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Ausgabe Nr. 50/2018 vom 11.12.2018, Fotos: picturedesk.com, privat
Hilli Reschl mit Alfred Böhm im „Seniorenclub“.
Hilli Reschl mit Sohn Johannes und Schwiegertochter Ulli.
Hilli Reschl, das Fräulein Anni aus dem „Seniorenclub“, ist überraschend gestorben
Am Freitag war noch alles gut. Meine Frau Ulli und ich waren mit meiner Mutter in ihrem Lieblingslokal am Vorgartenmarkt in Wien-Leopoldstadt zum Mittagessen verabredet“, erzählt Johannes Hoflehner, 55. Der Regisseur und Dramatiker ist das einzige Kind von Hilli Reschl und Johannes Hoflehner († 2009). „In bester Laune verkündete uns meine Mutter, dass es ihr besser gehe und sie auf ihren Rollator verzichten wolle.“
Rein gar nichts deutete darauf hin, dass es die letzten Stunden sein würden, die der beliebten Schauspielerin Hilli Reschl mit Sohn Johannes und Schwiegertochter Ulli verbleiben würden. Nur zwei Tage später, am Sonntag, dem 2. Dezember, starb die 92jährige Künstlerin im Wiener Spital SMZ Ost. „Es war eine schwere, akute Erkrankung, verbunden mit einer Notoperation. Die Ärzte sagten uns, dass keine Rettung mehr möglich war“, sagt Johannes Hoflehner. Und mit leiser Stimme fügt er hinzu. „Ich bin überwältigt und emotional bewegt von der großen Anteilnahme. In all unserer Trauer sind wir dankbar dafür, auf das erfüllte Leben einer großartigen Frau, Mutter und Künstlerin zurückblicken zu dürfen.“

Hilli Reschl wurde am 13. April 1926 in Wien geboren. In ärmlichen Verhältnissen, aber als wohl behütetes Kind, wuchs sie mit ihrer älteren Schwester und ihrem jüngeren Bruder im Arbeiterbezirk Ottakring auf. „Meine Mutter erzählte mir“, sagt Johannes Hoflehner, „dass sie sich vom Christkind nichts sehnlicher als Eislaufschuhe wünschte. Drei Weihnachtsfeste musste sie sich gedulden, bis die Eislaufschuhe unter dem Christbaum lagen. Vor lauter Freude nahm sie diese zum Schlafen mit ins Bett.“

Neben dem Eislaufen und Eistanzen begeisterte sich Hilli Reschl in ihrer Jugend für das Ballett und den Stepptanz. „Im Kino habe ich mich bei den Filmen mit Marika Rökk in die erste Reihe gesetzt, wo ich gar nicht die Köpfe, sondern nur die Beine gesehen habe, um die Tanzschritte zu studieren“, erzählte sie in einem Gespräch.

Damals zeichnete sich schon ab, dass das Theater auch ihr Leben als Erwachsene bestimmen sollte. Nach ihrer Ausbildung am Konservatorium arbeitete sie als Soubrette (heiter-komisches Rollenfach) und stand als Dolores in der Operette „Keine Zeit für Liebe“ oder mit Johannes Heesters in „Hochzeitsnacht im Paradies“ auf der Bühne.

Die Rolle ihres Lebens, mit der sie einem Millionenpublikum bekannt wurde, erhielt Hilli Reschl mit 42 Jahren. Spontan sagte sie damals zu, im ORF- Format „Seniorenclub“ mitzuwirken. In 1.238 Sendungen war sie „Fräulein Anni“, die quirlige Kellnerin, die Witze mit den Oberkellnern Kurt Sobotka, Ossy Kolmann, Alfred Böhm und Rudolf Buczolich austauschte.

Aus ihrem Bedauern über das Ende des „Seniorenclubs“ im Jahr 2000 machte Hilli Reschl, damals 74, kein Geheimnis: „Das Fernsehen macht leider zu wenig für ältere Menschen, Neues gibt es immer nur für die Jugend.“ Aus ihrer Sicht hätte der Seniorenclub in einer modernisierten Form durchaus weiterhin Erfolg haben können.

Von 2001 bis 2008 moderierte die rüstige Seniorin für den Fernsehsender TW 1 das Magazin „Mitten im Leben“ für Menschen jenseits der 60. Ihren letzten großen Auftritt, den sie als „schönen Abschluss ihrer Karriere“ bezeichnete, hatte Reschl 2013 mit „Arsen und Spitzenhäubchen“ am Gloria Theater in Wien.

„Fit wie ein Turnschuh“ trotz jahrelanger Zuckerkrankheit und stolz auf ihre Beweglichkeit aufgrund regelmäßiger Gymnastik war Hilli Reschl fast bis zum Schluss. Erst im Vorjahr, kurz vor ihrem 91. Geburtstag, erlitt sie aufgrund eines Treppensturzes einen komplizierten Oberschenkelhalsbruch. „Meine Mutter bekam eine Halbprothese, hatte starke Schmerzen und war auf den Rollator angewiesen“, erzählt ihr Sohn.

„Erschwerend hinzu kam ihre starke Sehbehinderung. Selbst aus nächster Nähe erkannte sie mich auf der Straße nicht mehr. Trotzdem lebte sie ihren Alltag, als wäre keine Beeinträchtigung vorhanden. Mehrmals in der Woche kochte sie noch selbst. Niemandem in ihrem Umfeld fiel ihre starke Sehbehinderung auf. Selbst wenn sie manchmal verzweifelt war, wollte sie es nicht zulassen, dass ihr die Behinderung im Wege steht. Dafür habe ich meine Mutter bewundert.“

Familie, Freunde und Anhänger der Künstlerin verabschieden sich von Hilli Reschl am Freitag, dem 14. Dezember, auf den Tag genau 50 Jahre nach der Ausstrahlung der ersten „Seniorenclub“-Sendung. Die Trauerfeierlichkeiten beginnen um 14.30 Uhr in der Karl-Borromäus-Kirche auf dem Wiener Zentralfriedhof (Eingang 2. Tor).
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