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Ausgabe Nr. 12/2019 vom 19.03.2019, Foto: Juliane Zitzelsperger, AdobeStock
Die Lehrerin Verena Brunschweiger, 38, ist „kinderfrei“.
Verzicht auf Nachwuchs soll
Planeten retten
7,7 Milliarden Menschen leben derzeit auf der Erde. Pro Tag kommt eine Stadt in der Größe von Linz mit mehr als 200.000 Einwohnern dazu. Die deutsche Feministin und Lehrerin Verena​​
Brunschweiger plädiert für den Verzicht auf eigene Kinder – dem Umweltschutz zuliebe.
Es kommt wohl eher selten vor, dass eine Schuldirektorin öffentlich kundtun muss, dass eine Lehrerin „glaubwürdig versichert“ habe, „dass sie ihre Schülerinnen und Schüler mag und sie gerne unterrichtet.“ Verena Brunschweiger und ihr Buch „Kinderfrei statt kinderlos“ (Büchner-Verlag, ISBN 978-3-96317-148-2) sorgen für Aufregung im Freistaat Bayern.

Die Pädagogin plädiert darin für den Verzicht auf Nachkommen, damit die Erde auch weiterhin bewohnbar bleibt. Es sei wichtig, „dass man Frauen im gebärfähigen Alter vor Augen führt, dass unsere Spezies nicht mehr wert ist als andere. Dass jedes einzelne Kind, so viel Freude es im Einzelfall bereiten mag, massiv zur Verschmutzung und letztendlichen Zerstörung des Planeten beiträgt“, schreibt die 38jährige. So hätten etwa Forscher herausgefunden, dass der Verzicht auf ein Kind fast 60 Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr einspart. Wer das Auto stehen lässt, verbraucht nur 2,4 Tonnen CO2 weniger. Das Wiederverwerten von Altpapier, Glas und Aludosen spart nur 0,2 Tonnen CO2.

Derzeit leben rund 7,7 Milliarden Menschen auf unserem Planeten. Die Weltbevölkerung hat sich seit 1974 fast verdoppelt. In 30 Jahren werden laut einer Prognose der Vereinten Nationen (UNO) nahezu zehn Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Für die nächste Jahrhundertwende rechnet die UNO mit mehr als elf Milliarden.

Die Hälfte des Bevölkerungswachstums in den kommenden Jahrzehnten wird auf das Konto von neun Ländern gehen, haben die UNO-Experten berechnet. Indien, Nigeria, die Demokratische Republik Kongo, Pakistan, Äthiopien, Tansania, die Vereinigten Staaten, Uganda und Indonesien.

„Eine exponentiell wachsende Menschheit vergrößert auch die Dauerbedrohung durch neue Krankheiten, nukleare Waffen und andere Gefahren“, stellt Andrea Brunschweiger fest. Umweltverschmutzung, Klimawandel und immer weniger Lebensraum für Tiere sind die Folgen der Überbevölkerung. „Wie man es dreht und wendet – eine drastische und schnelle Reduzierung des globalen Bevölkerungswachstums in der Zukunft ist unabdingbar. Und das nicht nur, wenn eine bestimmte Lebensqualität erhalten werden soll.“

In Afrika wird die Bevölkerungszahl von heute 1,3 Milliarden auf 4,5 Milliarden im Jahr 2100 steigen, warnen Forscher. In unseren Breiten verschmutzt ein Kind dafür die Umwelt 30 Mal mehr als ein Kind in Afrika südlich der Sahara, zitiert Brunschweiger einen englischen Bericht.

Für Deutschland wäre eine Bevölkerungszahl von 38 Millionen Menschen ideal, so Berechnungen. Derzeit sind es 83 Millionen. Weniger Menschen seien „immer gleichbedeutend mit mehr Lebensqualität für die einzelnen Personen“, erklärt die 38jährige in ihrem „Manifest“. „Insofern muss man auf die übliche Reaktion beim Thema Überbevölkerung – ,Aber doch nicht bei uns in Deutschland!‘ – mit einem klaren ,Doch‘ reagieren. Auch hierzulande wäre ungefähr die Hälfte der jetzigen Bevölkerungszahl ein Segen.“ Umgelegt auf unser Land wären das dann 4,5 statt neun Millionen Bewohner.

Verena Brunschweiger selbst bezeichnet sich als „kinderfrei“. Sie hat mit 30 Jahren beschlossen, kein Kind zu bekommen. Ihr Mann hat sie bei dieser Lebensplanung unterstützt. Die Unterscheidung zwischen „kinderfrei“ und „kinderlos“ ist der Autorin wichtig. „Kinderfrei“ zu sein beruhe auf einer absichtlichen selbstbestimmten Entscheidung. „Kinderlose“ hingegen hätten gerne Nachwuchs, können aber keinen bekommen.

Das Leben ohne Kinder aus Umweltschutzgründen hat aber auch durchaus angenehme „Nebeneffekte“, ist die „Nicht-Mutter“ aus Bayern überzeugt. Kinderfreie Menschen „haben glücklichere Beziehungen, sind insgesamt glücklicher und sogar weniger oft depressiv“.
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