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Ausgabe Nr. 50/2018 vom 11.12.2018, Foto: Shutterstock
Zeit zum Sternderl schauen
Der Komet kommt
Das gab‘s schon lange nicht mehr. Mit gleich zwei kosmischen Überraschungen wartet heuer der Adventhimmel für Sterngucker auf. So kommt uns der helle „Wirtanen“-Komet auf 30-fache Mondentfernung nahe und gleichzeitig dürfen wir auch den schönen „Geminiden“-Sternschnuppenschauer bestaunen.
Früher löste das Auftauchen eines Kometen Angst und Schrecken bei den Menschen aus. Wegen ihrer scheinbar unberechenbaren Bahnen galten die Himmelskörper als Vorboten irdischen Übels.

Erst Anfang des 18. Jahrhunderts konnte der englische Astronom Edmond Halley diesen Aberglauben entzaubern und nachweisen, dass Kometen keineswegs die himmlische Ordnung stören, sondern sich auf lang gestreckten Ellipsen um die Sonne bewegen.

„Einfach gesagt, ist ein Komet ein Klumpen aus Staub, Eis und lockerem Gestein, der mit unserem Sonnensys-
tem vor etwa viereinhalb Milliarden Jahren entstanden ist“, erklärt DI Alexander Pikhard von der Wiener Arbeitsgemeinschaft für Astronomie (www.waa.at).

Mehrere Dutzend Mal pro Jahr dringen solche „außerirdischen Geschosse“ von meist einigen Kilometern Durchmesser ins innere Sonnensystem ein. Aber nur selten erstrahlt ein solcher Himmelskörper für uns Menschen auch hell genug. Doch zur großen Freude der Sterngucker gibt‘s diesen Dezember eine Ausnahme. Kann doch nächtelang ein Komet mit bloßem Auge betrachtet werden. „Wirtanen“ heißt er, benannt im Jahr 1948 nach seinem Entdecker, dem Astronomen Carl Alvar Wirtanen. „Mittlerweile hat die Schwerkraft des Riesenplaneten Jupiter seine Bahn so stark verändert, dass er für einen Umlauf um die Sonne nur noch 5,4 Jahre benötigt. Eine der kürzesten Umlaufperioden aller bekannten Kometen“, berichtet der Astronom.

Das Perihel, also die größte Sonnennähe, wird am 13. Dezember erreicht. „Dann verdampfen besonders viele gefrorene Gasanteile und es entsteht der typische Schweif, der immer kürzer und schwächer wird, je weiter
sich der Komet von der Sonne entfernt“, sagt Pikhard.

Bei klarem Himmel lohnt sich die Nacht vom 13. auf den 14. Dezember auch ganz besonders zum Sternderl schauen, denn als Draufgabe erreicht uns noch der besonders schöne „Geminiden“-Sternschnuppenschauer.

Nur drei Tage später, am 16. Dezember, befindet sich der „Wirtanen“-Komet sogar am erdnächsten Punkt seit seiner Entdeckung. Zu diesem Zeitpunkt strahlt er besonders hell, „da er nur noch 11,7 Millionen Kilometer von uns entfernt ist“. Ein Abstand, der ungefähr der 30-fachen Mondentfernung entspricht.

„Astronomiebegeisterte finden den Kometen dann knapp unter dem Sternhaufen der Plejaden im Stier“, erklärt der Fachmann. Mit bloßem Auge erscheint „Wirtanen“ allerdings ein wenig unspektakulär. Unerfahrene Sterngucker müssen sich also schon etwas Mühe geben, um diesen „Weihnachtskometen“, der sich allabendlich ein bis zwei Finger breit am Himmel weiterbewegt, ausfindig zu machen. „Ich empfehle auf jeden Fall ein lichtstarkes Fernglas, sonst gleicht sein Anblick nur einem kugelrunden diffusen Fleck zwischen helleren Sternen“, warnt der Experte. Durch ein professionelles Teleskop betrachtet erscheint „Wirtanen“ hingegen richtig zauberhaft.

Auf der Sophienalpe im 14. Wiener Gemeindebezirk bietet die Arbeitsgemeinschaft für Astronomie jeweils am Freitag-, Samstag- und Sonntagabend (14., 15. und 16.12., ab 19 Uhr) die Möglichkeit zur Beobachtung unter fachkundiger Anleitung. „Oder Sie fragen ganz einfach in einer Sternwarte in Ihrer Nähe nach“, rät DI Alexander Pikhard. hwie
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