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Ausgabe Nr. 50/2018 vom 11.12.2018, Fotos: G De Sandre, Universal Music
Eros Ramazzotti
Mit seinem neuen Album bleibt Ramazzotti bestimmt nicht im Regen stehen.
„Mein Kopf steckt noch in der Pubertät“
Er ist nach wie vor der beliebteste Sänger Italiens und er hat noch immer Ohrwurm-Qualitäten. Das beweist Eros Ramazzotti, 55, auf seinem neuen Album „Vita Ce N‘è“ (So ist das Leben). Weil er nicht langweilig sein wollte, hat er ebenso flotte Melodien darin verpackt, wie er dem WOCHE-Reporter Steffen Rüth erzählt hat.
Worauf kam es Ihnen bei Ihrem neuen Album
„Vita Ce N‘è“ an?

Ich wollte Lieder aufnehmen, die lebendig klingen und auf der Höhe der Zeit sind. Immer wieder den alten Brei aufzuwärmen, das ist doch fad. Ich wollte nicht langweilig sein, denn ich finde es falsch, sich als Künstler jahrzehntelang auf seine alten Erfolge zu stützen. Mir ging es darum, jetzt ein Album zu machen, das sich mit meinen alten Platten messen kann.

Wo haben Sie das Album aufgenommen?
In meinem Mailänder (Italien) Studio. Aber ich habe es in Los Angeles (USA) abmischen lassen. Ich blieb allerdings in Mailand, das hat Geld gespart.

Sind Sie ein sparsamer Mensch?
Eros und sparen, das passt nicht zusammen. Geld ist mir nicht wichtig, ich fühle mich ihm nicht verbunden. Tendenziell schmeiße ich es eher raus. Zum Beispiel für teure und große Autos.

Wofür geben Sie außerdem gern Geld aus?
Für meine Kinder und deren Zukunft. Wenn ich irgendwann einmal nicht mehr bin, sollen die es gut haben. Das Blöde ist, dadurch, dass ich dem Geld lange keine besondere Wichtigkeit gegeben habe, sind die Menschen, die es für mich verwalteten, nicht immer in meinem Sinne damit umgegangen.

Warum stehen Sie auf dem Albumcover im Regen? Hat das eine besondere Bedeutung?
Das ist eine Anspielung auf den Titel, der sich mit „Das Leben passiert“ oder „So ist das Leben“ übersetzen lässt.

Wieviel von Ihnen persönlich steckt in den neuen Texten?
Natürlich viel. Nur ein Lied, das aufrichtig ist, findet seinen Weg in die Herzen der Menschen. Ich singe über meine Werte, wie die bedingungslose Liebe zur Familie oder den Respekt für alle Menschen sowie die Natur. Und ich sage, manchmal ist es in Ordnung, sich ein bisschen aus der Kurve tragen zu lassen und Spaß zu haben. Du darfst hin und wieder Mist bauen und Sachen machen, bei denen du denkst, „Puh, echt jetzt?“, solange du wieder zurückfindest auf deinen Weg und nicht in die Mauer krachst.

Worum geht es in „Per Il Resto Tutto Bene“, dem Duett mit Helene Fischer?
Der Text ist zwiespältig und ein bisschen ironisch. Wir sagen ja immer „Ja, alles gut“, also „tutto bene“, aber oft ist es das eben doch nicht. Gerade wir Italiener achten auf den Schein und nicht so sehr auf die Wirklichkeit. Im Kern geht es darum, dass wir auf die dumme Frage „Alles gut bei dir?“ ruhig einmal eine ehrliche Antwort geben sollten. Denn auf der Welt ist eben nicht alles in Ordnung.

Sowohl Musik als auch Text zu „Ti Dichiaro Amore“ stammen von Ihnen. Ein schönes Liebeslied …
Ja, es ist eine Liebesgeschichte mit verschiedensten Momenten und Wendungen. Manchmal glücklicher, manchmal weniger, aber auch, wenn es Schwierigkeiten und miese Momente gibt, liegt der Schwerpunkt darauf, dass sich ein Paar immer wieder finden kann. Wenn du dir, auch in einer langen Beziehung, deine Liebe immer wieder erklärst, dich deiner Liebe vergewisserst und viel besprichst in einer Partnerschaft, dann bringen dich auch harte Phasen nicht so schnell auseinander.

Erklären Sie Ihre Liebe, Ihre Frau Marica und Sie?
Ja, natürlich. Sie mehr als ich.

Für Sie ist alles klar, während Ihre Frau immerzu diskutieren möchte?
So ungefähr. Meine Frau kommt aus dem Norden, aus Bergamo, sie ist ein bisschen unterkühlt, wie alle Norditalienerinnen. Ich bin Römer, wir sind verspielt und wärmer. Es ist wirklich so: Je weiter du nach Süden kommst, desto lässiger werden die Menschen.

Was heißt das jetzt für Ihre Ehe?
Dass wir nicht immer auf der selben Frequenz senden, uns aber trotzdem jeden Tag unsere Liebe beweisen, indem wir sie leben. Wir haben unseren Alltag mit uns, mit den Kindern, das ist unsere Form der Zuneigung. Manche Paare schmusen ständig herum oder liegen andauernd in der Kiste und machen einen auf total unzertrennlich. Ich nehme vielen das nicht ab. Beim ersten richtigen Streit verlassen sie sich. Das kann es ja auch nicht sein.

Ihr Sohn Gabrio ist drei Jahre, Tochter Raffaela sieben Jahre alt. Wissen die beiden schon, dass ihr Vater ein berühmte Sänger ist?
Meine Tochter fängt an, Fragen zu stellen, was der Papa da treibt. Ihre Freunde in der Schule erzählen ihr von mir, jetzt will sie natürlich alles verstehen, was in meinem Leben los ist und warum wir nicht immer überall hingehen können wie andere Familien.

Sie sind Familienvater, im reifen Alter, wirken aber jugendhaft …
Stimmt, ich bin ein großer Bub. Mein Kopf steckt in der Pubertät, der Rest des Körpers weniger.
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