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Ausgabe Nr. 49/2018 vom 04.12.2018, Foto: Pari Dukovic
Jeff Goldblum kam als dritter Sohn eines Arztes und einer Radiomoderatorin am 22. Oktober 1952 in West Homestead bei Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania) zur Welt. Er bekam Klavier- und Schauspielunterricht und feierte mit 19 Jahren sein Debüt am New Yorker Broadway. Der internationale Durchbruch gelang dem 194 Zentimeter großen Darsteller im Jahr 1986 im Horror-Film „Die Fliege“. Goldblum ist seit 2014 in dritter Ehe mit der kanadischen Turnerin Emilie Livingston, 35, verheiratet. Das Paar hat zwei Kinder.
„Ich könnte vor Glück die Welt umarmen“
Jeff Goldblum ist seit mehr als drei Jahrzehnten durch Filme wie „Jurassic Park“, „Independance Day“ oder „Die Fliege“ (sein Durchbruch im Jahr 1986) ein vertrauter wie stets erfreulicher Anblick. Jeff Goldblum als Jazz-Pianist ist dagegen neu. Darin ist er aber ebenfalls vorzüglich. Jetzt hat der 66jährige mit seiner Band „The Mildred Snitzer Orchestra“ das beachtliche Jazz-Album „The Capitol Studios Sessions“ veröffentlicht.
Herr Goldblum, Sie sind ein erfolgreicher Schauspieler, weshalb haben Sie jetzt ein Jazz-Album veröffentlicht?
Ach, ich bin selbst erstaunt darüber. Diese Geschichte kam über Gregory Porter zustande, diesen wundervollen Jazzsänger. Wir lernten uns vor etwa einem Jahr in England bei einer Fernseh-Show kennen. Er war dort mit seinem „Nat-King-Cole“-Album, ich machte Werbung für den Film „Thor: Tag der Entscheidung“, in dem ich eine Rolle habe. Ich erfuhr also zwei Tage zuvor, dass Greg der musikalische Gast sein würde, und ich freute mich, denn ich bewundere ihn schon seit Jahren.

Sie haben sogar eine eigene Band namens „The Mildred Snitzer Orchestra“. Treten Sie oft auf?
Ja, seit vielen Jahren. Wir treten regelmäßig, wenn ich nicht irgendwo auf der Welt drehe, jede Woche in einem Klub namens „Rockwell“ in Los Feliz in Los Angeles auf. Das läuft gut. Wir sind jedes Mal ausverkauft, und das Publikum scheint glücklich zu sein. Unsere kleinen Konzerte sind ziemlich populär, das kann ich ohne falsche Bescheidenheit wohl festhalten. Trotzdem ist es auch schön, rauszukommen, auf Tournee zu gehen. Wir werden in Paris (Frankreich) und in Berlin (Deutschland) spielen. Und wer weiß, was noch alles kommt.

Ein Album aufzunehmen, war das ein langgehegter Traum von Ihnen?
Nein, das kann ich nicht behaupten. Ich hatte mir schon gar nicht in den Kopf gesetzt, eines Tages in den „Capitol Studios“ ein Live-Album einzuspielen, so vermessen wäre ich nie gewesen. Seit ich ein Kind war, hatte ich stattdessen immer diesen verrückten, aber in meinem Kopf vollkommen klaren und für mich selbst einleuchtenden Plan, ein Schauspieler zu werden. Ich bekam allerdings Musikunterricht als Kind, genau wie meine drei Geschwister.

Welches Instrument haben Sie gespielt?
Ich lernte Klavier, und als ich dann näher mit Jazz in Berührung kam, entfachte das meine Leidenschaft, was das Pianospielen anging. Noch bevor ich nach der Schule Pittsburgh (US-Staat Pennsylvania) verließ und nach New York übersiedelte, trat ich in meiner Heimatstadt in Cocktailbars auf. Die meisten schickten mich wieder heim, aber ein paar Betreiber waren freundlich, und so durfte sich der kleine Jeff nachmittags und abends ans Piano setzen. Mit 17 Jahren zog ich nach New York und fing mit der Schauspielerei an. Ich trat am Broadway in Musicals und Theaterstücken auf und drehte meine ersten Filme. Dennoch war immer dort, wo ich lebte, auch ein Piano. Ich spielte auch immer wieder in Filmen Klavier. Mein Charakter in „Die Fliege“ (damit gelang ihm der Durchbruch, Anm.) zum Beispiel sitzt ebenfalls davor, und dann, vor etwa dreißig Jahren, drehte ich den Film „Buckaroo Banzai“ mit Peter Weller. Er kam öfters zu mir nach Hause und wir spielten zusammen, und es war dann Woody Allen, der uns ermunterte, es mit den wöchentlichen Auftritten zu versuchen.

Hätte es auch passieren können, dass Sie gar nicht Schauspieler, sondern professioneller Musiker geworden wären?
Ja, natürlich. In all diesen kreativen Berufen ist die Wahrscheinlichkeit ja nicht hoch, dass du deinen Lebensunterhalt damit verdienen kannst, und hätte ich wundersamerweise gleich gute Engagements als Pianist in New York bekommen, dann wäre das durchaus möglich gewesen. Aber ich war zu meiner eigenen Überraschung ziemlich schnell drin in dieser Film- und Bühnenwelt und hatte für die Musik nicht mehr so viel Zeit.

Dass Sie 66 Jahre alt sind, ist Ihnen nicht anzusehen. Irgendwie wirken Sie umso jünger, je älter Sie werden. Gibt es da ein Geheimrezept?
Nein, das Geheimnis ewiger Jugend habe auch ich leider noch nicht entdeckt. Ich versuche, nicht zu spät ins Bett zu gehen, aber ich werde schon noch früh genug vor unser aller Augen in mich zusammenfallen. Was allerdings wahr ist: Ich fühle mich derzeit wirklich großartig. Ich denke, ich bin ein Spätzünder. Ich spiele heute mit 66 besser Musik als je zuvor, und auch als Schauspieler gefalle ich mir immer besser. Ich sauge alles auf. Und so scheint meine Arbeit mit zunehmendem Alter tatsächlich immer besser zu werden.

Erleben Sie gerade die beste Zeit Ihres Lebens?
Ja, ich glaube schon. So kommt es mir zumindest vor. Und das nicht nur bei der Arbeit. Ich bin glücklich verheiratet, seit sieben Jahren bin ich mit Emilie zusammen. Und ich hatte zuvor keine Kinder, aber jetzt kam vor drei Jahren unser erster Sohn Charlie Ocean und vor achtzehn Monaten unser zweiter Sohn River Joe zur Welt. Plötzlich Vater zu sein, das ist ein Erweckungserlebnis für mich gewesen. Die Kinder haben so viel Licht, so viel Freude in mein Dasein gebracht, ich könnte wirklich die ganze Welt umarmen. Alles ist einfach super zurzeit.

Sie haben immer ein Lächeln im Gesicht, was auch immer Sie tun. Wie kommt das?
So bin ich schon immer gewesen. Ich lasse mich schnell für eine Sache begeistern und trage diese übergroße Portion Lebensfreude mit mir herum.
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