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Ausgabe Nr. 1/2019 vom 01.01.2019, Fotos: Getty Images
Der Darts Sport stieß zum Jahreswechsel in neue Sphären vor
„Unser“ Mensur Suljovic schaffte die 2. Runde nicht.
Rekordflug der kleinen Pfeile
Früher waren die besten Dartspieler trinkfreudige Wirtshaussportler im Hinterzimmer einer Bar. Doch die jüngste, am Neujahrstag zu Ende gegangene WM in London (GB) katapultierte die weltbesten Athleten mehr denn je unter die bestbezahlten, im Fernsehen meistgesehenen Sportler der Welt, deren frenetisches Publikum in Kostümen wilde Partys feiert.
Der Rad-Straßenweltmeister Alejandro Valverde kassierte kürzlich für seinen WM-Sieg 8.000 Euro, Marcel Hirscher für Slalom-WM-Gold in St. Moritz 45.000 Euro und der 100-Meter-Sprinter Justin Gatlin für seinen WM-Triumph vor zwei Jahren 70.000 Euro.

Das klingt nicht schlecht, ist aber trotzdem nur ein armseliges Taschengeld gegen den soeben (nach Redaktionsschluss) gekürten Darts-Weltmeister. Er durfte für seinen Titel satte 550.000 Euro einstreifen, während er beim eleganten Pfeilewerfen im Schnitt europaweit von 2,5 Millionen Menschen im Fernsehen verfolgt wurde. Seit Jahrzehnten schon arbeitet die Profi-Dartsorganisation PDC ehrgeizig daran, ihren Sport in neue Sphären zu katapultieren, beim Siegerpreisgeld ist ihnen das gelungen. Es wurde in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht. Nahmen bei der ersten Darts-WM 1994 nur 24 Spieler teil, so waren es heuer erstmals 96. Künftig wird überlegt, vom 3.000 Zusehern fassenden „Alexandra Palace“ in London (GB) in eine Großhalle mit 14.000 Plätzen zu wechseln, denn die teilweise sogar wild kostümierten Anhänger feiern während der WM ausgelassene feuchtfröhliche Partys.

Grund für all dies ist der derzeit blühende Darts Sport, die Zahlen der Aktiven steigen allerorts. In Deutschland wurden in den vergangenen zwei Jahren Zuwächse der aktiven Sportler um rund 15 Prozent verzeichnet, ähnlich wie in unserem Land. „Derzeit spielen bei uns 1.200 Spieler wöchentlich Steeldarts im Liga-Betrieb und wir verzeichneten zuletzt klare Anstiege, vor allem bei den Frauen“, weiß Friedrich Frühwald, Präsident des heimischen Dartsverbandes, der die Gründe dafür kennt. „All das hat hierzulande nicht zuletzt mit den Erfolgen von Mensur Suljovic zu tun.“ Der 46jährige Wiener steht bereits seit mehr als zwei Jahren unter den besten zehn Spielern der Welt, tut sich allerdings immer noch schwer, das alte Wirtshausimage abzuschütteln. „Was die Menschen nicht verstehen, ist, dass ich täglich bis zu sieben Stunden dafür trainieren muss“, gibt er zu bedenken. „Ich würde oft sogar lieber auf einer Baustelle arbeiten, als stundenlang nur stupide Pfeile auf eine Scheibe zu werfen.“

Das Grundprinzip des Spieles ist einfach, jeder Akteur muss pro Satz von 501 Punkten schneller als der Gegner auf Null kommen, je kleiner die getroffene Zielfläche, desto mehr Punkte bringt sie. Große Flächen zählen einfach, der angrenzende nur acht Millimeter breite innere Ring jedoch dreifach, was die Triple-20 mit insgesamt 60 Punkten zur Höchstpunktezahl pro Wurf macht. Die Scheibenmitte, das „Inner Bull“, bringt 50 Punkte.

Suljovic, oder wie er genannt wird „The Gentle“ (der Sanfte), darf sich für sein hartes Training aber auch über beachtliche Einkünfte freuen, vor rund einem Jahr streifte er für den Gewinn der „Champions League of Darts“ 110.000 Euro ein. Bei der WM musste die rot-weiß-rote Nummer sieben der Welt allerdings ebenso wie sein Landsmann Rowby-John Rodriguez in der zweiten Runde die Segel streichen.

Um in den männerdominierten Darts Sport künftig auch Frauen aufzunehmen, erhielten bei der aktuellen Weltmeisterschaft erstmals mit der Russin Anastassija Dobromyslowa und der Engländerin Lisa Ashton zwei Frauen Startplätze und lösten gleich eine äußerst emotionale Debatte aus. Für seinen Kommentar „Die Frauen können höchstens durch ihre Kleiderauswahl die Männer von der Siegesstraße abbringen“, wurde der Sport-1-Fachkommentator Gordon Shumway stark kritisiert und entlassen.

Obwohl beide Damen in der ersten Runde verloren, werden die beiden Quotenplätze im kommenden Jahr erneut vergeben, die heimische Meisterin Daniela Neumayer wird dafür aber kaum in Frage kommen. Sie scheint nicht einmal in der Weltrangliste auf.

Dennoch ist der Aufschwung auch in unserem Land spürbar, bisher gab es nur ein hoch dotiertes Profiturnier der PDC in Schwechat (NÖ), nun bewirkt der Boom, dass heuer erstmals ein zweites Turnier in Premstätten (Stmk.) nahe Graz stattfinden wird. Andererseits wiederum ist die steigende Popularität des Sportes gar nicht jedem recht. „Ich will zu hundert Prozent gar nicht Weltmeister werden“, gesteht etwa Mensur Suljovic. „Der Sport ist so groß geworden, da hast du dann gar keine Ruhe mehr. Ein mehrfacher Weltmeister wie Gary Anderson kann keinen Schritt mehr unerkannt machen. Wenn ich selbst Weltmeister würde, könnte ich wohl nur noch mit Perücke aus dem Haus gehen.“
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