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Ausgabe Nr. 12/2019 vom 19.03.2019, Foto: earMusic/Tina Korhonen
Bonnie Tyler wurde am 8. Juni 1951 in Skewen in Wales geboren. Ihr bürgerlicher Name lautet Gaynor Hopkins. Ihr Vater war Bergarbeiter, die Mutter Hausfrau, sie liebte aber Opern und gab auf diese Weise ihrer Tochter die Liebe zur Musik weiter. Mit 20 Jahren hatte Bonnie Tyler ihre eigene Band und schaffte wenige Jahre später mit dem Lied „Lost in France“ den internationalen Durchbruch. Seit 1973 ist sie mit Robert Sullivan verheiratet.
Bonnie Tyler geht auf Tour: 25.5., Stadthalle, Wien; 26.5., Helmut List Halle, Graz.
Ich will mir die Falten vom
Hals halten“
Blondes Haar und Reibeisenstimme. Das sind die Markenzeichen von Bonnie Tyler. Beides war in Gefahr. Ihre Mähne fing Feuer und ihre Stimme wurde rau, weil eine Operation an den Stimmbändern schiefging. Heute ist die Britin 67 Jahre alt und noch immer voller Tatendrang. Gerade hat sie ihr neues Album „Between The Earth And The Stars“ veröffentlicht. Im Mai kommt Tyler im Zuge ihrer Tour zu uns. Die WOCHE-
Reporterin Katja Schwemmers sprach mit der sympathischen Sängerin.
Frau Tyler, kennen Sie den Satz des Moderators Peter Illmann aus der Musikshow „Formel Eins“: „Keine ist geiler als die Tyler“?
Der Spruch ist nicht totzukriegen. Der verfolgt mich seit den Achtzigern. Aber ich sehe ihn als Kompliment, denn geiler bedeutet doch so viel wie sexyer, oder? (lacht)

Welche Erinnerungen verbinden Sie mit den achtziger Jahren?
Große Erfolge, aufregende Zeiten und jede Menge toupiertes Haar. Das wurde mir allerdings auch einmal zum Verhängnis.

Was ist geschehen?
Ich war mit dem Sänger Jürgen Drews und Freunden in einem italienischen Restaurant in Hamburg (D), in dem die Kellner beim Servieren sangen. Ich ging oft nach der Studioarbeit dorthin – aber dieser Abend wurde unvergesslich. Wie in den frühen Achtzigern üblich, hatte ich jede Menge Haarspray auf dem Kopf. Ich wollte gerade mit den anderen anstoßen, lehnte mich etwas ungeschickt zurück, und mein Haar fing an einer Kerze Feuer. Jürgen Drews sah die Flammen auf meinem Kopf, griff beherzt zur Flasche und verpasste mir spontan eine Champagner-Dusche.

Und wie haben Sie reagiert?
Ich hatte bis zu dem Zeitpunkt nicht einmal gemerkt, dass mein Haar brannte und dachte: „Was zur Hölle ist hier los?“ Das Bemerkenswerte war, dass der Champagner den Brand wirklich löschte. Jürgen Drews hat also quasi mein Leben gerettet (lacht).

Wie wild waren Sie im Umgang mit anderen Pop- und Rock-Größen?
Es waren meist nur kurze Begegnungen. Ich bin ja schon seit 1973 glücklich verheiratet. Aber es gibt ein Foto von mir aus den Siebzigern. Ich bin hinter der Bühne im New Yorker Madison Square Garden mit Jon Bon Jovi und Little Steven, die beiden tragen mich auf Händen. Jon trägt darauf Lederjacke und vorne schaut das Brusthaar heraus. Ich habe mein breites Lachen auf meinem Gesicht.

Haben Sie jemals Drogen genommen?
Nein, nie. Meine Droge ist roter Wein (singt „Red Red Wine“ von „UB40“). Oder auch ein Whisky vorm Zubettgehen. Die Menschen glauben ja immer, ich gurgele mit Whisky. Das ist zwar keine schlechte Idee, stimmt aber nicht.

Was machen Sie dann für Ihre Stimme?
Ich rufe meinen Stimm-Trainer an, 15 Minuten vor jedem Auftritt. So geht das schon seit sieben Jahren. Er hat meine Stimme stark gemacht.

