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Ausgabe Nr. 12/2019 vom 19.03.2019, Foto: picturedesk.com
Die Wirtschaftskammer (WK) fordert längere Öffnungszeiten.
Bis Mitternacht im Schanigarten
Mit Anfang März hat die Schanigarten-Saison begonnen. Doch nicht alle dieser Wiener Gastroeinrichtungen dürfen gleich lang geöffnet sein, kritisiert die Wirtschaftskammer. Sie fordert deshalb einheitliche Öffnungszeiten während der Hauptsaison bis 24 Uhr. Eine Forderung, die reichlich Konfliktstoff bietet, da es immer wieder zu Lärmbeschwerden kommt.
Rund 3.500 Schanigärten gibt es derzeit in Wien, die sich größter Beliebtheit erfreuen. Sie lassen die Kassen klingeln, deshalb möchte der Obmann der Fachgruppe Gastronomie der Wiener Wirtschaftskammer, Peter Dobcak, die Schanigärten bis Mitternacht geöffnet sehen. Anrainer, die sich über den Lärm beschweren, will er mundtot machen, weil sie seiner Meinung nach zu viele Rechte hätten.

Dabei sind die Betreiber von Schanigärten ohnedies bessergestellt, denn während Gastgärten, die sich auf privatem Grund wie etwa Innenhöfen befinden, nur bis 22 Uhr geöffnet sein dürfen, können Schanigärten, die auf öffentlicher Fläche, also auf Gehsteigen angesiedelt sind, bis 23 Uhr betrieben werden. Entschieden wird das vom jeweiligen Bezirksvorsteher, der berücksichtigt, wo sich der Schanigarten befindet, wie nahe die Nachbarn wohnen und wie viele Sitzplätze angeboten werden. Während der Sommermonate, konkret von 15. Juni bis 15. September, gibt es bereits für einige Gebiete in Wien eine Zusatzregelung, wonach Schanigärten bis 24 Uhr geöffnet haben dürfen.

Allerdings kann der Bezirk auch kürzere Öffnungszeiten erwirken, wenn es etwa Lärmbeschwerden von Anrainern gibt. Das kritisiert Peter Dobcak aufs Schärfste, der in Wien „völlig überzogene Anrainerrechte“ sieht. Denn oft reiche schon die Beschwerde eines Anwohners und der Wirt müsse früher zusperren.

Dobcak fordert, dass künftig alle Wiener Schanigärten bereits in der Hauptsaison von 1. März bis 30 November bis Mitternacht zugänglich sein sollen und im Winter bis 23 Uhr, denn seit 2017 dürfen Gastwirte auch außerhalb der Saison kleinere Schanigärten führen.

Ein Bundesländervergleich zeigt, dass die Regelung der Öffnungszeiten Anrainer-freundlicher ist. So dürfen etwa in der Stadt Salzburg Schanigärten grundsätzlich bis 24 Uhr betrieben werden, allerdings nur außerhalb von Wohngebieten, sonst gilt 23 Uhr als Sperrstunde. In Innsbruck gilt während der Sommermonate ebenfalls 23 Uhr, ansonsten ist um 22 Uhr Schluss. Etwas großzügiger geht es in Graz (Stmk.) zu, wo Gäste grundsätzlich bis 23 Uhr und während der Sommermonate eine halbe Stunde länger draußen verweilen dürfen.

In Wien wünschen sich Gastronomen wie der Eissalonbesitzer Luca Alberti, dessen Geschäft seit den 1950er Jahren in der Leopoldstadt angesiedelt ist, eine Ausweitung der Schanigarten-Öffnungszeiten auf 24 Uhr. „Die derzeitige Regelung fasst zu kurz. Viele Gäste wollen länger bleiben, ich muss sie aber schon vor der Sperrstunde bitten zu gehen“, sagt Alberti. Anrainer hätten sich bei ihm noch nie beschwert, zumal die Praterstraße, auf der sich sein Eissalon befindet, mit ihren insgesamt vier Spuren ohnehin äußerst laut sei, sagt Alberti.

Ins gleiche Horn stößt auch der Gastronom Peter Kahlhofer, der das Traditionsgasthaus „Gustl Bauer“ in der Wiener Innenstadt betreibt, das seinerzeit das Lieblingslokal des ehemaligen Wiener Bürgermeisters Hemut Zilk († 2008) war.

Kahlhofer ist sicher, „Schanigärten sind enorm wichtig für das Überleben der Gastronomen. Zudem sind sie eine Möglichkeit für Raucher, da im Lokal selbst nicht geraucht werden darf.“ Auch er klagt nicht über Beschwerden von Anrainern, „denn lautstarke Gäste werden sofort zurechtgewiesen“, versichert Kahlhofer.

Dass es laute Gäste gibt, weiß die Wiener Angestellte Manuela Vavra. „Mein Lebensgefährte hat eine Wohnung über einem Schanigarten, es kommt dort sehr auf das Publikum an“, sagt die 44jährige, die auf der anderen Seite gerne selber länger draußen sitzt, wie sie sagt.

Die Pensionistin Ingrid Uhlir, 72, erachtet die jetzigen Öffnungszeiten von 23 Uhr jedenfalls als lange genug. „Die Nachtruhe ist wichtig, außerdem ist es unangenehm, wenn unter einem Wohnungsfenster in einem Schanigarten geraucht wird.“

Vordergründig um das Wohl der Bewohner besorgt zeigt sich die Stadt Wien. So heißt es etwa aus dem Büro von SPÖ-Finanz-Stadtrat Peter Hanke, der für die gesetzlichen Schanigarten-Bedingungen zuständig ist, dass längere Öffnungszeiten derzeit nicht realistisch seien, zumal „die jetzige Regelung erst im Jahr 2017 eingeführt wurde und Bezirke wie die Innere Stadt und die Josefstadt mit ihren schmalen Gassen und damit verbundenen Anrainerproblemen auf die Barrikaden gehen würden“.

Dementsprechend ist auch die Reaktion des ÖVP-Bezirksvorstehers der Wiener Innenstadt, Markus Figl. „Die Innere Stadt ist nicht nur Tourismusgebiet sowie Weltkulturerbe, sondern auch ein Wohnbezirk. Deswegen muss auch auf das Ruhebedürfnis der Menschen Rücksicht genommen werden.“ Eine Verlängerung der Sperrzeit für Schanigärten in der Inneren Stadt kommt für ihn daher nicht in Frage.

Auch der Wiener SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig sieht mit der derzeitigen Regelung die „Rechte und Interessen der Bewohner gewahrt. Denn Wien ist eine lebendige Stadt mit Platz für Gemütlichkeit und faire Regeln.“ Für Gespräche mit den Wirten sei er aber offen. rb
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