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Ausgabe Nr. 5152/2018 vom 18.12.2018, Foto: All mauritius
Alkohol löst Heißhunger aus
Warum wir einen „Kater“ bekommen
Ein Gläschen Sekt zum Anstoßen, ein guter Wein zum Abendessen oder ein Cocktail in geselliger Runde. Zu Silvester ist es nicht schwer, mit einem Schwips ins neue Jahr zu „rutschen“. Alkohol wirkt aber nicht nur berauschend. Er lässt Hemmungen fallen, löst Heißhunger aus und macht einen Brummschädel. Warum das so ist, haben Forscher herausgefunden.
„Beschwipst“ fällt das Kennenlernen leichter
Andere Menschen zum Zwecke des Kennenlernens anzusprechen, fällt nicht immer leicht. Schüchternheit oder die Angst, einen „Korb“ zu bekommen, hemmen die Kontaktaufnahme. Nach einem oder zwei Gläschen Alkohol fällt es aber plötzlich leichter. Warum das so ist, erklärt George Koob, Leiter des Nationalen Instituts für Alkoholmissbrauch und Alkoholismus (NIAAA) in den USA. „Der präfrontale Cortex, also jener Teil des Gehirns, der direkt hinter der Stirn sitzt, steuert unsere Entscheidungen und kontrolliert den stammesgeschichtlich ältesten Teil des Gehirns, der Instinkte, Temperament und Stress-
reaktion steuert. Alkohol kann die Funktionsfähigkeit dieses präfrontalen Cortex und die Nervenbahnen zum Hirnstamm beeinträchtigen. Ist der ‚Wächter‘ über unser Verhalten nun beeinträchtigt, fallen die Hemmungen. Das Ansprechen fremder Menschen fällt nun leicht.“

Weshalb Alkohol Heißhunger auslöst
Viele kennen das. Sie trinken auf einer Feier etwas zu viel Alkohol und es dauert nicht lange, bis sie Heißhunger verspüren. Die Wissenschaftler des Francis Crick Institutes in London (England) stellten bei einer Untersuchung fest, dass der Konsum von Alkohol spezifische Gehirnzellen oder Neuronen stimuliert, die normalerweise den Drang auslösen, Nahrung zu sich zu nehmen. „Genau diese Neuronen können sowohl durch Alkohol als auch durch Hunger aktiviert werden“, erläutert ein Wissenschaftler. Ein durch Alkohol bedingter Heißhunger hat nichts mit einem Mangel an Selbstbeherrschung zu tun.

Fuselöle sind schuld am „Kater“
Kopfschmerzen, Herzklopfen, Übelkeit und ein großes Durstgefühl. Für den „Kater“ am nächsten Tag gibt es zwei Ursachen. Zum einen, Alkohol entzieht dem Körper Wasser. Er blockiert ein Hormon, das unseren Flüssigkeitshaushalt reguliert. Die Folge, die Nieren scheiden mehr Wasser aus, wir müssen öfter auf die Toilette. Daher spüren wir nach einer durchzechten Nacht ein starkes Durstgefühl. Der Verlust vieler Mineralstoffe durch den verstärkten Harndrang löst Kopf- und Nackenschmerzen aus. Zum anderen enthalten alkoholische Getränke neben Ethanol (= Trinkalkohol) höhere Alkohole, Fuselöle und andere Substanzen. Weil die Leber zuerst Ethanol abbaut, bleiben die höheren Alkohole, die noch giftiger sind als Trinkalkohol, und andere Stoffe länger im Körper und entfalten ihre schädigende Wirkung. Aber, nicht alle Alkoholika haben denselben Anteil an Fuselalkoholen (etwa Methanol). Billige Weine, Schnaps, Brandy, Rotwein, Rum, Cognac oder Whisky enthalten mehr davon und verursachen daher einen größeren „Kater“ als Weißwein, Gin oder Wodka. Tritt das große „Miauen“ am Tag danach ein, wird mit Wasser, Rind- und Haferschleimsuppe oder Tee mit Honig sowie Obst und Gemüse der Flüssigkeits-, Vitamin- und Mineralstoffverlust ausgeglichen.

Essen bremst den Alkohol
Wie schnell Alkohol ins Blut übergeht, hängt von verschiedenen Faktoren ab. „Aus warmen, kohlensäurehaltigen oder süßen Getränken wird Alkohol schnell im Blut aufgenommen. Auf leeren Magen getrunken, gelangt er bereits nach 15 bis 30 Minuten ins Blut. Aber nach einem reichhaltigen Essen, gleich, ob fettig oder nicht, verlängert sich dieser Prozess bis zu einer Stunde, weil sich der Alkohol mit dem Essen im Magen vermengt“, erklärt Mario Leiter, Verkehrsrechtsreferent des Kuratoriums für Verkehrssicherheit. Wird Alkohol über eine längere Zeit verteilt oder zu einer Mahlzeit getrunken, steigt die Blutalkoholkonzentration langsamer an. Der Körper kann während dieser Zeit einen Teil des Alkohols wieder abbauen, pro Stunde durchschnittlich 0,1 bis 0,15 Promille. Im Übrigen, mit Rumkugeln, Weinbrandbohnen und Kirschlikörpralinen rauschig zu werden, ist ziemlich schwierig. Ihr Alkoholanteil ist so gering, dass vierzig Stück in kürzester Zeit gegessen werden müssten.

Alkohol als Fremdsprachen-Assistent
Um im Urlaub in der Landessprache zu sprechen, lernt so mancher brav Vokabel. Doch der eigene Akzent bleibt hörbar. Fritz Renner von der Universität Maastricht (Niederlande) behauptet nach einer kleinen Studie mit Deutschen, die Niederländisch gelernt hatten, ein Gläschen helfe bei der richtigen Aussprache. Beurteilt hatten dies Niederländer. Sie meinten, die Aussprache von leicht alkoholisierten Teilnehmern sei besser gewesen als jene der nüchternen Probanden. Sprachwissenschaftler haben dennoch ihre Zweifel …
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