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Ausgabe Nr. 9/2019 vom 26.02.2019, Foto: picturedesk
Peter Weck wurde am 12. August 1930 in Wien geboren. Mit zehn Jahren kam er zu den Wiener Sängerknaben und blieb bis zum Stimmbruch im Alter von 14 Jahren dort. Auf Wunsch des Vaters, eines Ingenieurs, begann Weck nach der Matura ein Maschinenbau-Studium, brach es aber ebenso ab wie das Musik-Studium, das er mit dem Ziel, Dirigent zu werden, begonnen hatte. Dafür absolvierte er mit Auszeichnung das Max-Reinhardt-Seminar. Seine erste Filmrolle bekam Weck im Jahr 1954, weitreichende Popularität errang er später mit der Serie „Ich heirate eine Familie“ (1983 bis 1986). Von 1967 bis zu ihrem Tod im Jahr 2012 war Weck mit dem Mannequin Ingrid Muttone verheiratet. Tochter Barbara ist Maskenbildnerin, Sohn Philipp leitet die Produktionsfirma des Vaters.
„Ich vermisse meine Frau immer“
Die Arbeit lenkt ihn ab. Natürlich tritt Peter Weck, 88, mittlerweile kürzer, doch ohne Beschäftigung würde ihm die Decke auf den Kopf fallen. Vor allem nach dem Tod seiner Frau Ingrid, die er jeden Tag vermisst. Um der Einsamkeit zu entfliehen, setzt sich Weck dann und wann ins Flugzeug und erkundet ferne Ziele, wie er in diesem offenen Gespräch berichtet.
Herr Weck, fühlen Sie sich manchmal einsam?
Ja, es gibt schon Momente, in denen ich mich einsam fühle. Ich würde auch gerne noch vieles unternehmen, was allein aber keinen Spaß macht. Aber hin und wieder bekomme ich einen Anfall, so bin ich vor einiger Zeit ganz spontan nach Kolumbien geflogen, nach Bogotá. Ich hatte etwas darüber gelesen, das klang interessant und ich war noch nie dort. Also bin ich einfach für ein paar Tage dorthin geflogen. Das reichte auch, weil die Stadt ja hoch liegt, so dass ich kurzatmig werde. Bogotá liegt auf 2.600 Metern Seehöhe.

Diese Reise war ein spontaner Entschluss?
Ja. Als ich dort war, fragte ich mich auch, warum ich eigentlich jetzt dahingeflogen bin. Aber ich hatte derart interessante geschichtliche Dinge über Bogotá gelesen, dass ich die Stadt sehen wollte. Genauso bin ich einmal plötzlich nach Singapur geflogen, weil jeder sagt, die Stadt sei so sauber, das wollte ich mir anschauen. Deshalb war ich für ein paar Tage dort.

Machen Ihnen diese weiten Flüge nichts aus?
Nein, überhaupt nicht. Aber allein diese Reisen zu machen – das ist ja immer eine Flucht. Zu zweit wären sie natürlich viel schöner, ich könnte mich austauschen, es doppelt genießen. Allein ist es eine Flucht vor etwas. Manchmal fahre ich auch an die Orte, wo es mit meiner Frau schön war. Das ist eine sentimentale Auffrischung von Erlebnissen.

Der Tod Ihrer Frau Ingrid ist fast sieben Jahre her – haben Sie Ihren Verlust noch nicht überwunden?
Nein, das geht eigentlich auch nicht. Die Intervalle,
wo der Film immer wieder abläuft, wie wir uns gefunden und schließlich verloren haben, werden etwas größer, aber ganz verlieren werde ich diese Bilder und Gedanken niemals, denke ich.

Wann vermissen Sie Ihre Frau am meisten?
Das kann ich gar nicht sagen. Eigentlich vermisse ich sie immer. Es fehlt mir mein ergänzender Teil, es gibt viele Situationen, in denen ich denke: Ach, wäre das schön, wenn sie jetzt da wäre. Oder: Das würde ihr jetzt gefallen.

Hat Ihnen Ihre Frau stets gesagt, dass Sie weiterarbeiten sollen?
Nun ja, sie hat mir immer wieder gesagt, dass es besser sei, wenn ich arbeite, weil das für das Gehirn gut ist, ich roste nicht. Ich sitze nicht nur herum und warte, wobei ich mir das auch nicht vorstellen kann. Solange ich arbeiten kann, geistig fit und neugierig bin, möchte ich auch arbeiten. Ein normales Rentnerdasein würde ich nicht wollen. Gott sei Dank ist mir eine gewisse Neugierde geblieben, das hilft mir auch dabei, agil zu bleiben.

Wie halten Sie sich fit?
Ungefähr vor vier Jahren sah ich zufällig einen Film, in dem ich mitspielte. Da dachte ich nur: Oh Gott, wie gehe ich denn, das ist ja entsetzlich. Das erzählte ich jemandem und der meinte, das könnte in einem Fitness-Studio behoben werden. Also ging ich in ein solches und sagte der Dame dort, dass mich mein Gang stört, ob da etwas zu machen sei und sie sagte, ja. Seit dem Moment bin ich ein bis zwei Mal in der Woche dort, um meine Beine zu stärken, und das hilft mir. Sonst mache ich nichts, ich bin froh, dass mir der liebe Gott so gute Gene gegeben hat.

Und Ihr Kniegelenk, das Sie im Jahr 2016 bekamen?
Das ist gut. Nur am Flughafen gibt es bei der Sicherheitskontrolle immer Probleme. Ich zeige immer auf mein Knie, aber bei den Schweizern, zum Beispiel, muss ich mich immer ausziehen. Ansonsten ist das prima mit dem Kniegelenk, ich habe keine Schmerzen mehr. Die waren vorher höllisch.

Fahren Sie auch noch manchmal in Ihr Haus in Tirol?
Nein, das habe ich verkauft. Solange meine Frau gelebt hat, war es wunderbar, wir waren zu Weihnachten, Ostern und auch zwischendurch dort. Es war immer mein Wunsch, ein Haus auf dem Land zu haben. Aber jetzt ist es sinnlos. Die Seele hat gefehlt in diesem Haus, nachdem meine Frau nicht mehr da war. Und dann dachte ich, wenn ich einmal abtrete, gibt es unter den Kindern einen Kampf um das Haus. Und da habe ich mir gesagt, das löse ich lieber anders und verkaufe vorher das Haus, verteile selbst das Geld und so gibt es keinen Kampf.

Welche Pläne haben Sie für dieses Jahr?
Ich bin für einen größeren internationalen Film im Gespräch, der Ende des Jahres gedreht werden soll. Und einen Theatervertrag für 2020 habe ich auch schon – aber nur mit Vorbehalt.
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