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Ausgabe Nr. 10/2019 vom 05.03.2019, Fotos: Trölß
Büttenpapier in unterschiedlichen Größen und Grammaturen gibt es bei Ludwig Hobl
& Sohn.
Papiermachen bedeutet bei Ludwig Hobl Handarbeit. Hier wird das Papier in der Presse entwässert.
Papier von Hand geschöpft
Wasser und Baumwolle. Mehr benötigt Ludwig Hobl nicht für sein Handwerk. Mit diesen beiden Rohstoffen, ein paar alten Geräten und viel Fachwissen produziert der Traunkirchner (OÖ) gemeinsam mit seinem Vater handgeschöpftes Büttenpapier. Die Produktion ist so aufwändig, dass sie höchstens 100 Blatt am Tag herstellen können.
Ich war von der industriellen Papiererzeugung schon ein wenig frustriert“, sagt Ludwig Hobl mit lauter Stimme, um das Geräusch der grünen Maschine zu übertönen, die er mit weißen Platten füttert. „Dann habe ich einen Weg gesucht, mit meiner Ausbildung eine kreativere Tätigkeit auszuüben.“ Die hat der gelernte Papiertechniker aus Traunkirchen (OÖ) vor neun Jahren gefunden. Die Kreativität findet zwar nicht beim Füttern eines lauten, grünen Metallmonsters statt, aber die folgt danach. Gemeinsam mit seinem Vater gründete der 37jährige in einem Nebengebäude seines Elternhauses eine kleine, aber umso feinere Papiermacherei. Dort produzieren die beiden Oberösterreicher in einem aufwändigen Verfahren handgeschöpftes Büttenpapier.

„In diesem sogenannten ‚Holländer‘ werden Baumwollfasern, die wir in Platten bekommen, zerrieben und mit Wasser vermengt“, erklärt Ludwig Hobl junior. Der Brei, der aus der Maschine fließt und der unter Papiermachern „Stoff“ genannt wird, ist das Ausgangsmaterial für die weiteren Arbeitsschritte. Den vermischt der 37jährige in der sogenannten „Schöpfbütte“ aus Holz weiter mit Wasser, bis eine dünnflüssige, milchige Brühe entsteht, aus der er nun das Papier schöpft. Der Papiermacher nimmt ein feinmaschiges, in einen Holzrahmen gespanntes Sieb von der Größe eines A4-Blattes und zieht es durch das Wasser-Faser-Gemenge. Da dieser Vorgang Konzentration benötigt, übernimmt Ludwig Hobl senior das Reden für seinen Sohn. „In diesem Durchgang stellen wir Briefpapier her“, erklärt der 56jährige. „Die Grammatur, also das Gewicht, ist mit 100 Gramm pro Quadratmeter festgelegt. Fünf Gramm mehr oder weniger sind kein Problem, aber mehr sollte das Gewicht nicht abweichen. Mein Sohn hat das schon gut im Gefühl.“ Das ist auch alles, worauf sich der Junior verlassen kann, denn einen Indikator, ob die Grammatur unter- oder überschritten ist, gibt es nicht.

Nur wenige Sekunden dauert es, bis sich auf dem Sieb eine dünne, weiße Schicht mit Fasern gebildet hat und somit bereit für den nächsten Arbeitsschritt ist, der sich „Gautschen“ nennt. Vorsichtig stülpt Hobl junior den noch weichen Brei auf eine orangefarbene Filzunterlage. Dabei wird erstmals etwas sichtbar, das die Papiermacher Wasserzeichen nennen. Deutlich erhebt sich ein Hirschkopf reliefartig aus der Fasermasse. „Um das Wasserzeichen zu erzielen, muss das Sieb zuvor bearbeitet werden. Dazu wird in einer Art Prägevorgang das gewünschte Bild in das Sieb gedrückt. Auf diese Weise können wir nahezu jedes Wasserzeichen auf Kundenwunsch erstellen“, erklärt Hobl senior. Da ein großflächiges, erhabenes Bild natürlich beim Schreiben stören würde, verschwinden die Unebenheiten beim nächsten Arbeitsvorgang, dem Pressen.

Wenn 15 Lagen Filz, Papierbrei, Filz übereinanderliegen, spannt der Papiermacher das ganze Paket in eine altertümliche Presse und kurbelt an einem großen gusseisernen Rad, um die Pressplatte zu senken. Als sie den Stapel berührt, rinnen die ersten Wassertropfen, die sich zu einem kleinen Bächlein steigern, je weiter Hobl am Rad dreht. Erst als kein Wasser mehr fließt, beendet er den Vorgang, entnimmt den Stapel und hebt langsam den obersten Filz ab. „Jetzt erst hat das Papier eine Konsistenz, dass es abgehoben werden kann“, erklärt der Vater. Jetzt ist auch das Reliefbild des Hirsches verschwunden und wird erst wieder sichtbar, wenn das Blatt gegen das Licht gehalten wird.

Vorsichtig nimmt der Sohn den ersten nassen Bogen und legt ihn auf eine Unterlage, die wie ein aufgeklapptes Zeichenbrett aussieht. „Das ist der Trockner. Je nach Grammatur werden hier drin die Bögen bei etwa 90 Grad 20 bis 50 Minuten getrocknet“, erklärt Hobl junior, während er Blatt für Blatt in das Gerät legt. Damit ist der aufwändige Vorgang des Papiermachens beendet. Nur etwa 80 bis 100 Blatt schaffen Vater und Sohn an einem Arbeitstag. Mit den zigtausenden Blättern aus industrieller Fertigung können die beiden Traunkirchner natürlich nicht konkurrieren. Das ist aber gar nicht ihr Ziel. „Zu uns kommen eher Kunden, die mit einem besonderen Brief dem Adressaten ihre Wertschätzung zeigen wollen“, beschreibt Ludwig Hobl senior ihren äußerst sympathischen Zugang zur Papiermacherei. Wobei natürlich nicht nur handgeschöpftes Briefpapier ihre Manufaktur verlässt. Visitenkarten, Korrespondenzkarten, Menükarten, ja selbst Gästebücher und bedruckbares Fotopapier werden bei „Ludwig Hobl & Sohn“, wie der offizielle Firmenname lautet, handgeschöpft.

Trotz des Aufwandes, den die Papiermacher betreiben,
bleibt ihr Büttenpapier leistbar. So kosten 100 Visitenkarten inklusive Druck etwa 170,– Euro. 100 Blatt Briefpapier mit den eigenen Initialen als Wasserzeichen kosten 270,– Euro. Natürlich teurer als ein heute gängiges E-Mail. Aber das Gefühl der Wertschätzung, die der Empfänger eines handgeschriebenen Briefes aus Büttenpapier erhält, lässt sich elektronisch nicht übermitteln.
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