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Ausgabe Nr. 10/2019 vom 05.03.2019, Foto: picturedesk
Werner Schneyder war Ringrichter und Kabarettist.
Der Kabarettist Werner Schneyder starb im Alter von 82 Jahren: „Ich werde nicht von oben herunterschauen“
Ich habe Briefe und Autogrammanfragen, wo ,Schneider‘ draufstand, immer weggeschmissen. Ich war nicht bereit hinzunehmen, dass Menschen ein Autogramm von jemandem haben wollen, dessen Namen sie nicht wirklich kennen“, sagte Werner Schneyder, den es störte, wenn sein Nachname nicht korrekt geschrieben wurde.
Schneyder war ein Tausendsassa. Er war Kabarettist, Moderator, Schauspieler, Regisseur, Autor und Boxkampfrichter. Noch vor ein paar Tagen war er als Gratulant beim 80er von Erika Pluhar im Stadtsaal (W) dabei. Dann, am 2. März ist er im Alter von 82 Jahren in seiner Wiener Wohnung gestorben.

Seine Jugendjahre verbrachte er in einer anderen Stadt. „Ich bin in Klagenfurt (K) aufgewachsen und in die Schule gegangen, bis zur Matura. In unserer Wohnung lebten fünf Personen. Die Eltern, zwei Kinder und eine Großmutter“, schrieb Werner Schneyder in seinem zuletzt veröffentlichten Buch „Gespräch unter zwei Augen“ (Amalthea Verlag). „Meine Oma mütterlicherseits wohnte in einer Kammer hinter der Küche. Manchmal schlief sie auch bei uns im Kinderzimmer. Ich dachte immer, die Oma braucht ein eigenes Zimmer. Ich habe das nie laut ausgesprochen, was ich bereut habe.“

Schneyder hat sich später nie ein Blatt vor den Mund genommen. Er sprach aus, was ihn störte und schrieb nieder, was ihn verletzte. Etwa der Tod seiner ersten Frau Ilse. „Wir waren 43 Jahre verheiratet. Drei Jahre davor haben wir uns kennengelernt.“ Aus der Ehe ging Sohn Achim, 52, hervor. Zwei Jahre vor ihrem Tod wurde bei Ilse Schneyder Blasenkrebs diagnostiziert. Zum Schluss war ihre Bauchhöhle voller Metastasen. In dem Buch „Krebs“ erzählt der Autor den Verfall seiner Frau nach.

Seiner Gattin wurde fast der gesamte Darm entfernt. Als die Darmfunktion nicht mehr in den Griff zu bekommen war, gaben die Ärzte auf. „Das Sterben hat seine perverse Logik. Obwohl bei meiner Frau keine Besserung in Sicht war, kamen täglich Physiotherapeutinnen zu ihr, kneteten an ihr herum und ließen sie Stufen steigen.“

Fünf Jahre nach dem Tod seiner Frau heiratete Schneyder die Osteopathin Regine Bulling. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich mich je wieder binden würde.“ Seine zweite Frau schätzte Schneyder als Kabarettist. Sie hatte ihn mit dem deutschen Kabarettisten Dieter Hildebrandt († 86) oft auf der Bühne gesehen.

Schneyder und Hildebrandt hatten großen Erfolg mit ihrem Programm „Talk täglich“. Nach acht Jahren zogen sie einen Schlussstrich. Das hielt Schneyder aber nicht davon ab, weiterhin Kabarett zu machen. „Ich habe Menschen oft den Unterschied zwischen Comedy und Kabarett erklärt. Comedians machen Witze, damit die Zuhörer lachen. Kabarettisten machen Witze, damit die Menschen auf etwas draufkommen“, erklärte Schneyder.

Der Kirche hat der gebürtige Kärntner früh den Rücken gekehrt. „Nach der Matura bin ich ausgetreten.“ Er war sich zu Lebzeiten sicher, dass er nach seinem Tod „nicht von oben herunterschauen“ werde. „Aber ich wünsche mir, dass sich alle doch irgendwie beobachtet fühlen.“
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