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Ausgabe Nr. 2/2019 vom 08.01.2019, Foto: instagram
Mit Fotos im Internet-Dienst Instagram wollen Politiker ihren Ruf aufpolieren.
Schöner Politik-Schein
Pro Minute werden weltweit 50.000 Fotos auf Instagram gepostet. Wer sich im Bilder-Wust durchsetzen will, egal, ob Politiker, Schauspieler oder Fitness-Guru, muss mit besonderen Einblicken punkten. Privates ist beliebt, doch die Grenze zur Selbstentblößung überschreiten Politiker hierzulande kaum.
Alexander Van der Bellen und Sebastian Kurz sind die erfolgreichsten Politik-„Instagrammer“ in unserem Land. Der grüne Bundespräsident und der ÖVP-Kanzler kratzen an der 60.000-Abonnenten-Grenze. Heinz-Christian Strache folgen rund 35.000 Menschen auf Instagram, knapp geschlagen wird er von seinem Parteikollegen Norbert Hofer.Der frühere SPÖ-Regierungschef Christian Kern hat rund 23.000 „Follower“ (Verfolger), Ex-NEOS-Chef Matthias Strolz gut 24.000. Beide werken künftig als Unternehmer, Strolz macht im Jänner „Soziales-Medien-Fasten“.

International gesehen ist dabei aber noch viel Luft nach oben. Die Instagram-Bilder des amerikanischen Präsidenten Donald Trump erreichen bis zu elf Millionen Menschen, bei Arnold Schwarzenegger sind es fast 16 Millionen. Eine Milliarde Menschen nutzen weltweit den Internet-Dienst für inszenierte schöne Bilderwelten, in unserem Land gibt es laut Berichten rund zwei Millionen Nutzer.

Bei den Jugendlichen hat Instagram schon längst den Soziale-Medien-Riesen Facebook überholt. „Die meisten Schauspieler und Sänger, die mich interessieren, posten auf Instagram“, erklärt eine 16jährige ihre Beweggründe. 63 Prozent der Elf- bis 17jährigen bewegen sich hierzulande auf der Internet-Plattform, schicken und empfangen Bilder und Videos, wobei deutlich mehr Mädchen aktiv sind. Auf Facebook, dem größten sozialen Netzwerk der Welt ist nur noch jeder zweite Jugendliche bei uns unterwegs. Burschen und Mädchen nutzen es gleichermaßen, vor allem für Neuigkeiten und Infos. Die Nutzer bleiben allerdings in der Familie. Instagram gehört seit dem Jahr 2012 zum Facebook-Konzern. Geld verdient der Bilder- und Videodienst mit Werbung, die seinen Nutzern eingeblendet wird.

Wer die Wähler von morgen ansprechen will, der kommt an Instagram nicht vorbei. Denn viele Jugendliche schauen nicht mehr fern, schon gar keine Nachrichten, lesen kaum Zeitungen und beziehen ihre Sicht der Welt aus dem Inter-
net. Ohne ihr Mobiltelefon gehen sie selten aus dem Haus,
und schon in der Früh „wischen“ sie sich durch die Meldungen der von ihnen abonnierten Kanäle der Sozialen Medien am Smartphone. Politiker, die zu Bald-Wahlberech-
tigten und jungen Erwachsenen vordringen wollen, müssen aber mehr bieten als langweilige Fotos von Pressekonferenzen oder Gruppenbilder mit anderen Volksvertretern.

Der Blick durchs Schlüsselloch kann jedoch auch ins Auge gehen. Das musste im November der italienische Innenminister Matteo Salvini erkennen. Da verkündete seine Verlobte, die Fernseh-Moderatorin Elisa Isoardi die Trennung per Instagram. Mit einem pikanten Selbstporträt aus dem Bett, das die Moderatorin im weißen Bademantel, neben ihr, mit nacktem Oberkörper und geschlossenen Augen, den Minister zeigt. Darunter schrieb sie mit den Worten eines italienischen Jung-Poeten: „Fehlen wird uns nicht das, was wir uns gegeben haben, sondern das, was wir uns noch hätten geben sollen.“ Und dazu: „Mit großem Respekt für die wahre Liebe, die es gab. Danke, Matteo.“

Wenige Stunden später antwortete der Lega-Chef ebenfalls via Instagram: „Aus Gründen der Erziehung, des Charakters und des Respekts habe ich nie mein Privatleben in die Öffentlichkeit geworfen und ich werde auch jetzt nicht damit anfangen. Die Italiener interessiert das nicht“, schrieb er unter einem Foto, das ihn lächelnd mit ausgebreiteten Armen in einem Olivenhain zeigt. „Ich habe geliebt, ich habe vergeben. Sicherlich habe ich auch Fehler gemacht, aber ich habe bis zum Schluss daran geglaubt. Schade, dass jemand andere Prioritäten hatte. Noch ein schönes Leben.“ Für Salvinis Instagram-Konto, auf dem er gerne Essens-Fotos zeigt, hat dieser Schlagabtausch wohl reges Interesse gebracht. Mittlerweile hat der italienische Innenminister 1,1 Millionen Abonnenten.

Für Politiker wie für jeden anderen Prominenten ist der Bilderdienst Instagram, wenn sie dem Hang zur Selbstentblößung widerstehen, ein Geschenk zur Selbstpräsentation. Wo sonst können sie oder ihre Berater und ihr Team das Foto, den Bildschnitt und das Hergezeigte so kontrollieren wie auf dem Internet-Kanal. Das weiß auch ÖVP-Kanzler Sebastian Kurz. Sein Instagram-Konto zeigt ihn immer wieder im Gespräch mit den Mächtigen der Welt. Aber auch volksnahe Bilder beim Wandern, im Büro oder im Flugzeug, mit Hunden und Kindern finden sich dort. Schließlich wollen Politiker ebenso ihre menschliche Seite zeigen.

Darauf setzt auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen. Er postete im Dezember nicht nur ein Foto von sich und seiner Frau Doris Schmidauer mit den Schönbrunner Pandazwillingen „Fu Feng“ und „Fu Ban“, sondern auch eines mit Schneemann. Und der Vorarlberger Landeschef Markus Wallner zeigte sich einmal als „Faschingsnarr“.
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