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Ausgabe Nr. 10/2019 vom 05.03.2019, Foto: F1online
Mit dem Aschermittwoch beginnt die 40-tägige Fastenzeit
Es ist Zeit zu vergeben
Das „neue Fasten“ hat viele Facetten. Aus moralischen Gründen auf Fleisch, Fisch oder Milch zu verzichten, gilt als modernstes Argument für das Maßhalten beim Essen. Die stärkste Motivation ist nach wie vor eine Gewichtsabnahme. Wem das zu banal ist, der fastet spirituell, beispielsweise mit Yoga.
Was der christlich-soziale Fastenbegriff zum Audruck bringt, erklärt der Wiener Dompfarrer Toni Faber.
Ein starker Trend zeichnet sich in Richtung ,neues Fasten‘ ab“, sagt Franz Höllinger, Universitätsprofessor am Institut für Soziologie der Universität Graz. Entstanden sei das „neue Fasten“ im Schnittfeld der Fitness- und Wellnesskultur der vergangenen Jahrzehnte. Parallel dazu würden Strömungen wie Yoga, Ayurveda oder die Traditionelle Chinesische Medizin bedeutender werden.

Das „neue Fasten“ beruhe vorwiegend auf geistigen, gesundheitsfördernden und moralischen Beweggründen, ist Höllinger überzeugt. „Ich denke, dass in unserem Land nur noch 15 Prozent aus kirchlich-religiösen Gründen fasten. Dennoch nehmen viele Menschen, die mit der Kirche nichts am Hut haben, die Fastenzeit als äußeres Signal dafür wahr, um gesünder zu leben. Sie stellen ihre Ernährung um oder trinken weniger bis gar keinen Alkohol“, sagt der Soziologe. Dabei gehe es nach Ansicht des Wiener Dompfarrers Toni Faber, 56, in den 40 Tagen vor Ostern um mehr als nur den Verzicht.

„Der katholische Fastenbegriff beschränkt sich nicht auf das egoistische Selbst, um sich dadurch etwa reiner, heiliger und besser zu fühlen. Fasten macht die Menschen nicht nur frei von etwas, sondern frei für etwas. Beispielsweise mehr Zeit, Aufmerksamkeit und Unterstützung jenen um mich herum zu schenken. Beim Fasten geht es auch darum, die innere Verwurzelung mit Gott zu erneuern und die Bereitschaft zu zeigen, mit anderen zu teilen.“

Ihm selbst macht sein gesünderes Leben in der Fastenzeit durchaus Spaß. „Wenn ich faste, bin ich weniger müde und fühle mich leichter“, sagt der 56jährige.

Obwohl er es in diesem Jahr mit dem Fasten behutsamer angehen muss. Erst vor Kurzem aus dem Spital entlassen, die Bauchspeicheldrüse bereitete ihm Probleme, hat er sich für das Intervallfasten entschieden. „Zwischen der letzten Mahlzeit des Tages und dem Frühstück liegen 16 Stunden, in denen ich nicht esse. Erfahrungsgemäß geht es mir dadurch spürbar besser, im Herzen, im Darm sowie im Geist“, lächelt der
Pfarrer.

„Ich fühle mich durch das Fasten freier für die um mich kreisenden Fragen wie ,Woher komme ich, wohin gehe ich, was macht den Sinn meines Lebens aus?‘ Gerade an Tagen der Krankheit wird der Mensch lebenskritischer und fragt sich, ob denn noch genügend Zeit bleibt, alles besser zu machen?“

In den Beichten, die der Dompfarrer zu St. Stephan zu hören bekommt, äußern sich die Gläubigen reumütig, was sie denn nicht alles falsch gemacht hätten und wie sie denn ihre Fehler wieder gut machen könnten. „Häufig geht es dabei um Probleme, wie mit Menschen umgegangen werden soll, die einem feindlich gesinnt sind. Darauf gibt es aus christlich-katholischer Sicht klare Antworten. Das ,Wie du mir, so ich dir‘ lässt uns gewiss nicht weiterkommen. Behandle deinen Feind so, dass er bereit dafür ist, sein feindseliges Verhalten abzulegen. Nur die Entfeindungsliebe, was so viel wie die Bereitschaft zur Versöhnung und Vergebung bedeutet, ist die wahrhafte Buße.“

All jenen, die sich mit dem Fasten schwer tun, empfiehlt Toni Faber eine „Methode der kleinen Schritte“. „Von Übertreibungen möchte ich dringend abraten. Es gibt Menschen, die kippen um, weil sie sich ihre Ziele beim Fasten zu hoch gesteckt haben. Das ist alles andere als sinnvoll. Für manchen reicht es schon, ein paar Tage lang durchzuhalten. Sich selbst zahlreiche Fasten-Richtlinien aufzuerlegen, bringt gar nichts. Denn der Weg in die Hölle ist mit tausend Vorsätzen gepflastert.“

Für Gläubige beginnt die Fastenzeit am Aschermittwoch und endet am Karsamstag vor dem Osterfest, nach 46 Tagen. Da die sechs Sonntage vom Fasten ausgenommen werden, bleiben insgesamt 40 Tage Fastenzeit. „Feiern und Fasten gehören für den Christen zusammen. Die heilige Teresa von Ávila, die berühmte Mystikerin, sagte, ,Wenn Rebhuhn, dann Rebhuhn, wenn Fasten, dann Fasten.‘ Derjenige, der nicht aufhört zu völlern, wird nicht glücklicher sein als der, der bereit ist, die Zeit des Fastens darin gipfeln zu lassen, einmal zu feiern. Genau dazu passt die Fastentheorie des katholischen Christen, sechs lange Tage zu fasten und am Sonntag wird nicht gefastet.“

Neben dem Aschermittwoch gilt der Karfreitag in der katholischen Kirche als strengster Fasttag. Für Toni Faber ist der heftig diskutierte Karfreitag ein „Fenstertag, der einen Blick auf das ewige Leben möglich macht. Ich freue mich, wenn jemand am Karfreitag frei hat und am Nachmittag oder Abend den Gottesdienst besucht. Denn das Wesentliche am Karfreitag ist, dass er uns Menschen die Perspektive auf ein neues, ewiges Leben gibt.“
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