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Ausgabe Nr. 12/2019 vom 19.03.2019, Foto: AdobeStock
Welchen Werteverlust beklagen Sie?
Eine Welt ohne Werte
Dass wir Werte brauchen, steht außer Frage. Und Normen, Regeln und Strukturen auch. Von Kindesbeinen an. Sonst kann ein gedeihliches Miteinander nicht funktionieren. Die Vermittlung von Werten an Kinder sollte naturgemäß in der Familie beginnen. Ist dem nicht so, führt dies später zur Orientierungslosigkeit und Werte-Defiziten, die im Erwachsenenalter kaum nachzuholen sind.
Die Menschen konzentrieren sich immer mehr auf ihre ,kleine Welt‘, auf sich selbst, auf ihr berufliches und familiäres Umfeld. Dass die Freizeit immer wichtiger wird, gehört auch zum Werte-Wandel“, fasst Dr. Christian Friesl die Eckdaten aus der Europäischen Wertestudie zusammen. Mehr Energien und mehr Bereitschaft für den gesellschaftlichen Zusammenhalt wären seines Erachtens wünschenswert. „Daher müssen wir wieder mehr über unsere Werte reden“, empfiehlt der Leiter des Verbundes „Interdisziplinäre Werteforschung“ der Universität Wien.

Aus der Studie geht überdies hervor, dass die traditionellen Werte nicht verschwunden sind. Die Familie hat in den Augen der Menschen in unserem Land seit dreißig Jahren eine enorm hohe Bedeutung. Treue ist für 80 Prozent unverändert die wichtigste Basis für eine gute Beziehung.

Eine kritische Sichtweise dazu vertritt Dr. Elisabeth Menschl. Sie meint, der hohe Stellenwert, den die Familie habe, sei durchaus positiv. Allerdings dürfe über die Probleme, die genau dieser Bereich birgt, nicht hinweggesehen werden. „Immer mehr Eltern wollen für ihre Kinder nur gute Freunde sein und drücken sich damit vor ihrer Verantwortung als Erziehungsberechtigte. Wobei Verantwortungsbewusstsein ein wichtiger gesellschaftlicher Wert ist“, sagt die Philosophin an der Johannes Kepler Universität in Linz (OÖ). Dass Eltern ihrer Verantwortung nicht gerecht werden, führe ihres Erachtens dazu, dass es der jungen Generation an Normen fehlen würde. „Das lässt unsere Kinder orientierungslos werden. Der Mensch braucht jedoch Orientierung in Form von Regeln und Strukturen, Vorbildern und Werten. Wenn ein Vierjähriger entscheiden darf, ob er mit den Eltern auf Urlaub fahren will oder nicht, dann darf sich niemand über das ,Monster mit 13‘ wundern, das die Hand gegen die Eltern hebt“, sagt Dr. Menschl. „Natürlich brauchen Kinder Freiheiten, um sich entfalten zu können. Ich halte es hier mit dem Leitsatz, ,Zu wenig und zu viel ist des Narren Ziel.‘
Drücken sich die Eltern vor der Verantwortung, ihren Kindern Strukturen zu geben und Werte zu vermitteln, suchen die Kinder verzweifelt irgendwo nach Regeln und Werten, die sie dann beispielsweise im Internet bei Gewaltspielen finden.“

Grundsätzlich hätten Normen und Werte so etwas wie einen Universalanspruch. „Ich kann mir nur dann meinen eigenen ,Werte-Pullover‘ selber stricken, wenn ich nicht in Konflikt mit allgemein akzeptierten Normen und Werten gerate“, betont die Philosophin, um ein Beispiel zu nennen: „Am Land kommt es oft zu erbitterten Nachbarschaftskriegen aufgrund von Rasenmäherlärm. Auch wenn für jemanden zwischen 12 und 14 Uhr die beste Zeit wäre, sein Mähgerät anzuwerfen, muss er darauf verzichten und Rücksicht auf die anderen nehmen, die das Recht auf die Ruhezeit haben.“
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