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Ausgabe Nr. 8/2019 vom 19.02.2019, Foto: AdobeStock
Häufig wird der negative Einfluss von
strengen Wintern auf Zecken überschätzt.
Zecken lässt die Kälte kalt
Dieser Winter ist zwar um einiges strenger als der vergangene. Den zähen Zecken schadet die kalte Jahreszeit aber kaum. Selbst wenn es Frau Holle heftig schneien lässt und die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt absinken, überleben viele der kleinen, aber gefürchteten Spinnentierchen.
Wer denkt, dass er bis zu den ersten warmen Frühlingstagen Ruhe vor den Zecken hat, irrt. Auch in der kalten Jahreszeit sind die achtbeinigen Krabbler durchaus in der Lage, einen Wirt zu befallen, zuzustechen und Krankheitserreger zu übertragen.

„Mir ist ein Fall bekannt, bei dem sich ein Sportler bei einer Schitour im Dezember mit Borreliose infiziert hat“, berichtet der Osttiroler Mediziner Dr. Gernot Walder, der als ausgewiesener Experte für von Zecken übertragene Erkrankungen gilt. Zwar fühlen sich die kleinen Blutsauger im Winter nicht recht wohl, doch wenn Väterchen Frost nicht gerade über längere Zeit hinweg Temperaturen unter minus zwanzig Grad mit sich bringt, denken sie gar nicht erst daran, das Zeitliche zu segnen. Das ist in unserem Land in einem normalen Winter freilich nur noch äußerst
selten der Fall. „Was mit ein Grund ist, warum für heuer keine schwache Zeckensaison in Aussicht gestellt werden kann“, meint der Fachmann.

Genaue Prognosen, wie häufig die gruselig wirkenden Plagegeister in diesem Jahr auftreten werden, können allerdings noch nicht abgegeben werden. „Das hängt auch vom Wetter im Frühling ab. Fällt es zu trocken aus, stört dies die Entwicklung der Tiere“, wissen Parasitologen.

Schließlich bevorzugen die weltweit mehr als 850 Zeckenarten grundsätzlich ein feuchtes Klima.

Weshalb trockene Sommer viel eher ein Problem darstellen als strenge Winter, die Zecken meist gut geschützt unter einer isolierenden Laub- oder Schneeschicht aussitzen. „Schmilzt der Schnee und gibt es an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen mehr als fünf bis sieben Grad, werden die Zecken wieder aktiv“, erklärt Dr. Gernot Walder. Dann klettern die auch als „Gemeinen Holzböcke“ bekannten Spinnentierchen an Grashalmen oder Büschen empor und warten auf einen Warmblüter, an den sie sich anheften können. Ob Mann oder Maus, spielt dabei keine Rolle.

Das Risiko, von einer Zecke gestochen zu werden, besteht inzwischen also beinahe das ganze Jahr über. Und aufgrund der Erderwärmung haben wir nicht einmal auf hohen Bergen vor ihnen Ruhe. Galten früher Höhenlagen unter 800 bis maximal 1.000 Meter als eine Art rote Linie, „können Zecken heute auch auf 2.000 Metern Höhe angetroffen werden“, sagt Dr. Gernot Walder.

Zugegeben, die Gefahr, den winzigen Vampiren im Winter zu begegnen, ist wesentlich geringer als in der warmen Jahreszeit. Völlige Entwarnung ist aber leider nicht angebracht. Deshalb empfehlen Mediziner auch nach einem kurzen Winterspaziergang über Wald und Wiese, den Körper gründlich nach Zecken abzusuchen. Wird ein Stich entdeckt, sollte die Zecke schnellstmöglich und vorsichtig mit einer Pinzette oder Zeckenzange entfernt werden.

Verschärfend kommt jedoch hinzu, dass im Oktober 2018 Wissenschaftler von der Veterinärmedizinischen Universität Wien erstmals auch die „Hyalomma“-Zecke in unserem Land nachweisen konnten. Ein gefährlicher subtropischer Parasit, der schlimme Krankheiten wie das „Krim-Kongo-Fieber“ übertragen kann. Forscher vermuten, dass diese Zeckenart mit Zugvögeln zu uns gekommen ist – auch früher schon. Doch bisher war es den Larven und Nymphen hierzulande schlichtweg zu kalt, um sich zu entwickeln.

„Im vergangenen Jahr hatten wir aber einen außerordentlich langen, heißen und trockenen Sommer. Also optimale Bedingungen für die Hyalomma-Zecke“, sagen Parasitologen.

Es besteht somit die Möglichkeit, dass die erwachsenen und damit schon robusteren Blutsauger diesmal auch den Winter überdauern könnten. Weshalb die Entwicklung dieser Zeckenart in unserem Land genauestens verfolgt wird. Hwie
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