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Ausgabe Nr. 5152/2018 vom 18.12.2018, Foto: Thomas & Thomas
Heide Keller, 77, war 80 Folgen lang die gute Seele des „Traumschiffes“
Traumrolle zur richtigen (Traum-) Zeit
Als Chefstewardess Beatrice war Heide Keller 36 Jahre lang Gast in den Wohnzimmern der Fernsehzuschauer. Ihr Ausstieg vor einem Jahr aus der „Traumschiff“-Reihe kam überraschend. Im Buch „Traumzeit und andere Tage“ erzählt die Schauspielerin und Drehbuchautorin nun erstmals aus ihrem Leben und gewährt dabei Blicke hinter die Kulissen des „Traumschiffes“.
Als Kind wollte ich Blumenbinderin werden, das Wort Floristin war damals nicht gebräuchlich“, erinnert sich Heide Keller an ihre Kindheit in Düren im katholischen Rheinland (D) zurück. Dort wuchs sie mit ihren jüngeren Geschwistern Peter und Tulla auf. Mit den Worten, „da hast du immer dreckige Fingernägel und ungepflegte Hände“ habe ihre Oma sie allerdings davon abgehalten.

Deshalb entschied sich die junge Heide, ihren „Berufstraum“, wie sie ihn nennt, zu verwirklichen. Sie wollte zum Theater. In Düsseldorf (D), wo sie am 15. Oktober 1941 das Licht der Welt erblickt hatte, nahm sie Schauspielunterricht. „Schneller als erhofft“, schildert Keller in ihrem neuen Buch „Traumzeit und andere Tage“, „landete ich, ohne Abschlussprüfung, weil eine Kollegin erkrankt war, mitten in einer Aufführung.“

Dabei erfuhr sie in ihrer Anfangszeit am Theater durchaus auch Ablehnung. „Heute würden wir es Mobbing nennen. Ich habe daraus gelernt, Kollegen niemals so zu behandeln“, meint Keller. Die Abschlussprüfung absolvierte sie, wie viele ihrer Kolleginnen, mit der Rolle der Julia aus „Romeo und Julia“.

Ihr Romeo auf der Bühne und im wirklichen Leben war ihr Schauspieler-Kollege Thomas Härtner (er starb 2011 an einem Lungenleiden). „Thomas und ich gehörten zusammen. Ich glaubte damals, für immer“, schildert Heide Keller. „Leider ist uns das nicht ganz gelungen. Wir waren sieben Jahre ein Paar, heirateten, ließen uns scheiden, blieben aber Freunde“, erinnert sich die 77jährige, die allein in Bonn-Bad Godesberg (D) lebt, an „bühnenreife Auseinandersetzungen“ mit ihrem ersten Ehemann.

Im September 1980 heiratete Heide Keller, sie war damals 41, ein zweites Mal. An den Tag vor der standesamtlichen Trauung mit dem Schauspieler Hans von Borsody (er starb 2013) erinnert sie sich noch gut: „Ich saß heulend in der Garderobe und wollte schon alles absagen.“ Ihre Freundin Christine meinte, ein Fest könne nicht abgesagt werden. Also wurde geheiratet. Nach sechs Jahren wurde auch diese Ehe geschieden. „Ich glaube, dass ich in meinem Leben viel an der Liebe gelitten habe“, sagte sie in einem Gespräch. Und, dass beide Ehen kinderlos geblieben sind, sei keine bewusste Entscheidung gewesen. „Es hat sich nicht ergeben. Manchmal dachte ich mir beim Anblick eines jungen Kollegen oder einer jungen Kollegin schon, es wäre schön, wenn das jetzt mein Sohn oder meine Tochter wäre.“

