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Ausgabe Nr. 3/2019 vom 15.01.2019, Foto: blackday/AdobeStock
Diese Begriffe und Kürzel weisen auf Mikroplastik hin
Polyethylen PE
Polypropylen PP
Polyethylenterephthalat PET
Nylon-12
Nylon-6
Polyurethan PUR
Acrylates Copolymer AC
Acrylates Crosspolymer ACS
Polyacrylat PA
Polymethylmethacrylat PMMA
Polystyren PS
(Quelle: Global 2000)
Zu viel Plastik-Mist steckt in Kosmetik
Plastik ist beständig, leicht und in langlebigen Produkten sinnvoll. Probleme bereitet es, wenn kleinste Partikel in Böden und Gewässer gelangen. Dieses Mikro-Plastik kommt in fester wie gelöster Form in Körperpflege- und Kosmetikartikeln vor. Ein Teil davon landet unweigerlich in der Umwelt und damit in unserer Nahrungskette. Dem können Konsumenten entgegenwirken.
Sie helfen, Haut und Zähne zu reinigen, machen Cremen hautverträglich, gewährleisten den Hitzeschutz bei Haarpflege-Produkten, dienen als Füll- und Schleifmittel oder ermöglichen eine gute Abdeckwirkung von Make-up. Wer danach fragt, warum feste Mikroplastikteilchen, die fünf Millimeter und kleiner sind, oder gelöste, wachs- oder gelartige Kunststoffe in Produkten zur Körperpflege und Kosmetik verarbeitet werden, der bekommt von Vertretern der Kosmetikindustrie diese und noch mehr Gründe aufgezählt.

Was bis vor Kurzem als Fortschritt in der Forschung gefeiert wurde, steht heute im Kreuzfeuer der Kritik und wird sogar von Politikern bekämpft. Der Grund, die Verschmutzung der Böden, Flüsse und Meere mit Kleinst-Plastik über Abwässer und Klärschlamm nehme nicht mehr tolerierbare Ausmaße an. „Die Auswirkungen der Aufnahme von Mikroplastikpartikeln sind vielseitig. Studien an Meerestieren verweisen auf Gewebeveränderungen, Entzündungsreaktionen und vergiftende Auswirkungen, innere Verletzungen und Todesfälle“, sagt Lisa Kernegger, Expertin für Mikroplastik der Umweltorganisation Global 2000. Vor allem Fische und Muscheln sind belastet, in Meersalz, sogar in Bier und Trinkwasser gibt es Plastik-Rückstände.

Die Erkenntnis ist dennoch klar, einmal in der Umwelt angekommen, landet festes oder gelöstes Plastik früher oder später auf unseren Tellern und damit in unserem Körper. Tatsächlich konnten Wissenschaftler der Medizinischen Universität Wien vor Kurzem erstmals Mikroplastik in menschlichem Stuhl nachweisen. Welche
Auswirkungen das auf unsere Gesundheit hat, ist noch nicht abzusehen.

Einen, wenn auch kleinen, Beitrag zur weltweiten Plastik-Misere leistet die Kosmetikindustrie. Der in vielen Produkten enthaltene Kunststoff landet nach dem Duschen, Waschen oder Baden nicht selten in unserer Umwelt, beklagen Umweltschützer. Mehr als 900.000 Tonnen Mikroplastik und fast 47.000 Tonnen gelöste Polymere gelangen jährlich etwa in Deutschland allein aus Kosmetikprodukten sowie Wasch-, Putz- und Reinigungsmitteln ins Abwasser. Zahlen aus unserem Land gibt es dazu nicht.

Einige Kosmetikhersteller haben das Problem erkannt und im Jahr 2015 den freiwilligen Verzicht auf Mikro-Plastik erklärt, der ab dem Jahr 2020 auch bei uns per Gesetz gelten soll. „Einer aktuellen Umfrage zufolge durch Cosmetics Europe, den europäischen Dachverband der Kosmetikindustrie, hat sich die Menge an festen, nicht abbaubaren Kunststoffpartikeln, die in abzuspülenden Produkten eingesetzt werden, zwischen den Jahren 2012 und 2017 um mehr als 97 Prozent reduziert“, erklärt Stefan Kukacka, Sprecher von Kosmetik transparent, einer Informationsplattform der Markenkosmetik-Hersteller, und beteuert, dass die Belastung der Meere durch Mikro-Plastik aus Pflegeprodukten und Kosmetika gering sei. „Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass bis zu 1,5 Prozent des gefundenen Mikroplastiks aus Kosmetikprodukten stammt.“ Das Problem, das bleibt, neben festen Teilchen Mikroplastik gibt es Kunststoffe in flüssiger Form, etwa in Haar- und Make-up-Produkten. Sie sind vom freiwilligen Verzicht ausgenommen. Die Begründung, gelöste Polymere tragen nicht zur Verschmutzung der Gewässer bei. „Beim Auswaschen oder Abschminken liegen sie wieder gelöst vor und werden (von Kläranlagen) entfernt“, sagt Kukacka. Kritikern ist das zu wenig, denn lösliches Plastik und ein kleiner Teil der festen Partikel bleiben im Klärschlamm hängen. „Klärschlämme werden zum Teil kompostiert oder zur Düngung direkt auf landwirtschaftliche Felder ausgebracht. Das mit großem Aufwand von der Kläranlage aus dem Abwasser entfernte Mikroplastik landet damit auf unseren Böden.“ Forscher in Industrie und Wissenschaft suchen nach Alternativen. Zellulose, Hafer, Weizen und Maisschrot werden bereits auf ihre Eigenschaften getestet, Klein-Plastik zu ersetzen.

Konsumenten, die Kosmetik mit wenig oder ohne Mikroplastik möchten, können auch etwas tun. „Die Inhaltsstoffe von Produkten verraten, ob Mikroplastik enthalten ist. Dazu haben wir eine Liste der Bezeichnungen veröffentlicht. Ist das zu anstrengend, kann zertifizierte Bio-Kosmetik helfen. Der Verweis ‚ohne Mikroplastik‘ beschreibt den Verzicht auf Plastikteilchen.“ Die andere Alternative ist, Kosmetik selbst anzurühren …
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