Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 12/2019 vom 19.03.2019, Foto: picturedesk.com
Gregor Seberg ist mit seinem neuen
Programm „Wunderboi“ auf Tour.
„Unsere Welt ist wundervoll“, sagt Gregor Seberg, aber er wundert sich über den Menschen
Der Schauspieler und Kabarettist Gregor Seberg, 51, wundert sich in seinem neuen Programm „Wunderboi“ (Termine unter www.inskabarett.at) über vieles. Unter anderem darüber, dass der liebe Gott mit uns Menschen nicht schon längst die Geduld verloren hat und zu uns herunterbrüllt: „Hallo, ich habe euch nach meinem Ebenbild geschaffen. Da meinte ich auch das Hirn.“
Herr Seberg, was bringt Sie denn zum Wundern?
Wenn ich mich lange genug wundere, stehe ich wie ein kleines Kind da und denke mir, I versteh‘s net. Ich frage mich, warum wir Menschen es uns so schwer machen. Vor 1,6 Millionen Jahren hat der Homo erectus angefangen,
Werkzeuge zu gebrauchen, um damit Tiere zu erlegen und Fleisch zu essen. 1,6 Millionen Jahre später sind unsere Lebensmittel vergiftet und wir können unsere Luft kaum atmen. Weit haben wir es nicht gebracht.

Das klingt nicht gerade heiter.
Ist Ihr neues Programm „Wunderboi“ dennoch lustig?

Ich bemühe mich. Uns Kabarettisten bleibt ja nichts anderes übrig, als mit Humor auf die Lage aufmerksam zu machen. Wir Menschen sind lachhafte bis lächerliche Wesen und sollen über uns selber lachen.

Kommen Menschen, die an den Hebeln der Macht sitzen, im Programm vor?
Ja, selbstverständlich. Was die Mächtigen machen, ist nicht für die vielen Menschen, sondern nur für einige wenige weltweit. Wenn die Mächtigen ein großer Baum sind, ist es wichtig, dass wir, die Unmächtigen, unten immer ein bisserl hinpinkeln, damit es schön nach oben stinkt. So wissen die Mächtigen, dass wir da sind, sonst ist denen ja alles vollkommen egal.

Als unser Bundeskanzler zu Gast bei Donald Trump war, bezeichnete ihn die US-Zeitung „New York Times“ als Trumps „Seelenverwandten“?
Würde mich jemand als Trumps Seelenverwandten bezeichnen, würde ich eine Klage anstreben, weil ich als Frechheit empfände, mit einem Geistesgestörten verglichen zu werden. Politiker hätten die Aufgabe miteinander zu reden. Bei solchen Treffen werden aber nur Floskeln ausgetauscht. Da geht‘s nur ums Foto. Und unser Kanzler ist bereit, für ein Foto viel zu tun. Auch er ist ein „Wunderboi“.

Sie sind vor zwei Jahren Vater eines Buben geworden, sprechen aber nicht über Privates. Warum?
Aufgrund meines Engagements in der Flüchtlingshilfe habe ich schon Morddrohungen erhalten. Deshalb schütze ich meine Familie.

Deshalb sind Sie auch nicht in den sozialen Medien wie Facebook vertreten, oder?
Die Agentur übernimmt das Berufliche, aber privat mache ich auf diesen Kanälen gar nichts. Ich finde, dass der Wert eines Moments an Schönheit verliert, sobald er fotografiert und sofort ins Netz gestellt wird. Ich denke mir oft, legt das Mobiltelefon weg und lebt den schönen Moment. Und bitte, fotografiert nicht euer Essen. Ich kenne viele Menschen, die das tun. Ich verstehe es nicht. Nichts interessiert mich weniger als das, was ein anderer isst.

Eine einzige öffentliche Meldung über die Geburt Ihres Sohnes im Oktober 2017 gab es dennoch. Warum?
Es war eine komplizierte, um 27 Tage verfrühte Geburt bei uns zuhause. Ich habe vor den Sanitätern der Wiener Berufsrettung Hochachtung und bedankte mich bei ihnen, indem ich mich mit den beiden Sanitätern im Fernsehen zeigte. Das sind für mich Helden. Ich war zwar eine von drei „Hebammen“, aber sicher das schwächste Glied in der Kette (lacht).

Welchen Erziehungsstil pflegen Sie?
Daran werde ich noch arbeiten müssen. Denn meinem Kind scheint vollkommen egal zu sein, was ich mir überlege. Erziehung heißt wahrscheinlich, Grenzen zu setzen, seine Kinder aufzufangen und den Pfitschipfeil, der auf das Kind zurast, rechtzeitig abzulenken. Andererseits muss ich sagen, dass ich ja selbst ein Lausbub bin und gut verstehen kann, wenn ein anderer ein Lausbub sein möchte.

Wurden Sie streng erzogen?
Ja, im katholischen Umfeld. Aber ich habe mich erfolgreich geweigert, ins bischöfliche Gymnasium zu gehen, weil ich mir sicher war, danach Pfarrer werden zu müssen.

Ist Ihr Sohn getauft worden?
Ein lieber Freund, ein 90jähriger Missionar, sagt immer zu mir, „Mensch, Gregor, lass ihn taufen.“ Ich finde, das soll mein Sohn selber entscheiden.

Ihren Vater haben Sie erst als Jugendlicher kennengelernt. Haben Sie ihn davor vermisst?
Ich glaubte lange, mein Vater sei tot. Mit 16 erfuhr ich, dass er lebt. Er wusste schon die ganze Zeit von meiner Existenz und rief mich an. Genaugenommen war es seine spanische Frau, die zu ihm sagte, kümmere dich doch um ihn. Für mich war die Begegnung gut und aufwühlend zugleich. Der Mensch fürchtet sich vor Unbekanntem oder hebt es in den Himmel. Lernt er es kennen, ist es für ihn normal. Manche bleiben, manche gehen. Mein Vater hatte seine Gründe zu gehen. Das war eine Sache zwischen ihm und meiner Mutter. Ich bin fast ein bisserl froh, dass ich keinen Vater hatte. Da war keine Autorität, die mir erklärte, wo es langgeht.

Möchten Sie mit Ihrem Programm dem Publikum etwas erklären?
In meinem vorigen Programm „Honigdachs“ habe ich das Augenmerk auf die Frage „Wie werde ich in dieser Welt ein guter Mensch?“ gerichtet. In „Wunderboi“ geht es um die Frage „Warum sind wir so, wie wir sind?“. Und ich werde eine Lösung anbieten, die ich an dieser Stelle natürlich nicht verraten möchte.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung