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Ausgabe Nr. 3/2019 vom 15.01.2019, Fotos: Parlamentsdirektion/Simonis, duty
Gabriele Heinisch-Hosek, Rolf Gleissner
Rechtsanspruch auf Papa-Monat?
FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ist im „Papamonat“ für seinen jüngsten Sohn Hendrik, das erste gemeinsame Kind mit Ehefrau Philippa. Der Vizekanzler lässt sich in der Regel von Norbert Hofer vertreten und spendet sein Gehalt. Für Väter in der Privatwirtschaft gibt es seit 2017 den „Familienzeitbonus“, wenn sie nach der Geburt die Arbeit für ein Monat einstellen. Er beträgt rund 700 Euro. Doch nur jeder 16. Vater nimmt die Familienzeit in Anspruch, denn es gibt keinen Rechtsanspruch.
JA: Gabriele Heinisch-Hosek,
SPÖ-Frauenvorsitzende:

„Aus Gesprächen mit werdenden oder jungen Vätern weiß ich, dass sich viele von ihnen wünschen, in Karenz zu gehen oder nach der Geburt ein Monat bei Mutter und Kind zu sein. Oft liegt die Hürde aber im Unter-nehmen, die Arbeitgeber legen sich quer. Wie bei der Karenz soll es deshalb auch beim Papamonat nach der Geburt einen Rechtsanspruch geben. Denn junge Eltern wollen sich die
Familienarbeit teilen, und dabei sollten wir sie unterstützen. Ein solcher Papamonat ist jedenfalls ein Gewinn für alle, für Mütter, Väter und Baby. Männer können gerade in der ersten, anstrengenden Zeit nach der Geburt ihre Partnerinnen unterstützen. Und sie können einen engeren Bezug zu ihren neugeborenen Kindern aufbauen. Viele empfinden diese Zeit als äußerst bereichernd und entscheiden, später auch einen Teil der Karenz zu übernehmen. Im öffentlichen Dienst gibt es den Rechtsanspruch bereits. Auch Vizekanzler Strache hat sich nach der Geburt seines Kindes für ein Babymonat entschieden, dazu gratuliere ich ihm. Aber diese Möglichkeit muss es für alle jungen Väter geben, auch für jene, die in der Privatwirtschaft arbeiten.“

NEIN: Rolf Gleissner,
Wirtschaftskammer:

„Kinder sind unsere Zukunft. Daher ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie der Wirtschaft ein Anliegen. Wir stehen zu den Rechten, die Mütter, aber auch Väter rund um die Geburt eines Kindes haben: Kollektivverträge sehen die bezahlte Freistellung von ein oder zwei Tagen des Vaters bei Niederkunft von Ehefrau oder Lebensgefährtin vor. Väter haben Anspruch auf Karenz. Man(n) kann auch Urlaub für die Zeit nach der Geburt nehmen. Schließlich können Vater und Unternehmen die Familienzeit („Papamonat“) vereinbaren. Ein zusätzlicher einseitiger Anspruch auf Papamonat ist weder sinnvoll noch nötig. Die bestehenden Rechte ermöglichen bereits die volle
Väterbeteiligung. Auch kennen wir keinen Fall, in dem ein Arbeitgeber einem Vater die Freistellung nach der Geburt verweigert hätte. Zudem sind einseitige Ansprüche vor allem für Kleinbetriebe ein Problem. Ein Gasthaus, dessen einziger Koch mitten in der Saison einen Monat ausfällt, hat es schwerer als der Staat, der seinen Beamten einen Papamonat gibt. Fazit, Mütter wie Väter sind gut abgesichert. Noch mehr Instrumente, vor allem einseitige, sind weder nötig noch sinnvoll.“
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