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Ausgabe Nr. 49/2018 vom 04.12.2018, Fotos: gepa, zVg
Benjamin Wizani springt an seinem Turngerät der Konkurrenz davon
Benjamin Wizani eroberte bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires
(Argentinien) die Bronzemedaille.
Der Herr der Lüfte
Als einjähriger Bub kraxelte er erstmals auf ein Trampolin, mit zwei schaffte er den ersten Salto. Heute ist der Schüler Benjamin Wizani aus Absdorf (NÖ) mit 17 Jahren der beste Trampolinspringer unseres Landes, eroberte zuletzt Junioren-Olympia-Bronze und will nun die Eliteklasse aufmischen.
Andere Kinder spielen lieber in der Sandkiste, Benjamin Wizani, 17, hingegen zog es schon als kleinen Dreikäsehoch aufs Trampolin. „Es ist fast wie Fliegen, diese paar Sekunden der Schwerelosigkeit, die so eine große Faszination auf mich ausüben“, verrät er. Mit zwei Jahren schaffte er bereits einen Salto, als Elfjähriger stand er mit einer Trampolingruppe im Halbfinale der ORF-Show „Die große Chance“. Heute ist es Wizanis größter Vorteil, dass er extrem früh anspruchsvolle Bewegungsabläufe in seinem Sport erlernte, weiß sein Trainer Wilfried Wöber. „Dadurch hat er sich eine Top-Koordinationsfähigkeit geschaffen und kaum Furcht am Gerät.“ Denn Furcht, die ist beim Wettkampf ein ständiges Thema. Kein Wunder bei Sprüngen mit bis zu neun Meter Luftstand, bei denen bis zu drei Schrauben mit einem Doppelsalto gedreht werden und die Gravitationskraft nahezu 300 Kilo beträgt.

„Ich habe am Trampolin nie Angst“, bestätigt Wizani und zwinkert. „Es sei denn, ich sehe eine Spinne drauf, dann bin ich weg.“ Dennoch, gleich mehrmals in den vergangenen Wochen stürzte er hochkant vom Sportgerät, aus acht Metern Höhe direkt daneben. Doch das ist kein Problem, alles Routine für den hartgesottenen Schüler des „BORG 20“ in Wien Brigittenau, der sogar damit liebäugelt, später einmal beim Polizei-Sonderkommando WEGA anzuheuern, um Razzien zu erleben oder Gebäude zu stürmen. „Ich brauche eben einen Anteil Action und Abendteuer in meinem Leben“, lächelt er.

Im Sportlerleben hat er zuletzt genug Abenteuer erlebt, mittlerweile ist Wizani nicht nur der beste Trampolinspringer unseres Landes, sondern auch historisch der erste, der um die vordersten Plätze mitspringt. In seinem Metier urteilen Haltungsrichter jeweils über ein Pflicht- und ein Kür-Programm, möglichst hoch sollen die Sprünge sein, möglichst korrekt die Haltung, möglichst viele Schrauben und Salti vorkommen. Vorwärts, rückwärts, gedreht oder gestreckt. „Ich bin äußerst muskulös gebaut und springe immer ein Quäntchen höher als die anderen“, kennt der junge Hupfer seine Stärke genau. Vor wenigen Wochen eroberte er damit die Bronzemedaille bei den Olympischen Jugendspielen in Buenos Aires (Argentinien). „Ein unglaubliches Erlebnis“, erinnert er sich. „Es war herrlich, gefeiert zu werden, aber gleichzeitig auch ein bisserl unangenehm. Ich bin nicht gerne im Mittelpunkt.“ Damit steht er nicht allein da, denn Trampolinspringer sind durch die Bank eher still, in sich gekehrt und sensibel, weiß Trainer Wöber. „Sie sind nicht so extrovertiert wie etwa Eishockeyspieler, sondern Einzelsportler. Und es spielt sich auch in ihrer Disziplin viel mehr im Kopf ab.“ Mitunter gibt es Krisen, die sich kaum erklären lassen, wie sie Wizani 2017 hatte. „Ein Seuchenjahr, da ging einfach gar nichts.“

Nach der Schule und dem Training in Wien fährt Benny Wizani täglich heim nach Absdorf nahe Tulln (NÖ), wo er mit Mama Brigitte und den drei Katzen „Gini“, „Giesmo“ und „Phoebe“ in einem Reihenhaus wohnt. Er interessiert sich für Autos und sammelt Armbanduhren, mehr als 30 Stück hat er schon. „Andere Burschen wünschen sich zu Weihnachten eine Play-Station“, weiß er. „Ich hingegen Armbanduhren.“ Und die bekommt er auch, denn die Familienbande sind eng und bedeuten ihm viel. „Ich spiele wöchentlich mit meinem Vater Berthold in einer Billardhalle Snooker. Mein Opa Berthold und Oma Helma verfolgen sogar meine Wettkämpfe im Internet und sind stolz auf mich.“

Bis zu 19 Stunden Training pro Woche wendet Wizani fürs Trampolinspringen auf, seit 2016 hatte der ehrgeizige Sportler keinen Urlaub mehr. „Den hab‘ ich mir nach schwachen Leistungen immer selbst gestrichen“, gibt er zu. Aber vielleicht bleibt künftig etwas mehr Zeit, denn er will die Ausbildungsweichen anders stellen. Ab sofort startet er nicht mehr in der Junioren-, sondern in der Eliteklasse und das nächste große Ziel sind bereits die Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio (Japan). „Ab Jänner werde ich deshalb die Schule beenden, als Heeressportler einrücken und die Matura in der Abendschule fertigmachen“, skizziert er seinen Plan, der aber kein allzu großes Opfer bedeutet, gibt er zu. „Die Schule war nicht so meins.“ Wolfgang Kreuziger
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