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Ausgabe Nr. 7/2019 vom 12.02.2019, Fotos: ddp images, BMG
Avril Lavigne
Lavigne singt Lieder, die ihre Seelenqualen beschreiben.
Ihre Flucht aus der Liebe zu einem Teufel
Sie hat eine schreckliche Zeit hinter sich. Seit dem Jahr 2015 litt Avril Lavigne, 34, an einer lebensgefährlichen Form von Hirnhautentzündung. Zwei Jahre lag sie praktisch flach, danach kämpfte sich die Kanadierin mit den früher so kecken Hits wie „Complicated“ und „Girlfriend“ mühsam wieder ins Alltagsleben und den Beruf zurück. Mit „Head Above Water“ hat Lavigne nun ein Album herausgebracht, auf dem sie weitaus stimmgewaltiger klingt und inhaltlich tiefer geht als bisher. Der WOCHE-Reporter Steffen Rüth wollte wissen, was dahintersteckt und ließ das Telefon bei Lavigne in deren Villa in Hollywood (USA) klingeln.
Hallo, habe ich Sie geweckt?
Nein, obwohl es jetzt zehn Uhr am Vormittag ist und für mich doch recht früh. Ich bin ein Nachtmensch, wie die meisten meiner Freunde auch. Deshalb habe ich an den neuen Liedern auch am liebsten spätabends oder nachts gearbeitet.

Sind Sie mit dem Produkt zufrieden?
Auf jeden Fall, weil es für mich eine Art Wiedergeburt darstellt. Es ist wie der Beginn des zweiten Teiles meiner Karriere, ja meines Lebens. „Sk8er Boi“ war seinerzeit der Anfang, das Lied bestimmte fast 15 Jahre lang den Ton meiner Musik. Und „Head Above Water“ ist ein neuer Beginn für mich, in jeder Hinsicht. Ich habe viel durchgemacht, bin erwachsener geworden, und es ist einfach auch viel Zeit vergangen. Kaum jemand kann sich vorstellen, wie glücklich ich bin, jetzt wieder mit meiner Musik in der Öffentlichkeit präsent zu sein.

Sie waren schwer an Lyme-Borreliose erkrankt, einer hartnäckigen Form der Hirnhautentzündung. Bis die Diagnose feststand, vergingen Monate und die Genesung dauerte mehr als zwei Jahre. Was blieb von dieser Zeit?
Ich bin glücklich und dankbar, dass ich überhaupt noch am Leben bin. Und ich bin heilfroh, dass ich meine Musik hatte, denn ich hatte oft das Gefühl, sie hat mir Leben eingehaucht. Sobald ich wieder aufstehen konnte, schleppte ich mich an mein Klavier und schüttete mein Herz aus. Auf dem neuen Album ist alles drauf, was ich zu geben habe.

Den Song „Head Above Water“ haben Sie angeblich geschrieben, als Sie dachten, Sie würden sterben …
Ja, eines Nachts habe ich geglaubt, dass ich ersticke und förmlich ertrinke. Meine Mutter lag neben mir im Bett und hielt mich fest. Seltsamerweise hatte ich irgendwie meinen Frieden mit dem Tod geschlossen. Ich betete zu Gott, dass er meinen Kopf über Wasser halten möge, und das war der Moment, in dem ich zum ersten Mal seit Langem wieder mit dem Schreiben begann. Es war, als sei ich auf eine sprudelnde Quelle gestoßen.

Wie sind Sie wieder in die Gänge gekommen?
Nur langsam. Wenn du da liegst, merkst du erst, wie wichtig und wie groß die vielen kleinen Dinge des Lebens sind. Du denkst, „Mensch, ich würde gerne in die Küche gehen und mir einen Kaffee machen.“ Zwei Jahre lang war mir das nicht möglich. Oder ein Abendessen mit einem Glas Wein genießen, Freunde besuchen. Oder mich einfach ins Auto zu setzen und irgendwo hinzufahren.

Haben Sie sich Ihr normales Leben zurückerobert?
Nein, es ist ein Auf und Ab. Ich habe gute Tage und Tage, an denen ich merke, dass ich langsamer treten muss. Derzeit bin ich noch nicht wieder die alte Superfrau. Aber ich kämpfe mich zurück, das Glas ist definitiv halb voll und nicht halb leer.

Das Superfrauen-Lied auf Ihrem Album heißt „Warrior“. Darin singen Sie, dass Sie die Schlacht gewinnen und niemals aufgeben werden.
Ja, ich lasse mich nicht unterkriegen. Wenn das Leben hart ist und mit Steinen nach dir wirft, wenn die ganze Welt um dich zusammenzubrechen scheint, dann weiß ich: Am besten ist es, Ruhe zu bewahren, zu atmen und diesen Augenblick der Panik vorüberziehen zu lassen. Das meine ich nicht nur in Bezug auf meine Krankheit. Das gilt für alle Herausforderungen des Lebens.

Sie waren zwei Mal verheiratet. Gibt es einen neuen Mann an Ihrer Seite?
Das will ich nicht verraten. Ich bin im Sternzeichen Jungfrau, und die Liebe ist mir sehr, sehr wichtig.

Aber in einem Ihrer neuen Lieder heißt es „I Fell in Love With The Devil“, wer ist dieser Teufel, in den Sie sich verliebt haben?
Ach, das ist schon wieder vorbei. Ich bin regelrecht geflüchtet.
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