, bereit wären, auf die Maturareise mit dem Flugzeug zu verzichten.“
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