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Ausgabe Nr. 49/2018 vom 04.12.2018, Foto: allexxandarx/Fotolia
Mit Hilfe der Micro-Needling-Technik wird die Haut angeregt, neues Kollagen zu bilden.
Sanfte Nadelstiche glätten die Haut
Die Zeichen der Zeit sind nicht immer mit Cremen und viel Schlaf aus dem Gesicht zu zaubern. Vor allem, wenn die Ursachen dafür unter der sichtbaren Oberfläche liegen. Mit Hilfe der Micro-Needling-Technik wird die Haut angeregt, neues Kollagen zu bilden. Fältchen, Narben und Pigmentflecken werden dadurch gelindert.
Etwa die Hälfte aller Frauen und Männer im Land erachtet ihr Aussehen als „wichtig“. Für viele ist es sogar Teil der Identität, ergab eine Umfrage unter sechshundert Menschen im Land, in allen Altersgruppen. Die größte Rolle spielt das Gesicht. Das spiegelt sich in den Summen wider, die für seine Pflege ausgegeben werden. Von rund 340 Millionen Euro für die Hautpflege entfallen rund 270 Millionen nur auf das Gesicht.

Doch die besten Cremen, Seren und Lotionen stoßen an ihre Wirksamkeitsgrenzen, wenn die Haut aufgrund von Alterung, UV-Schäden oder Narben an Festigkeit, Ausstrahlung und Glätte verliert. Mirella Hatemic, zertifizierte diplomierte Kosmetikerin und Geschäftsführerin des Wiener Kosmetikinstitutes „Me Esthetic“ (www.me-esthetic.at, Tel.: 01/9550955) weiß um die nachlassende Kraft der Haut. „Ab dem dreißigsten Lebensjahr erneuert sich die Oberhaut nur alle vierzig Tage anstelle der üblichen achtundzwanzig Tage. Das Gewebe wird ‚müde‘, weil weniger junge Zellen gebildet werden. Das Bindegewebe sackt ab, Fältchen werden zu Falten und die Durchblutung wird schlechter.“

Alterungsprozesse, Narben, wie sie nach einer Akne oder durch Dehnungsstreifen zurückbleiben, sowie Pigmentflecken stören viele. Um sie zu mildern oder zu beheben, muss die Haut angeregt werden, Kollagen, Elas-
tin und Hyaluronsäure zu bilden. Dieses Dreigespann schenkt ihr Spannkraft, macht sie elastisch und lässt sie mehr Feuchtigkeit speichern.

„Dafür muss die Behandlung in der Epidermis und der darunterliegenden Dermis wirken. Dort, wo die hauteigene Produktion stattfindet“, sagt Hatemic. Je nach Ursache und Behandlungsziel kann das mit einem ästhetischen oder medizinischem Micro-Needling erreicht werden.

Mikro-Verletzungen sind der Schlüssel

Micro-Needling (micro = fein, Needling = Nadelung) ist eine mechanische Behandlung, die von Hautärzten sowie von geschultem Kosmetikfachpersonal angeboten wird und durch die Selbstheilungskraft der Haut wirkt. „Bei dieser Methode wird die Haut durch feine Nadeln punktförmig verletzt. Die Einstichtiefe beträgt je nach Region und individueller Hautdicke zwischen 0,2 Millimeter bis 0,5 Millimeter. Bei einer ärztlichen Micro-Needling-Behandlung wird bis zwei Millimeter tief gestochen. In jedem Fall beginnt die Haut nach der Behandlung die entstandenen Mikroverletzungen zu heilen. Dabei bildet sie Kollagen, Elastin und Hyaluronsäure. Es kommt zum Wachstum und zur Einsprossung von Blutgefäßen. Die Haut wird fester und straffer.“ Drei und sechs Behandlungen (je ab ca. € 150,–) werden von Experten empfohlen, je nach Schwere des Hautproblems.

Der Gedanke an eine Behandlung, die wie „tausend Nadelstiche“ wirkt, mag abschrecken, doch die Expertin beruhigt. „Schmerzhaft ist Micro-Needling nicht. Es kann ein bisschen pieksen, aber die Schnelligkeit, mit der die kurzen Nadeln arbeiten, lässt keinen Schmerz aufkommen.“ Beim medizinischen Needling, das etwas tiefer gehen darf, helfen Betäubungscremes, die Behandlung entspannt zu erleben.

Nadeltechniken und ihre Unterschiede

Micro-Needling ist nicht neu, doch die Technik hat sich verfeinert. Begann alles mit Handrollern, die es noch gibt, folgten „Stempelgeräte“ und als jüngste Erfindung Geräte mit Nadeln, die in Reihen angeordnet sind.

„Der Nachteil der Handroller ist, dass sie trichterförmige Einstiche produzieren, und für ungeübte Hände ist es schwer, so ruhig zu halten, dass die Einstichtiefe gleichmäßig ist. Stempelgeräte, auch ‚Pens‘ (‚Stifte‘) genannt, haben die Nadeln als kreisförmige Fläche angeordnet. Hier kann es passieren, dass die Haut verdrängt wird, ähnlich dem Fakir-Effekt. Die Nadeln stechen nicht wie vorgesehen in die Haut ein. Die jüngste technische Entwicklung, mit der auch ich arbeite, ist ein Gerät, das die Nadeln in einer Reihe angeordnet hat. Die Stiche sind präzise und schonend“, erklärt die Expertin Mirella Hatemic.

Kleine Stiche, große Vorsicht

Das Ziel, die Haut ebenmäßiger werden zu lassen, sollte nicht hinwegtäuschen, dass auch kleinste Nadel-Verletzungen einer professionellen Vor- und Nachbetreuung bedürfen. „Vor dem Micro-Needling wird die Haut gereinigt und desinfiziert. Die Nadeln für die Behandlung müssen aus einer sterilen Einzelpackung entnommen werden. Nach der Behandlung wird die Haut beruhigt. Je nach Behandlungsgrund gibt es Enzyme und Seren, welche die Haut vor, während und nach der Behandlung mit Wirkstoffen versorgen. Für die ersten drei Tage zu Hause empfehlen wir nur milde Reinigung und eine Spezialpflege. Sonnenbestrahlung, Sauna, Schwimmbäder und ähnliches sollten gemieden werden. Ein UV-Schutz 30 ist wichtig, denn die Haut ist dann äußerst empfindlich.“

Entzündete oder verletzte Haut ist für diese Form der Hautbehandlung ungeeignet. Ebenso sind Schwangerschaft, Stillzeit, Tumorerkrankungen oder eine Neigung zur wulstartigen Narbenbildung ein paar der notwendigen Ausschlussgründe. „Das Risiko unerwünschter Hautreaktionen ist groß“, bestätigt Hatemic.

Der Aufbauprozess der Haut dauert danach ein paar Wochen. Für das Ergebnis müssen sich Betroffene bis zu drei Monate gedulden. „Viele merken aber schon nach der ersten, zweiten Behandlung ein feineres Hautbild oder kleinere Poren. Dass das keine Einbildung ist, zeige ich den Kunden mit der digitalen Hautanalyse, die objektiv die Veränderungen in der Haut anzeigt.“

Die Behandlung mit Hilfe vieler kleiner Nadelstiche kann wiederholt werden, denn die Hautalterung geht am neuen Gewebe nicht vorbei. Wer auf diesem Weg Aknenarben oder Dehnungsstreifen „zu Leibe rückt“, darf sich über einen lang anhaltenden Effekt freuen.
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