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Ausgabe Nr. 1/2019 vom 01.01.2019, Foto: duty
Mit Hilfe künstlicher Welten rauchfrei werden
Ein Blick durch die Brille macht Sie zum Nichtraucher
Endlich mit dem Rauchen aufzuhören, ist ein „Dauerbrenner“ unter den Neujahrsvorsätzen. Das ist leichter gesagt als getan, denn die Lust auf eine (letzte) Zigarette ist nur schwer zu unterdrücken. Mit Hilfe moderner Unterhaltungselektronik soll der „innere Schweinehund“ nun endgültig zu besiegen sein.
Eineinhalb Jahre lang war ich rauchfrei. Dann war ich mit Freunden aus und ich dachte, ich habe es unter Kontrolle, wenn ich nur eine oder zwei Zigaretten rauche. Nun bin ich wieder Raucherin“, erzählt Daniela Greil und wirkt ein wenig resigniert, als sie in der Wiener Praxis von Dr. Marcus Täuber, einem promovierten Neurobiologen und Leiter des Instituts für mentale Erfolgsstrategien, sitzt. Die 38jährige Angestellte aus Wien hat den Wunsch, wieder rauchfrei zu leben. „Das Rauchen ist mir eigentlich lästig. Es ist teuer, es schadet der Gesundheit und ständig muss ich darauf achten, genug ‚Nachschub‘ zu haben. Ich fühle mich eingeschränkt“, versichert sie und beteuert, der Wille zum Verzicht sei da. Allein, dem Impuls zu widerstehen, wenn Freunde rauchen oder beim Nachhausekommen die „Entspannungszigarette“ anzuzünden, falle schwer.

Geschichten wie diese hört Dr. Täuber häufig, und lästigen Gewohnheiten wie dem Rauchen den Kampf anzusagen, sei in der Tat nicht einfach. „Um sie abzulegen, müssen wir wissen, was eine Gewohnheit ausmacht. Jede Gewohnheit besteht aus drei Elementen. Einem Reiz oder Auslöser, dem automatisierten Verhalten und der Belohnung. Um diesen Teufelskreislauf zu unterbrechen, hilft es nicht nur, mit dem Verstand zu wissen, dass zum Beispiel Rauchen für die Gesundheit schädlich ist. Der Betroffene muss auch emotional erreicht werden. Das wird bei vielen Entwöhnungsprogrammen vergessen. Die ‚Belohnung‘, also die Entspannung, die durch die Zigarette ausgelöst wird, muss durch ein anderes starkes emotionales ‚Bild‘ der Entspannung ersetzt werden. Das können wir mit Hilfe der virtuellen Realität erreichen“, erklärt der diplomierte Mentaltrainer.

Das „Eintrittstor“ in die virtuelle Realität (kurz VR) ist eine klobige Brille, die, einmal aufgesetzt, ihren Träger in der Sekunde in eine andere Welt versetzt. Diese moderne Technik ist aus der Unterhaltungsindustrie bekannt, lässt Spieler in (Fantasie-)Welten eintauchen, in denen sie Abenteuer bestehen und auf Entdeckungsreise gehen. Noch jung ist der therapeutische Einsatz von virtuellen Realitäten, etwa um Ängste zu bekämpfen oder sich Laster zu entledigen. „Wir haben für die Rauchentwöhnung Bilder von der Küste Norwegens entwickelt und diese virtuelle Realität ist mehr als ein Film. Sie gibt dem Träger der Brille das Gefühl, tatsächlich vor Ort zu sein, an der naturbelassenen Küste zu sitzen, auf das in der Sonne glitzernde Meer zu blicken, frei durchatmen zu können. Es ist eine durch und durch entspannende Atmosphäre, die einen starken emotionalen Eindruck hinterlässt“, erklärt Dr. Täuber, der mit Hilfe dieser modernen Technik (und anderen Bildern) das Abnehmen erleichtern oder Ängste nehmen will.

Echte Entspannung statt Zigarette

Das Bild in der virtuellen Realität hinterlasse, hier konkret beim Raucher, einen tiefen emotionalen Eindruck der Entspannung. „Ziel des VR-Trainings ist, dieses Bild so zu verinnerlichen, dass es jederzeit vom Betroffenen abgerufen werden und auf diese Weise die Lust nach Entspannung durch eine Zigarette ersetzen kann. In Zigaretten ist vieles enthalten, aber mit Sicherheit keine Substanz, die entspannt. Das abrufbare, neue innere Bild hingegen kann dem Körper tatsächlich helfen, zu entspannen, weil es den entsprechenden Teil unseres Nervensystems aktiviert. Um dieses Ziel zu erreichen, sind drei bis fünf Sitzungen, ein bis zwei Mal in der Woche notwendig. Pro Sitzung wird mehrmals mit der VR-Brille gearbeitet. Dazwischen werden in Gesprächen die Gründe des Rauchens erörtert, welche Hindernisse dem Ziel entgegenstehen und wie das Entspannungstraining mit dem inneren Bild individuell gestaltet werden kann, wann und wie lange es im Alltag, in ‚brenzligen‘ Situationen aufgerufen werden sollte“, erklärt der Mentaltrainer. Einhundert Euro kostet im Schnitt eine einstündige Sitzung bei einem ausgebildeten „Virtual Reality Coach“ (Coach = Trainer), zu denen neben psychologischen Beratern Ärzte, Psychologen und Therapeuten gehören (mehr Information dazu: www.vr-coach.at oder Tel.: 0676/4471188).

Daniela Greil probiert den Blick in die VR-Brille, taucht ein in die Welt des hohen Nordens. „Es fühlt sich tatsächlich an, als würde ich an der Küste sitzen“, sagt sie und lehnt sich zurück. Aus kleinen Kopfhörern in der Brille dringt eine leise Stimme, die den „Ausflug“ in den norwegische Fjord mit Entspannungssätzen begleitet.

Der Anfang des neuen Anti-Rauch-Trainings ist gemacht. „Am Ende sollte es gelingen, jeden Impuls nach einer Zigarette mit diesem inneren Bild des Loslassens zu dämmen. Es wird genügen, kurz die Augen zu schließen, das innere Bild aufzurufen und das Gefühl der Freiheit, Entspannung und inneren Stärke zu fühlen. Die Zigarette wird dann nicht mehr notwendig sein.“
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