Ihre liebevolle, fürsorgliche Ader sollte Keller als Chef-
stewardess Beatrice von Ledebur ausleben. Für die Rolle ihres Lebens wurde sie vom „Traumschiff“-Erfinder Wolfgang Rademann an der Berliner Komödie entdeckt.
Er hieß sie willkommen an Bord der Serie, zu der Keller
später auch Drehbücher beisteuerte. Unter dem Titel „Rademann – ein Herz auf zwei Beinen“ widmet die Dar-
stellerin dem Erfolgsproduzenten ein eigenes Kapitel in ihrem Buch. „Unsere erste Begegnung, bei der er mir von seiner Idee mit den Kreuzfahrtschiff-Geschichten erzählte, war der Beginn unserer langen Freundschaft“, erinnert sich Heide Keller. „Wolfgangs größte Freude war, anderen Freude zu schenken. Überglücklich über die Rolle der Chefstewardess Beatrice, ließ ich die Welt an meinem Glück teilhaben und vertelefonierte binnen weniger Stunden meine noch nicht verdiente Gage.“

Die Erfolgsgeschichte des „Traumschiffes“, für Heide Keller die „Traumzeit“ ihres Lebens, begann im November 1981. Auf den Bahamas ging es los. Die Schauspielerin erinnert sich noch gut an ihre erste Spielszene. „Ein langes Gespräch mit einer Passagierin, gespielt von der wunderbaren Bruni Löbel, die mir ihre Krankheitsgeschichte erzählte. In einem Palmenwald bei Sonnenuntergang. Der Sonneruntergang wurde tagelang immer wieder mit der Uhr gestoppt. Unser Gespräch auch. Denn das letzte Wort musste genau dann gesagt werden, wenn die Sonne im Meer versank. Es ging alles gut, die Sonne spielte uns keinen Streich.“

Niemals vergessen kann die 77jährige das erste Auslaufen des Schiffes. „Hunderte Boote begleiteten uns bis zum offenen Meer, Feuerwerke wurden abgebrannt, aus den umliegenden Häusern Musik und Lichtzeichen. Es fühlte sich an, als ob uns ein ganzes Land gute Fahrt wünschen würde. Mit an Bord waren in der ersten Folge Sascha Hehn als Steward Victor und Günter König als erster Traumschiff-Kapitän Braske.“

Auf ihn folgte Heinz Weiss, für Heide Keller „der liebste aller vier Kapitäne, die ich erlebte. Nicht nur, weil wir Freunde waren. Heinz trug die Kapitänsmütze am besten. Und ein wunderbarer Tänzer war er auch. Bei seinem Abschied hat es mich so geschüttelt, dass ich gar nicht aufhören konnte zu weinen.“

Nach Weiss übernahm ab dem Jahr 1999 Siegfried Rauch das Kommando. Auf ihn folgte 2013 Sascha Hehn als Kapitän. Er schippert allerdings zum letzten Mal am 1. Jänner 2019 zur Kirschblüte nach Japan und hängt die „Traumschiff“-Uniform an den Nagel. „Die Serie hat ihren Charme verloren“, erklärt der 64jährige seinen Beweggrund, das Schiff zu verlassen.

Damit macht es der Schauspieler so wie seine Kollegin Heide Keller vor einem Jahr. Auch die Chefstewardess Beatrice packte freiwillig ihre Koffer und sagte nach 80 Folgen „Adieu“. Womit das „Traumschiff“ schon am Neujahrstag 2018 ein Stück seiner Seele verlor. Denn die gutmütige, geduldige Beatrice war zugleich Trösterin, Kupplerin, Ratgeberin, Streitschlichterin und Ersatz-Mama.

Einen großen Wunsch hatte Heide Keller immer. Sie wollte gemeinsam mit Siegfried Rauch (er starb heuer) und Wolfgang Rademann (er starb 2016) von Bord gehen. „Ich hatte dazu auch schon eine Geschichte erfunden. In einer Alters-Wohngemeinschaft hätten wir noch jahrelang unser Unwesen treiben können. Es sollte nicht sein. Und ohne Wolfgang wollte ich mir das ,Traumschiff‘ nicht vorstellen und gehen, solange ich noch auf Stöckelschuhen die Gangway runterkam.“
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