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Ausgabe Nr. 2/2019 vom 08.01.2019, Foto: zvg
Preiml, Gschöpf und Obernosterer machen bei der internationalen Turnierserie „Snow-volleyball“ mit.
Baggern im Schnee
Schnee statt Sand, Angoraunterwäsche statt Bikini und Glühwein statt eisgekühlter Getränke. So findet im Winter die internationale „Snowvolleyball“-Turnierserie statt, die auch in der atemberaubenden Bergwelt von Wagrain (S) und St. Anton (T) Station macht. Die heimischen Bagger-Asse erzählen wie sie der eisigen Kälte ein Schnippchen schlagen.
Bei frostigen minus 16 Grad schlugen die Athleten vor zwei Wochen in Moskau (Russland) schon mit steifgefrorenen Fingern nach dem Ball. „Die meisten zogen Handschuhe, Schals, Ohrenschützer, Hauben und mehrere Lagen Kleidung an, um für Wärme zu sorgen“, schmunzelt Marilena Preiml, 23, die mit ihren Partnerinnen Saria Gschöpf, 23, und Maria Obernosterer, 39, beim Saisonauftakt der Schnee-Volleyballer dabei war. Normalerweise pritscht und baggert das Kärntner Dreimäderlhaus die meiste Zeit des Jahres über beim Beachvolleyball, wo Bikini und Sonnenöl im Vordergrund stehen. Doch im Gegensatz zu dem in Moskau zum ersten Mal in seinem Leben auf Schnee agierenden brasilianischen Spitzenspieler Marcio Gaudie Ley sind die Damen mit dem kalten Element vom Wintersport her vertraut. „Wir spielen sonst 20 Turniere im Jahr bei zumeist großer Hitze im Sand, da ist das Spielen auf Schnee trotz allem ein gewaltiger Kontrast“, erzählen sie. Bei den Snowvolleyballern wird in den Pausen heißer Tee ausgeschenkt, während im Sommer eisgekühlte Getränke neben den Spielern zur Entnahme bereitstehen. Gibt es auf dem oft glühend heißen Sand sogar leichte Verbrennungen an den Füßen, sind im Winter Verkühlungen oder Zerrungen von kalten Muskeln die große Gefahr. „Auf Schnee musst du viel intensiver aufwärmen“, betont Preiml. „Außerdem ist Sand viel weicher als der hart gewalzte, extrem rutschige und nasse Schnee. Blaue Flecken und Schürfwunden sind kaum zu vermeiden.“

Schon vor rund 15 Jahren war unser Land eines der ersten, in dem ein Volleyballnetz über ein Schneefeld gespannt wurde. Seit zehn Jahren wird in Salzburg bereits ein richtiges Turnier ausgerichtet und im vorigen Jahr ging in Wagrain (S) die erste Europameisterschaft über die Bühne. Ab heuer gibt‘s auch eine neu aufgestellte internationale Turnierserie des „Snowvolleyball“ mit drei statt bisher zwei Spielern pro Mannschaft, die in sechs Ländern Station macht. „Der internationale Volleyballverband fördert das Spiel auf Schnee und will es als Disziplin bei den Olympischen Winterspielen etablieren“, weiß der Oberösterreicher Florian Schnetzer, 29, der auch heuer bei der Serie mitspielt und im vorigen Jahr EM-Fünfter wurde. „Dass ab sofort drei Spieler im Gegensatz zu zwei wie beim Beachvolleyball auf jeder Seite des Netzes stehen, soll den Sport als eigenes Format positionieren.“ Bei Olympia in Pyeongchang (Südkorea) gab es Anfang 2018 auch einen Snowvolleyball-Vorführbewerb, der von fünfzig Fernseh-Stationen weltweit übertragen wurde.

Auch die Ausrüstung der Athleten sieht anders aus als im Sommer. „Nur der Ball ist exakt gleich wie im Beachvolleyball, aber an den Füßen ziehen wir Fußballschuhe mit Gummi-Noppen an, um auf dem glatten Terrain nicht zu rutschen“, verrät Preiml. „Am Körper tragen wir Schiunterwäsche, eine gefütterte Laufhose und je nach Kälte noch die eine oder andere Schicht Langlaufkleidung.“ Zwar spielen die Kärnterinnen selbst am liebsten ohne Handschuhe, doch gewannen die russischen Europameister Ruslan Daianow und Taras Myskiv im vorigen Jahr Gold nicht zuletzt dank ihrer dünnen Gummispezialhandschuhe, die einen besseren Grip auf den nassen Ball ermöglichten.

Am Wochenende macht die Turnierserie in Erciyes in der Türkei Station, danach in Italien und Georgien, für 2021 ist schon die erste WM geplant. Doch im kommenden März und April baggern die Snowvolleyballer auch noch in unserem Land vor der herrlichen Bergkulisse von Wagrain und St. Anton (T), was für viele zum Höhepunkt gehört. „Bei der großen Höhenlage kommst du zwar wegen der dünnen Luft schneller aus der Puste und der Ball neigt zum Flattern, doch die Stimmung ist ein Wahnsinn, wenn die Zuseher toben und im Hintergrund Hüttenmusi erklingt“, erzählt Preiml von dem auf 1.850 Metern gelegenen Spielfeld neben der Wagrainer Bergstation „Flying Mozart“. Dort wird der Sport als Après-Ski-Programm für die Pistenflitzer angeboten. „St. Anton ist das höchstgelegene Turnier von allen“, freut sich Florian Schnetzer schon darauf. „Vor der Kulisse der umliegenden Bergriesen wird das Turnier ein wundervolles Erlebnis.“
Wolfgang Kreuziger
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