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Ausgabe Nr. 5152/2018 vom 18.12.2018, Foto: Katharina Schiffl
Elina Garanča wurde am 16. September 1976 in der lettischen Hauptstadt Riga geboren. Ihre Mutter war Sängerin und Gesangslehrerin am Konservatorium, sie starb vor drei Jahren. Der Vater lebt in Lettland, auch er ist Musiker. Ebenso wie ihr Mann, der Dirigent Karel Mark Chichon, 47. Mit ihm gestaltet sie am 3. Juli im Stift Göttweig (NÖ) das Konzert „Klassik unter Sternen“ und am 6. Juli „Klassik in den Alpen“ in Kitzbühel (T). Karten für diese musikalischen Schmankerln gibt es unter Tel.: 01/96096 oder www.oeticket.com.
„An den Feiertagen achte ich nicht auf Kalorien“
Sie gehört zu den größten Stimmen, die es derzeit in den Opernhäusern der Welt gibt. Am Sonntag, dem 23. Dezember, kommt die 42jährige Mezzosopranistin Elina Garanca in unsere Wohnzimmer. Sie ist eine der prominenten Gäste in der ORF-Sendung „Zauberhafte Weihnacht“ (ab 20.15 Uhr, ORF 2). Eine zweifache Mutter, die an den Weihnachtsfeiertagen Zwänge über Bord wirft und sich auch um den künstlerischen Nachwuchs kümmert.
Frau Garanca, Sie unterstützen gemeinsam mit Ihrem Mann Karel Mark Chichon junge Künstler auf dem beschwerlichen Weg nach oben. Woran erkennt jemand, ob er eine neue Elina Garanca oder ein Enrico Caruso ist?
Na ja, ich hoffe, dass wir keine Kopie finden, sondern eine neue Stimme. Wir wollen dabei eine umfassende Unterstützung anbieten, denn es reicht nicht, einen Wettbewerb zu gewinnen, um Karriere machen zu können. Wir wollen sechs bis zehn jungen Künstlern, die sich in zwei Ausscheidungsrunden bewähren müssen, zur Seite stehen. Und auch Ratschläge erteilen, die nicht in erster Linie mit dem Erarbeiten eines Liedes zu tun haben. Zum Beispiel, was mache ich, wenn die Stimme versagt.

Was kann zum Versagen der Stimme führen?
Es hängt davon ab, was der Auslöser für die Stimmkrise ist. Ob psychische Ursachen zugrunde liegen oder körperliche. Nervenzusammenbrüche oder Eheprobleme können ebenso zu einer Stimmkrise führen wie ein falsches Repertoire, das die Stimme überfordert.

Haben Sie einen Spezialtee, wenn Ihre Stimme einmal nicht in Form ist?
Nein, ich habe kein Wundermittel, um meine Stimme in Form zu bringen. Schonung hilft. Ich kenne Künstler, die trinken eiskaltes Wasser. Wenn ich das mache, kriege ich auch noch Halsschmerzen.

Schadet das Rauchen einer Stimme? Ihre Mutter hat Ihnen ja, als Sie im Teenageralter waren, vorausgesagt, keine große Künstlerin werden zu können, weil Sie damals geraucht haben …
Ach, ich kenne genug Künstler, die rauchen. Ob es schadet, hängt von der Beschaffenheit der Schleimhaut ab. Auch wie gut die Stimme ist, hängt davon ab. Ich habe eine dünne Schleimhaut, deshalb muss ich vorsichtiger sein. Durchs Rauchen trocknet die Schleimhaut ein, das schadet natürlich der Stimme. Ich habe das Rauchen probiert und muss es heute nicht mehr haben. Ich habe meine Zigarettenperiode ausgelebt. Lieber trinke ich ein Gläschen Wein.

Ihre Welt der Oper bleibt vielen Menschen verschlossen. Deshalb treten Sie immer wieder dafür ein, bereits Kindern die wunderbaren Seiten der klassischen Musik zugänglich zu machen. Dies sollte so normal sein wie ein Besuch im Disneyland. Wie könnten die Kinder davon profitieren?
Der Zugang zu dieser Art von Musik sollte gefördert werden, zum Wohle der Kinder. In Korea oder in China spielen unglaublich viele Kinder Klavier. Die Nerven, die wir in den Fingerspitzen haben, sind mit dem Gehirn verbunden. Durch jeden Anschlag werden Neuronen aktiviert. Das Gehirn ist reger und sensibilisiert, weil die Fingeranschläge ja ein Mal weicher und dann wieder härter erfolgen. Je nachdem, ob leiser oder lauter gespielt werden soll. Zudem sind es die Eltern den Kindern schuldig, ihnen weitreichende Förderungen zukommen zu lassen. Nicht zu unterschätzen ist der psychologische und emotionale Faktor der klassischen Musik.

Die Musik fördert die Entwicklung …
Natürlich und die Neugier. Wir wollen doch, dass unsere Kinder neugierig sind, etwas entdecken wollen. Wir Eltern müssen die Möglichkeiten bieten.

Welche Möglichkeiten bieten Sie Ihren beiden Töchtern an?
Meine ältere Tochter Cathy ist sieben Jahre alt und begleitet mich gern zu den Konzerten. Ich habe vor einiger Zeit ein Konzert auf der Kanarischen Insel Gran Canaria gegeben und italienische Lieder gesungen. Sie war begeistert. Sie lernt jetzt Klavier spielen und geht mit ihrer Schwester Cristina, 4, in den Ballettunterricht. Beide bieten daheim immer wieder eine Show. Sie singen und tanzen und mein Mann und ich müssen applaudieren.

Sind Sie davon überzeugt, dass sich harte Arbeit stets lohnt? Sie haben als Mädchen mit den Händen die für Ihre Familie äußerst wertvollen Zuckerrüben aus der Erde Ihrer Heimat Lettland geholt und verkauft und als Sängerin ebenso geschuftet …
Ich glaube, harte Arbeit lehrt die Menschen, die Früchte zu genießen.

Sie haben eine Biografie geschrieben mit dem Titel „Wirklich wichtig sind die Schuhe“. Wie wichtig sind Sie ihnen tatsächlich?
Manchmal sind sie eher für die Show und nicht zum Gehen. (Elina Garanca zeigt ihre bis über die Knie gehenden schwarzen Stiefel mit hohen Absätzen). Gewöhnlich bevorzuge ich aber bequeme Schuhe. – Ende Februar erscheint die Erweiterung meiner Biografie. Sie reicht dann bis zur Jetztzeit. Ich habe gerade wieder ein paar Zeilen geschrieben.

In Ihrem bisherigen Werk führen Sie an, dass es in Ihrer Heimat Lettland Tradition sei, zu Weihnachten ein neungängiges Menü auf den Tisch zu bringen. Dafür seien zwei Tage Arbeit nötig. Wie halten Sie es?
Ich liebe es, zu Weihnachten für die Familie zu kochen und tische ordentlich auf. Dass es mehrere Tage dauert, liegt unter anderem daran, dass zum Beispiel Sauerkraut gerieben und dann eingelegt wird, ehe es noch in den Kochtopf kommt. Wenn ich einen Schweinsbraten mache, wird das Fleisch mariniert, dann über Nacht in den Kühlschrank gestellt. Gemeinsam mit meinen Töchtern backe ich am Tag vorher auch herrlichen Pfefferkuchen. Ich genieße Weihnachten, ich habe frei und achte nicht auf die Kalorien. Die Waage steht in der Ecke (lacht).
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