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Ausgabe Nr. 13/2019 vom 26.03.2019, Foto: Adobe Stock
Der Nutzen der Psychomotorik. Schüler, die sich bewegen, behalten ihren Lernstoff leichter im Kopf.
Bewegtes Lernen
Neigt sich das Schuljahr seinem Ende zu, müssen sich die Schüler noch einmal richtig ins Zeug legen, damit die letzten Tests gute Noten bringen. Wer sein Kind dabei unterstützen möchte, ermöglicht ihm viel Bewegung, denn Studien zeigen, ist der Körper in Bewegung, arbeitet der Kopf gleich viel besser.
Lernen kann anstrengend sein, vor allem für Schüler. Ständig müssen sie dabei sitzen, in der Schule, zu Hause, in der Nachhilfe. Die Bücher vor Augen und den Kopf in die Hände gestützt, doch der Lernstoff will einfach nicht hängen bleiben. „Das ist kein Wunder“, sagen Experten wie Univ.-Prof. Dr. Otmar Weiß, stellvertretender Leiter des Zentrums für Sportwissenschaft und Universitätssport in Wien, und verweisen auf internationale Studienergebnisse, die eines deutlich zeigen. Kinder, die sich viel bewegen, können sich besser konzentrieren und merken sich ihren
Lernstoff schneller. Das gilt für Bewegung vor dem Unterricht, nach dem Unterricht und während des Lernens, wie Studien zeigen. Eine davon kommt aus Dänemark. Sie macht deutlich, Kinder, die in die Schule gehen, konnten sich in den ersten vier Unterrichtsstunden besser konzentrieren als jene, die dorthin gefahren wurden. An der Universität von Illinois (USA) wurden zu Forschungszwecken Zehnjährige in zwei Gruppen geteilt und zum Konzentrationstest gebeten. Jene Gruppe, die zuvor 20 Minuten zu Fuß gegangen war, schnitt wesentlich besser bei der Konzentration und der Überprüfung des Lernstoffes ab als die „ausgeruhten“ Kinder.

Ein Ergebnis, zu dem auch eine Studie von Prof. Weiß kam. Er nahm die Lernmethoden in Volksschulen und Neuen Mittelschulen seit dem Schuljahr 2014/15 unter die Lupe, das Ergebnis war wenig überraschend. Bewegung vor und während des Lernens hilft Kindern, das Wissen schneller und länger zu behalten.

Bewegung verknüpft die Nervenzellen

Das klassische Bild des sitzenden Schülers, der über den Lehrbüchern brütet, ist kein Garant für Lernerfolg.
Denn Lernen entsteht nicht nur im Kopf. „Bewegung ist
der Motor für die körperliche und für die geistige Ent-
wicklung. Durch Bewegung vernetzen sich die Nerven-
zellen im Gehirn, die wir für die Denkarbeit benötigen, besser. Das gilt für alles, Rechnen, Lesen und komplexe Inhalte. Die Bewegung stärkt die Konzentration und das Kurzzeitgedächtnis“, erklärt Prof. Weiß.

Tipp – Bewegung direkt nach dem Unterricht und vor dem Lernen…

Den Schulweg zu Fuß zurückzulegen, ist eine der vielen Chancen, Schülern zu besserem Lernen durch Bewegung zu verhelfen. Eine andere ist, nach dem Unterricht dem Bewegungsdrang der Kinder freien Lauf zu lassen. „Gehen Sie mit Ihrem Volksschulkind nach der Schule auf einen Kinderspielplatz, bevor es nach Hause zum Aufgaben schreiben oder Lernen geht. Gleich, welche Bewegung es ist, das Kind soll sie mögen. Ob Radfahren, Trampolinspringen, im Garten toben oder mit einem Computerprogramm vor dem Bildschirm tanzen. Jede Bewegung verbessert den Lernerfolg, die Merkfähigkeit, egal, wie gut der Schüler ist“, erklärt Prof. Weiß.

Ist der Bewegungsdrang nach einer halben Stunde oder Stunde fürs Erste gestillt, ist der Schüler bereit für geistige Leistungen. „Eltern, die fürchten, ihr Kind sei dann zu müde, können wir beruhigen. Es gibt Studien, die deutlich zeigen, Schulsport vor Tests wirkt sich bestens auf die Konzentration der Schüler aus.“

… und während des Lernens

Untersuchungen zeigen, dass selbst Bewegung während des Wiederholens oder Lernens eines Lernstoffes hilfreich ist. Die Psychologin Sabine Schäfer vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat sich mit der körperlichen Bewegung im Allgemeinen und dem Laufen im Besonderen beschäftigt. In einem dreistufigen Experiment ließ sie 32 neunjährige Kinder und 32 Erwachsene einen Gedächtnistest absolvieren. Beim ersten Durchgang mussten ihre Probanden parallel zum Lernen auf einem Laufband spazieren, bei einer selbst gewählten Geschwindigkeit. Im zweiten Versuch legte Schäfer das (langsamere) Tempo fest. Im dritten Durchlauf mussten die Teilnehmer die Aufgaben im Sitzen memorieren. Schon bald zeigte sich, wer auf dem Band lief, lernte besser als im Sitzen, und das über alle Altersgruppen hinweg; bei schwierigeren Aufgaben schnitten die Kinder sogar besser als die Erwachsenen ab. Die besten Lernerfolge zeigten die Probanden, wenn sie bei ihrem eigenen gewählten Rhythmus auf dem Laufband lernen durften.

Die Wissenschaftlerin vermutet, körperliche Aktivität fördere zusätzliche Energiereserven und rege somit die grauen Zellen an. Der Psychologe und Pädagoge Werner Stangl-Taller führt diese Erfolge auf einen anderen Effekt zurück. „Es ist nachgewiesen, dass unser Gehirn besser arbeitet, wenn es mehr Sauerstoff bekommt.“ Daher biete sich vor allem für das Wiederholen von Lernstoffen an, dies bei einem Spaziergang an der frischen Luft zu tun oder anderen routinierten Bewegungsmustern wie etwa Bügeln oder Fensterputzen.

Auch für Prof. Weiß liegt es auf der Hand, Bewegung unterstützt das Lernen direkt. „Wir wissen aus den Studienbeobachtungen an Schulen, dass Kinder, die sich im Unterricht bewegen dürfen, mehr Freude und Erfolg beim Lernen haben. Volksschüler, die neu zu lernende Buchstaben zum Beispiel auf dem Boden nachgehen, anstatt sie abzumalen, lernen sie schneller. Das können Eltern zu Hause mit den Kindern nachmachen. Schüler, die Vokabel oder Formeln lernen müssen, nehmen sich Karteikarten und gehen damit in den Park spazieren oder bei Schlechtwetter einfach nur im Zimmer auf und ab. Der Lern-Erfolg ist gewiss.“
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