Auf Ihrer neuen Platte „Between The Earth And The Stars“, es ist Ihr 17. Album, singen Sie ein Duett mit einer anderen, äußerst berühmten Reibeisenstimme …
Ich war ja schon immer die weibliche Antwort auf Rod Stewart. Insofern war unser Duett längst überfällig. Ich bin unglaublich stolz, dass Sir Rod Stewart Lust hatte, mit mir zu arbeiten.

Insgesamt sind sogar drei „Sirs“ auf Ihrem Album zu finden …
Mit Sir Cliff Richard bin ich befreundet. Ich lebe ja die meiste Zeit in Portugal. Auch Cliff hat dort ein Haus. Als er hörte, dass Sir Barry Gibb ein Lied für meine Platte geschrieben hat und Francis Rossi von „Status Quo“ ein Duett mit mir singt, der einen Orden des Britischen Königreiches besitzt, fragte er fast ein wenig beleidigt: „Was ist mit mir?“ Er hat seinen Gesangsteil von „Taking Control“ allerdings in seinem Domizil auf Barbados eingesungen.

Haben Sie ihn dort auch schon einmal besucht?
Natürlich. Mein Mann und ich haben im vergangenen Jahr mit Cliff unseren Urlaub verbracht. Eines Abends waren wir mit Freunden von ihm beim Abendessen. Einer der Gäste war Rod Stewarts bester Freund aus Schultagen: Ricky Simpson, ein schottischer Millionär. Ich habe ihn angefleht, er möge mich mit Rod in Kontakt bringen. So kam unser Duett überhaupt erst zustande. Irgendwann hat sich Rod dann tatsächlich via E-Mail bei mir gemeldet und gesagt: „Darling, ich singe das Lied gerne mit dir.“

„Battle Of The Sexes“ – Kampf der Geschlechter – heißt das Lied, das Sie gemeinsam darbieten.
Gibt es einen Geschlechterkampf?

Das könnte heute durchaus angenommen werden.
In jungen Jahren gehören das gemeinsame Ausgehen und Flirten zwischen Mann und Frau doch dazu. Aber bitte mit Respekt. Es ist wichtig, den anderen zu respektieren. Darum geht‘s im Lied und im Leben.

Wer hat Sie einst ermutigt, eine Musikkarriere zu beginnen?
Meine Mutter hat immer gesagt: „Glaube an dich selbst und nimm dir, was du haben willst, denn niemand wird es für dich tun.“ Sie hatte eine wundervolle Stimme und sorgte dafür, dass in unserem Haus ständig Musik zu hören war, meistens Opern. Sie hätte es geliebt, selbst auf der Bühne zu stehen, ihre Stimme war gut genug dafür. Aber sie war zu schüchtern und hatte sechs Kinder aufzuziehen. Meinen Wunsch, Sängerin zu werden, hat sie früh erkannt.

Ihren ersten Hit „Lost In France“ hatten Sie im Jahr 1976. Hätten Sie sich damals träumen lassen, den Beruf so lange auszuüben?
Nein, meine Karriere war ein Zufall. Ein Talentesucher aus London (England) landete im falschen Stockwerk in dem Klub in Swansea (Wales), in dem ich auftrat. Er hörte mich anstatt des Mannes singen, wegen dem er eigentlich dort war. Ich dachte, wir machen ein paar Hit-Singles und dann bin ich gestorben. Aber das Schicksal meinte es anders mit mir. Ich kann es selbst nicht glauben, dass ich das nun schon mehr als 40 Jahre mache, denn die Zeit verging wie im Flug. Die Nachtklubs in Wales haben mir viel Glück gebracht. Bei einem Auftritt habe ich meinen Mann kennengelernt.

Sind Wünsche unerfüllt geblieben?
Ich wäre gerne Mutter geworden. Aber Robert und ich waren beruflich immer beschäftigt und mit Ende 30 hatte ich eine Fehlgeburt. Es hat einfach nicht sein sollen. Zum Glück habe ich eine große Familie mit fünf Geschwistern und zahlreichen Nichten und Neffen, das gleicht das aus.

Sie „gönnen“ sich seit Ihrem 40. Lebensjahr Botox-Injektionen und haben daraus nie einen Hehl gemacht …
Warum auch? Ich unterziehe mich zwei Mal im Jahr einer Botox-Behandlung. Mir ist es zwar wichtig, dass es natürlich aussieht. Aber ich will mir die Falten vom Hals halten. Schönheits-Operationen muss ich allerdings nicht haben.
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