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Ausgabe Nr. 13/2019 vom 26.03.2019, Foto: picturedesk.com, Martin Lusser
Jürgen Czernohorszky, Heinz Fassmann
Ethik-Unterricht für alle Schüler?
Mit 14 Jahren können sich Schüler derzeit selbst vom Religions-Unterricht abmelden, fast ein Fünftel der Bevölkerung ist konfessionslos. Für „Religions-Verweigerer“ soll es ab dem Schuljahr 2020/21 das Ersatzpflichtfach Ethik geben, statt einer Freistunde. Begonnen wird mit den fünften Gymnasiums-Klassen, im Jahr darauf folgen die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen. Doch während die Kirchen mit dem Modell zufrieden sind, will die Opposition einen Ethik-Unterricht für alle Schüler.
JA: Jürgen Czernohorszky,
Wiener SPÖ-Bildungsstadtrat

„Tatsache ist, Menschen mit unterschiedlichen Überzeugungen und Glaubensrichtungen sind Teil unseres Alltags. Deshalb sollte sich auch jede und jeder mit den Grundlagen des Zusammenlebens beschäftigen, und zwar bereits in der Schule in einem Unterrichtsfach ,Ethik‘ für alle Kinder. Leider hat Minister Faßmann bei der Einführung des Ethikunterrichts der Mut verlassen und Ethik ist jetzt nur ein ,Ersatzfach‘ für all jene, die sich von Religion abgemeldet haben. Das ist schade, weil eine Auseinandersetzung mit ethischen Fragen für die ganze Klasse eine spannende Sache wäre. Gleichzeitig möchte ich aber auch anregen, den aktuellen Religionsunterricht genau anzuschauen. Welches Gesellschaftsbild steht im Mittelpunkt? Ist der Unterricht altersgerecht gestaltet? Und: Wie schaut es mit den vermittelten Rollenbildern aus? Wir haben in Wien gemeinsam mit den Religionsgemeinschaften einen Leitfaden für die Religions- und Wertevermittlung in Kindergärten erstellt und damit gute Erfahrungen gemacht. Auf Bundesebene wäre es die Aufgabe von Kultusminister Gernot Blümel, im Dialog mit allen Qualitätsstandards zu entwickeln, die für alle gelten.“

Nein: Heinz Fassmann,
ÖVP-Bildungsminister

„Nach mehr als 20 Jahren Diskussion wird eine gute Idee jetzt umgesetzt. Ab dem Schuljahr 2020/21 gibt es für alle Schülerinnen und Schüler, die sich vom Religionsunterricht abgemeldet haben oder keiner Religion angehören, Ethikunterricht. Wir setzen damit eine jahrelange Empfehlung des Rechnungshofes in die Tat um und halten uns gleichzeitig an das Konkordat, das klar Religionsunterricht an Österreichs Schulen vorsieht.
Der Überlegung mancher, den konfessionellen Religionsunterricht durch Ethikunterricht zu ersetzen, kann ich daher nichts abgewinnen. Die verschiedenen
Religionen sollen in einer pluralistischen Gesellschaft Platz
haben. Themen wie Werte, Moral und Ethik werden seit jeher im Religionsunterricht diskutiert und vermittelt. Und
das soll auch in Zukunft so bleiben. Der Ethikunterricht soll nun eine Ergänzung für jene sein, die bis jetzt eine Freistunde statt Unterricht hatten. Die Einführung in
ihrer derzeit geplanten Form soll ein erster Schritt sein. Bereits 2021 könnte ein Pilotversuch an den Unterstufen
stattfinden, auch an den Volksschulen ist Ethikunterricht angedacht.“
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