Jetzt anmelden
Ausgabe Nr. 9/2019 vom 26.02.2019, Fotos: AS Syndication/ullstein bild, Schwander
Ein neues Computerprogramm errechnet (in Zukunft)aus hochauflösenden Bildern der Netzhaut und deren Blutgefäßen (orange/rot eingefärbt), ob es erste kleinste Hinweise auf eine Erkrankung gibt.
Neues Computerprogramm entdeckt
gefährliche (Augen-)Erkrankungen, bevor der Arzt sie bemerkt
Die Netzhaut verrät, wie gesund wir sind
Die Augen sind ein Spiegel der Seele. Für die Ärzte und Wissenschaftler an der Medizinischen Universität Wien sind sie mehr. Die Netzhaut ist ein Spiegel der Gesundheit, und zwar nicht nur jener der Augen. Eine neue Untersuchung, basierend auf einer hochmodernen Computersoftware, macht einer Studie zufolge bald Augenkrankheiten so früh wie nie zuvor sichtbar. Sogar ein drohender Herzinfarkt, Schlaganfall und Alzheimer sollen in Zukunft damit zu erkennen sein.
Sie sind gefürchtet und oft zu spät erkannt, Augenerkrankungen wie die diabetische Retinopathie, das ist die Zerstörung der Blutgefäße in der Netzhaut aufgrund von Diabetes, der Grüne Star sowie die altersbedingte Makuladegeneration, eine Zerstörung der Zellen im „Sehzentrum“ der Netzhaut. Jede einzelne Erkrankung verursacht ohne eine früh- oder rechtzeitige Behandlung schwerste Sehschwächen oder lässt Betroffene gar erblinden.

Dieses Schicksal lässt sich in Zukunft abwenden. Eine neue Untersuchungsmethode der Netzhaut zur Früherkennung von Augen-, aber auch anderen ernsten Erkrankungen steht in den Startlöchern und zeigt in einer aktuellen Studie der Medizinischen Universität Wien erstaunliche Erfolge.

„Bei dieser Untersuchung, die für die Patienten berührungs- und schmerzlos ist und für die sie auch nicht eingetropft werden müssen, werden vier hochauflösende digitale Netzhautbilder gemacht. Anschließend analysiert ein Computerrechenprogramm, ein Algorithmus, jeden einzelnen Bildpunkt auf mögliche Veränderungen an der Netzhaut durch eine diabetische Retinopathie. Daraus errechnet er binnen Sekunden, ob die Netzhaut des Patienten gesund ist oder nicht. Der springende Punkt ist, erste Veränderungen der Netzhaut, die vom Augenarzt mit dem freien Auge nicht zu erkennen sind, werden vom Rechenprogramm erfasst. Der Patient erfährt innerhalb von wenigen Minuten, wenn sich auf seiner Netzhaut erste Veränderungen zeigen sollten“, erklärt Dr. Ursula Schmidt-Erfurth, Leiterin der Universitätsklinik für Augenheilkunde der Medizinischen Universität Wien. Für die Ärztin ist das aber nur der Anfang. Weitere, rund fünfzig Erkrankungen lassen sich in Zukunft wahrscheinlich auf diese Weise so früh wie nie diagnostizieren und behandeln.

Dieser Vision stimmt Dr. Martin Hülsmann, Kardiologe an der MedUni Wien zu, der dazu mit Netzhautexperten Forschung betreibt. „Bluthochdruck, Diabetes und sogar das Risiko, in Zukunft einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden, können mit dieser Untersuchung und dem dazugehörenden Rechenprogramm präzise bestimmt werden, vermutlich lange bevor das gefürchtete Ereignis eintritt.“

Der Vorteil für Ärzte und Patienten, gibt die Netzhaut-Analyse Hinweise auf erste Gesundheitsgefahren, kann früh mit der passenden Therapie durch den Augenarzt oder den Internisten begonnen werden. Krankhafte Veränderungen können frühzeitig gebremst oder gestoppt werden. Ein wichtiger Schritt. „Sind zum Beispiel Sehzellen im Auge einmal zerstört, können sie nicht wieder hergestellt werden“, warnt die Augenärztin und betont, wie wichtig die frühe Entdeckung von Augenerkrankungen ist, die am Beginn häufig keinerlei Beschwerden bereiten.

Zeigt die neue Untersuchungsmethode der Netzhaut weiter gute Ergebnisse, soll sie in Zukunft anderen Kliniken zur Verfügung gestellt werden und im Anschluss Augenärzten, Hausärzten und Internisten in den Bundesländern zugänglich sein.

„Angesichts der steigenden Zahl an Patienten mit Diabetes und Herz-Kreislauferkrankungen ist das ein weiterer Schritt zur flächendeckenden Früherkennung von schweren und mitunter lebensgefährlichen Krankheiten. Ein Ersatz für die ärztliche Untersuchung soll das computergesteuerte Untersuchungsprogramm aber nicht sein.“ Die Ärzte versichern, es werde immer der Arzt sein, der am Ende die Entscheidung trifft, ob und welche Therapie schließlich eingesetzt wird.
Weitere Inhalte dieser Ausgabe:
Ihre Meinung
Ihre Meinung ist uns wichtig.

Schreiben Sie Ihren Kommentar zu diesem Artikel, den wir dann prüfen und veröffentlichen werden.
Bitte melden Sie sich an, um einen Kommentar zu verfassen.
Werbung