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Ausgabe Nr. 4/2019 vom 22.01.2019, Foto: picturedesk.com
Sonja Klima, 55, wird neue Chefin der Spanischen Hofreitschule
„Die Erklimmung des Olymps in meiner Pferdewelt“
Sonja Klima wird nach dem Abtritt von Elisabeth Gürtler, 68, Ende des vergangenen Jahres neue Chefin der Wiener Hofreitschule. Die Exfrau des früheren SPÖ-Bundeskanzlers Viktor Klima, 71, setzte sich unter anderem gegen den langjährigen Leiter der Reitbahn, Herwig Radnetter, durch, obwohl er im Auswahlverfahren als eindeutig bester Kandidat hervorging.
Rund 350.000 Touristen aus aller Welt besuchen die 72 weißen Lipizzaner-Pferde in der Spanischen Hofreitschule jedes Jahr. Die im Jahr 1565 gegründete und heute im Michaelertrakt der Hofburg in der Inneren Stadt in Wien angesiedelte Reitschule gilt als älteste der Welt. Geführt wurde sie von 2007 bis Ende 2018 von der Unternehmerin und Hotel-Sacher-Erbin Elisabeth Gürtler, 68.

Nachdem sich zwölf Personen für ihre Nachfolge als Geschäftsführer beworben hatten und drei in die engere Auswahl gekommen waren, wurde Sonja Klima, 55, in der vorigen Woche vom sechsköpfigen Aufsichtsrat zur neuen Chefin gewählt. Neben ihr kam auch die ehemalige Schönheitskönigin („Miss World“, 1987) und Ex-Nationalratsabgeordnete für das Team Stronach, Ulla Weigerstorfer, sowie der langjährige Leiter der Reitbahn, Herwig Radnetter, in die engere Auswahl.

Für ihn setzte sich der vierköpfige Fachbeirat der Spanischen Hofreitschule ein. Das Gremium witterte bei der Entscheidung für Klima „übelsten Postenschacher“ und trat geschlossen zurück. Auch der ehemalige ÖVP-Wirtschaftsminister Martin Bartenstein legte seine Funktion als Aufsichtsratsmitglied nieder.

Denn Radnetter hatte das Auswahlverfahren eigentlich mit 165 Punkten vor Klima (145) und Weigerstorfer (143) klar für sich entschieden. Er arbeitet seit 42 Jahren in der Reitschule und ist seit dem Jahr 2012 Leiter der Reitbahn. Überdies gilt er als Vertrauter von Gürtler.

Dass Radnetter den Posten trotzdem nicht bekam, ist für das zurückgetretene Fachbeiratsmitglied Elisabeth Max-Theurer inakzeptabel.„Mit der Ernennung Sonja Klimas zur neuen Leiterin wurde eine rein politische Entscheidung getroffen. Hier wird das Ansehen einer der wichtigsten heimischen Aushängeschilder riskiert. Die Hofreitschule darf nicht zum politischen Spielball werden.“ Ob bei Klimas Ernennung das Geschlecht eine Rolle gespielt hat, wollte Max-Theurer nicht bestätigen.

Fest steht, dass Sonja Klima, die sich als „parteiunabhängig“ bezeichnet, erst im vorigen Jahr Niederösterreichs ÖVP-Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner im Wahlkampf unterstützt hatte, zudem sollen gute Kontakte zur Ehefrau von FPÖ-Vizekanzler Heinz-Christian Strache, Philippa, eine gewichtige Rolle bei ihrer Ernennung gespielt haben. Überdies hätten sich auch der ÖVP-Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie die ÖVP-Umweltministerin Elisabeth Köstinger für Klima ausgesprochen, heißt es.

Köstinger spricht von einer unabhängigen Besetzung. „Der Vorwurf der politischen Einflussnahme richtet sich von selbst, da der Aufsichtsrat der Hofreitschule weisungsfrei ist.“ Auch habe sie den Posten nicht aufgrund ihres Geschlechts bekommen, meint die Ministerin.

Max-Theurer weist aber darauf hin, dass Klima nicht allen Kriterien der Ausschreibung gerecht wird. Denn neben den geforderten Kenntnissen der Betriebswirtschaft, der Erfahrung im Umgang mit Medien sowie einem hervorragenden Auftreten werden auch Kenntnisse über die klassische Reitkunst verlangt. Dieser Punkt werde von Klima nicht erfüllt, sagt Max-Theurer.

Ins gleiche Horn stößt ihr Kollege Michael Enzinger.„Jetzt wird das betrieben, was die türkis-blaue Regierung immer angeprangert hat, der Postenschacher. Klima verfügt über keinerlei Kenntnisse in klassischer Reitkunst, was aber einen der wichtigsten Werte der Hofreitschule darstellt. Sie ist daher unqualifiziert.“

Der Aufsichtsratschef der Reitschule Johann Marihart verteidigt die Ernennung Klimas. „Sie bringt auf Marketing- und Verkaufsseite mit, was wir durch den Abgang von Elisabeth Gürtler verloren haben.“ Die klassische Reitkunst sieht er keinesfalls in Gefahr, da Herwig Radnetter Reitbahnleiter bleibt.

Sonja Klima versteht die Aufregung um ihre Ernennung jedenfalls nicht. „Ich liebe Tiere und insbesonders Pferde und sehe mich als gute Reiterin.“ Zudem verfüge sie durch ihre bisherige berufliche Laufbahn über die nötige Erfahrung, die für die Führung der traditionsreichen Hofreitschule wichtig seien, ist sie überzeugt. Die zwei Mal geschiedene Sonja Klima sitzt seit ihrer Kindheit fest im Sattel und besitzt heute ein Pferdegestüt mit Ausbildung und Zucht im niederösterreichischen Marchegg. Von 2009 bis 2014 war sie Präsidentin des Trabrennvereins in ihrer Heimatstadt Baden. Seit 2010 war die gelernte Volksschullehrerin und Sonderpädagogin als Präsidentin der Ronald McDonald Kinderhilfe tätig. Dieses Amt hat sie allerdings für ihre neue Tätigkeit in der Hofreitschule zurückgelegt.

Inzwischen sind Teile der Bewerbung Klimas im Internet aufgetaucht, die mitunter zum Schmunzeln anregen. So habe sie mehrere Fortbildungsveranstaltungen über Tierzucht besucht, berichtet sie. Außerdem sei die Leitung der Hofreitschule für sie die „Erklimmung des Olymps in meiner Pferdewelt“. In diesen Olymp soll Klima schon in wenigen Wochen aufsteigen, wo auf sie viel Arbeit wartet. Denn obwohl Elisabeth Gürtler die jährlichen Defizite drastisch reduziert hat, sitzt die Hofreitschule immer noch auf einem Schuldenberg von 25 Millionen Euro, der zum Großteil vor Gürtlers Zeit angehäuft wurde. Laut Landwirtschaftsministerium werde der Steuerzahler für diese Schuldenlast nicht aufkommen. Doch das saftige Minus abzubauen, wird nicht einfach sein. Allein die Bereiter sollen mehr als 100.000 Euro pro Jahr kosten. Da bedarf es vieler zahlender Besucher, selbst wenn pro Vorstellung die Karten zwischen 27 Euro am Vormittag und 225 Euro am Abend kosten. rb
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