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Ausgabe Nr. 6/2019 vom 05.02.2019, Fotos: Parlamentsdirektion/Simonis, Stephan Doleschal
Bruno Rossmann, Rainer Will
Pfand für Plastikflaschen?
Plastiksackerl sind ab kommendem Jahr bei uns verboten. Die EU will zudem, dass bis 2025 Einweg-Plastikflaschen zu 90 Prozent wiederverwertet werden. Denn ein Großteil des Plastik-Mülls an den Stränden weltweit besteht daraus. Derzeit beträgt „der Anteil an recyceltem Plastik in neuen Flaschen nur ein Fünftel“, kritisiert Bruno Rossmann, der Klubobmann von JETZT, der früheren „Liste Pilz“. Er will ein Pfand-system für alle Getränkeverpackungen. Der Handel wehrt sich jedoch dagegen.
JA: Bruno Rossmann,
JETZT-Klubobmann:

„Ja, aber nicht nur auf Plastikflaschen, sondern auf alle Getränkeverpackungen. Das Plastiksackerl-Verbot ist viel zu wenig. Bei den Plastikflaschen müssen w---ir zudem EU-Vorgaben erfüllen, die einen Rücklauf von 90 Prozent vorsehen. Und das wird ohne Pfand-system schwer zu erreichen sein. Ich bin ein Anhänger der Kreislaufwirtschaft. Ganz wichtig wäre das bei den Aluminiumdosen. Bei Alu-Dosen ist der Energieverbrauch für die Wiederverwertung niedrig, er beträgt nur einen Bruchteil dessen, was bei der Herstellung notwendig ist. Außerdem, wenn wir durch die Straßen gehen, sehen wir immer wieder achtlos weggeworfene Dosen und Flaschen herumliegen, das sollte nicht sein. Mein Ziel ist deshalb ein flächendeckendes Pfandsystem für Getränkeverpackungen. Um abwägen zu können, wie ein solches System für unser Land ausschauen muss, habe ich im Parlament einen Entschließungsantrag für eine Machbarkeitsstudie eingebracht. Ich hoffe, dass der Vorschlag auch bei Umweltministerin Elisabeth Köstinger auf fruchtbaren Boden fällt. Die Anfangs-Zusatzkosten des Handels könnten ja mit einer maßgeschneiderten Lösung berücksichtigt werden.“

NEIN: Rainer Will,
Handelsverband-Geschäftsführer:

„Wir sind ein Vorzeigeland, was die Getränke-Verpackungssammlung betrifft. Mit der ARA (Altstoff Recycling Austria) haben wir ein effizientes und konsumentennahes Sammel- und Verwertungssystem für
Verpackungen, das bisher alle vorgegebenen Quoten erfüllt hat und sich schon intensiv mit den Herausforderungen der neuen EU-Rahmenrichtlinie auseinandersetzt. Auch die Trennmoral in unserem Land ist äußerst hoch. Drei von vier PET-Flaschen werden in der getrennten Sammlung erfasst. Ein Einweg-Pfand wie in Deutschland macht keinen Sinn, da unsere Recyclingquote von Plastikflaschen bereits jetzt bei 72 Prozent liegt. Diese Quote werden wir durch zusätzliche Initiativen, etwa bewusstseinsbildende Maßnahmen beim Konsumenten und innovative Verpackungsdesigns weiter ausbauen. In Deutschland ist die Mehrweg-Quote überdies seit der Einführung des Einweg-Pfandes 2003 von 66 Prozent auf 44 Prozent gesunken, das ursprüngliche Ziel, die Quote zu erhöhen, wurde klar verfehlt. Der gesamte heimische Handel als auch die Industrie sind dagegen. Darüber hinaus ist unser System auch noch deutlich billiger.“
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