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Ausgabe Nr. 1/2019 vom 01.01.2019, Foto: Universal Music
Mark Knopfler
„Ich bin ein verträumter älterer Herr, der Tee trinkt“
Er ist ein gemütlicher Mensch. Gern sitzt Mark Knopfler in seinen „British Grove Studios“ in London (England), wo der 69jährige ehemalige Gitarrist, Komponist und Frontmann der Gruppe „Dire Straits“ („Money For Nothing“) sein neues Album „Down The Road Wherever“ aufgenommen hat. Dort traf ihn der WOCHE-Reporter Steffen Rüth zum Gespräch. Als er Platz genommen hat, schließt Knopfler die Studiotür – per Knopfdruck, was ihm eine fast kindliche Freude bereitet.
Herr Knopfler, Sie haben hier zwei modernst ausgestattete Tonstudios. Was ist das Besondere an diesen beiden Räumen?
Machen wir uns nichts vor. So ein Studio zu betreiben, ist eine idiotische Idee, wenn du Geld verdienen willst. Ich verdiene jedenfalls keines damit. Mir geht es vielmehr darum, die bestmöglichen Aufnahmen machen zu können. Die Menschen, die hier arbeiten, sagen, sie spüren die Energie der Räume. Vielleicht, weil ich viel Geld für die Klimaanlage ausgegeben und dafür gesorgt habe, dass die Luft feucht ist. Auch die Instrumente wissen gute Luft zu schätzen.

Schreiben Sie Ihre Lieder auch hier?
Nein, nie. Das mache ich zu Hause in meinem Studienzimmer. Und auf Tournee. Wenn Sie mich im Hotel den Flur entlanggehen sehen, mit einem Hocker im Arm, dann deshalb, weil dort fast nie Sesseln im Zimmer sind, auf denen ich Gitarre spielen kann.

Haben Sie ständig neue Ideen in Ihrem Kopf?
Jederzeit lauern musikalische Ideen und Gedanken darauf, mir den Tag durcheinanderzubringen. Meistens auf angenehme Weise. Aber ich spüre nie Stress oder den Zwang, irgendetwas schreiben zu müssen. Entweder ich habe eine Idee, und wenn ich keine habe, ist es auch in Ordnung. Alles in allem ist es eine wunderbare Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen.

Ein traumhaftes Dasein …
Ja, ich bin ein glücklicher Bursche. Da gibt es keine Diskussion. Ich freue mich jeden Tag darauf, in meinem Studio aufzunehmen oder auch einfach bloß hier zu sitzen, den anderen Bands zuzuhören und ein Tässchen Tee zu trinken.

Eines der Lieder auf Ihrem neuen Album „Down The Road Wherever“ heißt „Slow Learner“. Handelt es von Ihnen?
Oh ja. Ich bin in allem schrecklich langsam. Und bedächtig. Ich sehe mir erst alles an, bevor ich es ausprobiere. Ich brauche zum Beispiel ewig, um herauszufinden, wie genau der Reißverschluss an einer neuen Jacke funktioniert. Ich bin einfach langsamer als die meisten anderen Menschen. Ich gehe auch ziemlich langsam. Viele Menschen überholen mich beim Gehen, das passiert ständig.

Das stört Sie aber nicht?
Nein, überhaupt nicht. Ich war immer schon der Letzte, und sei es in der Umkleidekabine beim Schulsport. Auch hier im Studio mache ich immer als Letzter das Licht aus, krame ewig in meiner Tasche herum, mühe mich in die Jacke und trotte zur Tür. Die anderen sind dann längst schon weg. Ich bin damals schon ein verträumter Bursche gewesen, und heute bin ich ein verträumter älterer Herr.

Ist das Verträumtsein eine Gabe, die Ihrer Musik zugutekommt?
Ich würde dem zustimmen. Ich glaube, selbst wenn ich es mir aussuchen könnte, wäre ich lieber langsam als schnell.

Die Welt um uns herum ist ohnedies schnell genug.
Gott, ja. Speziell in den großen Städten. Deshalb verlasse ich die Stadt gern, um herunterzukommen. Ich hasse die Ungeduld der Städter, und den Straßenverkehr finde ich furchtbar. Meistens bin ich auf zwei Rädern unterwegs und kann den Staus ein wenig ausweichen.

Vergessen Sie auf Ihrem Motorrad die Langsamkeit?
Oh nein, ich bin kein Hasardeur. Und seit ich vor zehn Jahren einen üblen Unfall mit meinem Motorrad hatte, bin ich noch vorsichtiger und zurückhaltender geworden. Ich würde behaupten, ich fahre meinem Alter angemessen.

Sie werden im kommenden Jahr 70. Denken Sie schon an Ihren Geburtstag?
Überhaupt nicht. Ich neige dazu, meine Geburtstage zu vergessen. Meine Frau wird mich vermutlich rechtzeitig erinnern und sieben Kerzen besorgen. Schauen wir einmal, ob ich sie alle ausblasen kann.
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