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Ausgabe Nr. 10/2019 vom 05.03.2019, Fotos: Mattel, picturedesk
Seit 60 Jahren sorgt die Plastikpuppe aufgrund ihrer unrealistischen Proportionen (99-46-84) für Diskussionen.
Ruth Handler gilt als „Mutter“der „Barbie“
Für „Barbies“ Erfolg wurde „Lilli“ geopfert
Barbara Millicent Roberts, besser bekannt als „Barbie“, ist 60. Ewig jung und faltenfrei, ist die Spielzeugpuppe noch immer gut im Geschäft. Nach 30 Animationsfilmen wird „Barbies“ Geschichte nun mit echten Menschen für das Kino verfilmt. Ihr erfolgreiches Püppchendasein verdankt „Barbie“ einer „Kollegin“. Möglich, dass ohne „Lilli“ aus „Barbie“ nichts geworden wäre.
Hätte eine Frau aus Fleisch und Blut „Barbies“ Körperproportionen, wäre sie nicht in der Lage, aufrecht zu stehen, geschweige denn zu gehen. Die dünnen Beine, die um 50 Prozent länger als ihre Arme sind, könnten den Körper nicht tragen. Überdies wäre kaum Platz für die inneren Organe. Denn die Wespentaille der Plastikpuppe ließe nur eine halbe Leber und gerade einmal ein paar Zentimeter Darm zu.

Seit 60 Jahren sorgt die Plastikpuppe aufgrund ihrer unrealistischen Proportionen (99-46-84) für Diskussionen. Seit ebenso vielen Jahren spielen die Kinder, vor allem die Mädchen, mit ihr. Im Jahr 2018 wurden 58 Millionen Exemplare in 150 Ländern verkauft. Damit verhalf „Barbie“ dem schwächelnden Spielzeugkonzern Mattel überraschend zu schwarzen Zahlen. In der Rangliste der weltweit wertvollsten Spielwarenmarken liegt „Barbie“ mit 414 Millionen US-Dollar an vierter Stelle.

Die Erfolgsgeschichte begann am 9. März 1959, „Barbies“ offiziellem Geburtstag. Als Barbara Millicent Roberts, wie sie mit vollem Namen heißt, wurde die Puppe bei der Spielwarenmesse in New York (USA) vorgestellt. Dabei ist „Barbie“ gar keine waschechte Amerikanerin. Die hübsche Blondine hat europäische Wurzeln, die sie dem deutschen Karikaturisten Reinhard Beuthien verdankt. „Lilli“, wie „Barbie“ ursprünglich hieß, war die Hauptfigur in seinen Zeichnungen aus den 1950er Jahren. Als Vertreterin der Nachkriegsgeneration verpasste der Karikaturist der Sekretärin „Lilli“ einen Schmollmund, Pferdeschwanz und eine kurvige Figur. Am liebsten ließ er sie über ihre Liebhaber erzählen. „Ich könnte ohne alte Glatzköpfe auskommen, aber meine Urlaubskassa nicht“, war einer der frechen Sprüche des „Fräulein-Wunders“. Aufgrund des großen Erfolges gab es „Lilli“ von 1955 bis 1964 als Hartplastikpuppe, allerdings nicht für Kinder gedacht, sondern als Geschenkidee für Erwachsene.

Die 30 Zentimeter große „Lilli“ entdeckte die im Jahr 2002 verstorbene Amerikanerin Ruth Handler, die Mitbegründerin des Spielwarenherstellers Mattel, im Jahr 1958 in der Schweiz. Sie kaufte die Puppe und brachte sie ihrer Tochter mit nach Hause. Als Handler sah, wie begeistert ihre Tochter Barbara mit „Lilli“ spielte, kam sie auf die Idee, eine Puppe zu erschaffen, mit der Kinder die Welt der Erwachsenen nachempfinden können.

Nach der ersten Präsentation auf der Spielwarenmesse in New York sicherte sich Mattel schließlich 1964 die Rechte an „Lilli“. Damit war deren Schicksal besiegelt, denn für den Erfolg der neuen Puppe, die Ruth Handler „Barbie“, nach dem Kosenamen ihrer Tochter Barbara benannte, wurde „Lilli“ geopfert, deren Produktion eingestellt. Schon im ersten „Barbie“-Jahr wurden mehr als 350.000 Exemplare verkauft. Ein unerwarteter Erfolg für Mattel. Die Erstlingsmodelle waren blond und brünett. Der Pferdeschwanz mit gelocktem Pony, die geschlossenen Lippen, das kräftige Make-up und die weiblichen Formen erinnerten stark an „Lilli“. 1967 wurde die Gesichtsform durch den leicht geöffneten Mund und aufgemalte Wimpern verändert. Damit wirkte „Barbie“ mädchenhafter. So sexy wie ihre Vorgängerin durfte „Barbie“ nicht sein, wo sie doch nun in den Kinderzimmern zuhause war. Deshalb gab „Barbies“ Freund „Ken“, benannt nach Kenneth, dem Sohn von Ruth Handler, weniger den Liebhaber als den hilfsbereiten Freund von nebenan.

Um ihr Erscheinungsbild den Modetrends anzupassen, wechselte „Barbies“ Aussehen stetig. 2015 und 2016 brachte Mattel gleich mehrere Varianten heraus. Seither gibt es auch die kleine, große, kurvenreiche, afroamerikanische und asiatische Puppe mit Kurz- und Langhaarfrisuren sowie „Barbies“ mit muslimischen Kopftüchern.

Mehr als 500 Veränderungen musste „Barbie“ bis zu ihrem 60. Geburtstag über sich ergehen lassen. Das bislang meistverkaufte Modell erschien 1992. Die Haare der „Totally-Hair-Barbie“ reichen bis zu ihren Füßen.

„Barbie“-Puppen haben sich zu begehrten Sammlerstücken entwickelt, für die astronomische Summen hingelegt werden. Im Jahr 2010 wurde bei Christie‘s die teuerste
Puppe der Welt um 220.000 Euro versteigert. Sie trägt ein Diamanten-Collier mit pinkfarbenem Einkaräter.

Trotz der Modellvielfalt wird die Schauspielerin Margot Robbie in der ersten „Barbie“-Verfilmung mit echten Menschen den ursprünglichen Stil verkörpern, blond, blaue Augen, lange Beine. Die 28jährige, bekannt aus den Filmen „Maria Stuart, Königin von Schottland“, „Tarzan“ und „Ich, Tonya“ verkörpert dies und fühlt sich geehrt, dass ihr die Rolle anvertraut wurde. „Das Spielen mit
‚Barbies‘ fördert das Selbstvertrauen und die Neugierde während der Reise eines Kindes zur Selbstfindung“, sagt Robbie. Im Hollywood-Film, der 2020 ins Kino kommen soll, verlässt sie als Puppe ihr hübsches und trautes Heim im „Barbie“-Land und erlebt in der wirklichen Welt die abenteuerlichsten Geschichten. „Ich glaube, dass der Film einen positiven Einfluss auf Kinder haben wird.“
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