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Ausgabe Nr. 1/2019 vom 01.01.2019, Foto: picturedesk.com
Nach einem Unfall muss mit gekreuzten Stöcken und Schiern abgesichert werden.
Auf der Schipiste gelten Regeln, aber ohne Promille-grenze & Tempolimit
Jeder Dritte in unserem Land steht zumindest gelegentlich auf Schiern, jedes Jahr kommen Millionen Urlauber zum Schifahren auf unsere Pisten. Doch Jahr für Jahr landen mehr als 50.000 Schifahrer und Snowboarder in den Spitälern. Nicht immer sind alle Kosten nach einem Unfall gedeckt.
Es sind vor allem Selbstüberschätzung und zu hohes Tempo, die zu den meisten Stürzen führen. Denn 94 von 100 Unfällen passieren ohne das Zutun anderer. Jeder fünfte Wintersportler erreicht bei der Abfahrt zumindest kurz Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 80 Stundenkilometern, das zeigen Analysen. Ein Aufprall mit diesem Tempo auf einen Baum entspricht dem Sturz aus dem siebenten Stock eines Hochhauses.

Gibt es auf der Piste ein Tempolimit?
„Nein“, sagt Robert Kunz, Alpinpolizei-Ausbildungsleiter im Innenministerium. „Tempolimits auf den Pisten gibt es nicht. Beschränkungen ergeben sich aus Punkt 2 der FIS-
Regeln ,Beherrschung der Geschwindigkeit und der Fahrweise‘, wonach jeder Schifahrer und Snowboarder auf Sicht fahren muss. Er muss seine Geschwindigkeit und seine Fahrweise seinem Können und den Gelände-, Schnee- und Witterungsverhältnissen sowie der Verkehrsdichte anpassen.“ Im Schweizer Schigebiet Grindelwald sorgt jedoch eine „Tempo 30 Piste“ für entspanntes Schifahren.

Patrouilliert auf unseren Hängen eine Pistenpolizei?
Die Alpinpolizei ist keine Pistenpolizei. Sie ist für Erste Hilfe, die Unfallerhebung sowie Fahndungen im alpinen Gelände verantwortlich. Bei Schiunfällen auf der Piste „nur dann, wenn es einen Verdacht auf Fremdverschulden gibt oder wenn jemand zu Tode kommt“, erklärt Robert Kunz. „Bei Fahrerflucht gibt es polizeiliche Erhebungen wie bei allen anderen Delikten auch, das kann sich aber manchmal schwierig gestalten. Insgesamt steigt die Zahl der Schiunfälle leicht.“ In Italien hingegen achten Uniformierte auf Schiern und mit Motorschlitten auf die Einhaltung der Gesetze. Sie können Raser auch schon einmal mit Blaulicht und Sirene stoppen.

Was sind Pistenwächter?
Sie sind in Vorarlberg unterwegs. Die Pistenwächter werden von der Bezirkshauptmannschaft bestellt und kontrollieren ehrenamtlich die Einhaltung der FIS-Regeln. Allein im Bezirk Bludenz gibt es 40 davon. Versehen mit Dienstabzeichen und Ausweis können sie die Liftkarte von Schi-Rowdys einziehen und auch auf der Stelle Geldbußen verhängen. Wiederholungstäter werden aber meist bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft (BH) angezeigt. „Wir haben pro Jahr rund zehn Anzeigen“, sagt Arnold Brunner, der Leiter der Polizeiabteilung der BH Bludenz. Laut Gesetz sind Strafen bis zu 2.000 Euro möglich, in der Regel „sind es aber rund 100 Euro“.

Gilt auf der Piste eine Promillegrenze?
Die „Hüttengaudi“ ohne Jagatee ist für manchen Schifahrer undenkbar. Eine Promillegrenze gibt es auf den Pisten nicht. „Erhebungen und Untersuchungen hinsichtlich einer Alkoholisierung werden nur dann vorgenommen, wenn es bei einem Zusammenstoß auf der Piste einen entsprechenden Verdacht gibt“, bestätigt der Alpinpolizist Robert Kunz.

Allerdings warnte schon im Vorjahr Peter Niedermoser, der Präsident der oberösterreichischen Ärztekammer: „Bei Schiunfällen unter Alkoholeinfluss kann es strafrechtliche Konsequenzen geben. Aber auch private Versicherungen oder die Sozialversicherung können aus gewissen Leistungen aussteigen.“

Was ist bei einem Unfall auf der Piste zu beachten?
„Erste Hilfe leisten und den Unfallort mit gekreuzten Schiern oder Stöcken zehn bis 15 Meter von der Stelle entfernt absichern. Ist der Unfall unter einer Kuppe passiert, oberhalb davon“, rät Manuel Weißensteiner von den Johannitern. Die Hilfsorganisation stellt in der Wintersaison auf der Turracher Höhe (Kärnten) den Pistenrettungsdienst. „Am besten ist es zudem, wenn jemand zur nächsten Liftstation fährt und dort den Unfall bekannt gibt.“ Das geht meist schneller als über die Einsatzzentrale.

Die meisten Schifahrer auf der Turracher Höhe tragen einen Helm, viele auch Rückenprotektoren oder Snowboard-Handschuhe. Einen Verunfallten, der stark alkoholisiert war, musste Manuel Weißensteiner noch nie „verarzten“. Was die Zahl der Fahrerflüchtigen betrifft, so hat er das Gefühl, es „ist ärger als auf der Straße“. Dabei müsste jeder, der am Unfall beteiligt ist oder ihn gesehen hat, seinen Ausweis herzeigen.

Gilt in allen Bundesländern die Helmpflicht für Kinder?
„In Salzburg, Oberösterreich, in der Steiermark, in Niederösterreich, Kärnten, im Burgenland und in Wien gilt für Kinder bis 14 Jahre beim Schifahren und Snowboarden auf Schipisten die Helmpflicht“, wissen die Experten vom Kuratorium für Verkehrssicherheit. „In Tirol und Vorarlberg gibt es derzeit keine gesetzliche Regelung.“ Strafen für Eltern, deren Kinder ohne Helm fahren, existieren nicht. „Das Nicht-Tragen kann aber zu einer Reduktion der Versicherungsleistung führen.“

Wann muss ich den Hubschrauber-Transport selbst zahlen?
Bei „Sport und Touristik“ am Berg müssen Patienten zuzahlen. Das betrifft neben Schifahrern auch Mountainbiker und Wanderer. „95 Prozent dieser Patienten verfügen jedoch über eine Privatversicherung, den übrigen fünf Prozent wird ein Abschluss nahegelegt“, hieß es heuer in einem Papier von Flugrettern und Sozialversicherung. Anders ist es bei Schulschikursen. Die Kinder sind beim Schifahren mit der Klasse von der gesetzlichen Unfallversicherung geschützt. Sie zahlen in keinem Fall selbst.
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