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Ausgabe Nr. 6/2019 vom 05.02.2019, Foto: imago
Im Super G in Bormio (Italien) stürzte unser Landsmann Daniel Hemets-berger, 27, schwer und riss sich dabei das vordere Kreuzband, das Innenband und den Meniskus im linken Knie.
Alarm im Schi-Lazarett
Ob Knie, Ferse oder Knöchel, gut ein Drittel der Top-Schiathleten reiste blessiert oder wegen Verletzungen gar nicht zur Weltmeisterschaft an. Die Krise um die Athletengesundheit lässt neue Ideen aufkeimen, unruhigere Pisten, dickere Anzüge, weniger Rennen und ein verpflich-tender Airbag könnten künftig die Sicherheit verbessern.
Sie sind derzeit im Dauerstress, die Teamärzte, Physiotherapeuten und Notarzthubschrauber der Schiszene. Von den besten 40 Pistenflitzern im Männer-Abfahrtsbereich sind 15 verletzt und auch bei den Damen ist der Aderlass groß. Alleine im heimischen Damenteam gibt es acht Verletzte. „In jedem Rennen verlieren wir zwei Läufer, so geht es nicht weiter“, macht sich Markus Waldner, Renndirektor des Schi-Weltverbandes FIS Sorgen.

Die Vorschläge zur Besserung sind mannigfaltig, Waldner will unter anderem das Material entschärfen und etwa die Carving-Radien verkleinern. Zurecht sagt der Sportarzt Dr. Christian Fink: „Die Läufer können das Material nicht mehr beherrschen, es verzeiht keine Fahrfehler.“ Der heimische ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wiederum schlägt vor, die Pisten statt als schräge Eislaufplätze ruppig und wellig zu präparieren, „damit“, sagt er, „von den Athleten nicht mehr das letzte Hemd riskiert wird.“ Anna Veith fordert nach ihrem erneuten Kreuzbandriss eine Änderung im Rennplan. „Es wäre wichtig, weniger Rennen abzuhalten“, glaubt sie.

Seit drei Jahren kommt bereits ein etwa 1.000 Euro pro Stück teures Airbagsystem zum Einsatz, allerdings nicht verpflichtend, wie es Hannes Reichelt fordert. Nur ein Drittel der Abfahrts-Läufer wie Matthias Mayer oder der Kitz-Sieger Josef Ferstl verwenden es. Dabei erkennt ein Sensor, wenn der Läufer die Kontrolle verliert, er bläst sich binnen Millisekunden auf, schützt wie ein Polster Nacken und Oberkörper, während er 60 Prozent der Auf-
prallenergie aufnimmt. Allerdings kann der Airbag nicht vor Knie- und Beinverletzungen schützen.

Auch die Durchsetzung der Pläne ist ein Problem. „Mit unseren Forderungen nach dicken Anzügen und Airbags rennen wir bei der FIS gegen eine Wand“, klagt Reichelt. Die unruhigen Pisten befürwortet Dominik Paris, Axel Lund Svindal lehnt sie ab. Die dicken Anzüge fordert Tina Weirather, ÖSV-Trainer Andreas Puelacher lehnt sie ab. Reichelt will den verpflichtenden Airbag, Beat Feuz nicht. Das größte Problem ist also scheinbar vor allem jenes, dass sich weder Funktionäre noch Trainer und Athleten einig sind …
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