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Ausgabe Nr. 13/2019 vom 26.03.2019, Fotos: zvg
Europameister Eduard Brader ist ein Meister des Kajak-Fischens
Tausende Köder besitzt der Europameister im Kajak-Fischen Edi Brader.
„Du musst denken wie ein Fisch, um ihn zu fangen“
Seine erste Angelrute erhielt er mit drei Jahren, heute ist der Oberösterreicher Edi Brader, 38, Europameister im Kajak-Fischen, weil er wie kein zweiter die Natur lesen kann. Am Wochenende nimmt der „Fischflüsterer“ mit Angelrute und Köder in den Niederlanden die WM-Qualifikation in Angriff.
Wenn ihn die Wellen hin- und herschaukeln und Edi Brader, 38, ins dunkle Nass vor sich hinabblickt, wird er automatisch eins mit der Natur. „Dann beobachte ich die Strömungen oder die Wassertiefe und versuche, wie ein Fisch zu denken, nur dann kannst du ihn fangen“, verrät der Angler aus Munderfing (OÖ).

„90 Prozent aller Fische halten sich in zehn Prozent eines Gewässers auf, ich will herausfinden, wo das ist. Außerdem muss ich spüren: Sind die Fische hungrig und auf Beute aus? Sind sie satt und brauchen nur einen kleinen Appetithappen? Oder muss ich sie ein wenig provozieren, damit sie herauskommen?“

Dass sich Brader besser als die meisten anderen in die geschuppten Tiere hineinversetzen kann, zeigte sich nicht nur durch seinen Europameistertitel im Kajak-Fischen in Frankreich vor vier Jahren, auch danach fischte er sich bei der Weltmeisterschaft in den Niederlanden auf den beachtlichen vierten Platz, heuer steigt die WM in Australien. Die Teilnehmer der WM-Qualifikation, die am Wochenende in den Niederlanden stattfindet, wo der Rhein ins Meer mündet, bezeichnen sich als „Spinnfischer“, das heißt, sie fangen Raubfische mit Kunststoffködern, die Beutefische imitieren und immer in Bewegung bleiben. Bei den Bewerben sind innerhalb eines Zeitlimits alle Bewerber gleichzeitig mit dem Kajak auf dem Wasser, die jeweils gefangene Beute wird auf einem offiziellen Messbrett fotografiert und dann wieder ins Wasser gelassen, der größte Fang gewinnt. Kontrollboote und bei der WM sogar eine Videoüberwachung stellen sicher, dass nicht geschummelt wird. Dafür besitzt Brader selbst etwa 20 Angelruten zu je etwa 300 Euro, ein Kajak um 2.500 Euro und hat daheim zwei Zimmer voll mit Tausenden Ködern. „Jede Fischart, jede Wassertemperatur, jedes Land und jedes Wetter braucht eigene Köder“, weiß er. In einem eigenen Testaquarium und durch Unterwasserbeobachtung hat er herausgefunden, wann die Fische anbeißen. „Wenn einer so verrückt ist wie ich, dann probiert er alles aus.“

Privat hat bei Brader die Richtige noch nicht angebissen, er ist alleinstehend. Dafür hat er daheim im Innviertel einen Hund, der sein „Ein und Alles“ ist, wie er sagt. „Es ist ein großer Landseer namens ‚Stella‘ und in meinem Zierteich halte ich drei Barsche, die alle ‚Flipper‘ heißen.“ Seine Mutter wohnt nur ein Haus weiter, sie kann sich bis heute nicht erklären, warum der Junior bereits mit drei Jahren so narrisch aufs Fischen war, denn niemand in der Familie hatte zuvor dieses Hobby ausgeübt. „Ein paar Jahre später habe ich im Bach Forellen mit der Hand gefangen“, erzählt Brader von seiner Kindheit. „Es klingt unglaublich, aber wenn der Fisch vorher mit den Fingern am Bauch gekitzelt wird, schwimmt er nicht weg.“

Für Brader ist das Fischen eine Philosophie und eine Begegnung mit der Natur geblieben, die zwanglos bleiben soll. „Selbst wenn sich Sponsoren anbieten würden, wollte ich keine haben“, sagt er. Auch der Umgang mit den Tieren ist dem Oberösterreicher wichtig, der im heimatlichen Fischerverein, dem Schalchner Anglerklub, Kindern und Jugendlichen das Fischen beibringt. „Wir setzen die meisten Fische wieder ins Wasser zurück, aber einige essen wir auch“, erzählt Brader. „Das ist etwas Urtümliches, ich hab‘s gefangen und jetzt will ich es auch essen. In einer Gesellschaft, in der kein Kind mehr ahnt, dass das Steak zuvor ein lebendes Tier mit Gefühlen war, finde ich es wichtig, Respekt vor der Kreatur zu haben, sie aber auch ab und zu selbst zu töten.“ Brader ist Hobbykoch und bäckt sich in seiner Küche gerne Karpfenschnitzel in der Pfanne oder grillt die Forellen im Garten.

Bis vor drei Jahren hatte der „Fischflüsterer“ seine Leidenschaft sogar zum Beruf gemacht und in Zell am Moos (OÖ) ein Fischereigeschäft geführt, heute arbeitet der studierte Betriebswirt als Vermittler und Betreuer von Gruppenreisen. „Es klingt seltsam, aber als die Fischerei auch mein Brotberuf war, habe ich gespürt, wie auf dem Wasser der Spaß nachgelassen hat. Heute kann ich es wieder mehr genießen.“

Wenn er sich für die Bewerbe im Kajak-Fischen Urlaub nimmt, braucht er heute nicht lange bei der Firmenleitung zu betteln, denn der dortige Leiter Friedrich Schober ist selbst leidenschaftlicher Fischer. „Viele Bewerbe bestreiten wir zusammen, ich mache also oft Urlaub mit meinem Chef“, lacht Edi Brader. Wolfgang Kreuziger
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