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Ausgabe Nr. 48/2018 vom 27.11.2018, Foto: Johannes Zinner, Mag. Monika Resler/zvg
Heinz-Christian Strache, Carla Amina Baghajati
Kopftuch-Verbot in der Volksschule?
FPÖ und ÖVP wollen ab dem nächsten Schuljahr „das Tragen weltanschaulich oder religiös geprägter Bekleidung, mit der eine Verhüllung des Hauptes verbunden ist“ in der Volksschule untersagen. Das soll Kopftücher für muslimische Mädchen und Turbane für Sikhs betreffen, die jüdische Kippa aber nicht. Bei Verstößen drohen bis zu 440 Euro Geldstrafe. Zur Zwei-Drittel-Mehrheit für ein Verfassungsgesetz bräuchte es die Stimmen von SPÖ und NEOS, beide wollen zusätzliche Maßnahmen.
JA: Heinz-Christian Strache,
FPÖ-Chef, Vizekanzler

„Nach dem Kopftuchverbot im Kindergarten wollen wir jetzt den nächsten Schritt gehen und es auch in der Volksschule umsetzen. Ziel der Erziehung in österreichischen Bildungseinrichtungen ist, Kindern eine optimale Entwicklung zu ermöglichen. In Kindergärten und Schulen soll daher auch eine erfolgreiche soziale Entwicklung gefördert werden, und dazu gehört die umfassende Integration der Schülerinnen und Schüler mit ausländischen Wurzeln. Das Tragen eines Kopftuches schon durch ganz kleine Mädchen bedeutet eben keineswegs eine ,harmlose‘ Bedeckung des Kopfes, sondern eine physische und psychische Abgrenzung zur Gesamtgesellschaft, die der Integration im Wege steht. Es kann dadurch zu einer frühzeitigen, insbesondere geschlechtlichen, Diskriminierung kommen, die mit den österreichischen Grundwerten und gesellschaftlichen Normen unvereinbar ist. Unser primäres Ziel ist außerdem, kleine Mädchen vor einer Frühsexualisierung zu schützen. Das Kopftuch ist im Islam ein Symbol dafür, dass die Geschlechtsreife erreicht ist. Eine solche Sexualisierung von Minderjährigen lehnen wir entschieden ab, jedes Kind hat das Recht auf Kindheit.“

Nein: Carla Amina Baghajati,
Islamische Glaubensgemeinschaft

„Das Kopftuch ist weder ein Zeichen der Unterdrückung, noch der Unterordnung unter den Mann, noch eine politische Ansage. Diese und andere falsche Zuschreibungen wie ,Sexualisierung‘ werden für Stimmungsmache und Ausgrenzungspolitik benutzt. Hier müssten Musliminnen selbst mehr zu Wort kommen, anstatt über ihre Köpfe ihre Religionsfreiheit einschränken zu wollen. Mädchen sollen sich frei entfalten können, um zu mündigen und selbstbestimmten Frauen heranzuwachsen. Kopftuchzwang ist also abzulehnen, genauso wie ein Kopftuchverbot. In der Frage haben sich Aufklärung und Dialog bewährt. So gibt es nur wenige Fälle kopftuchtragender Mädchen in der Volksschule. Man kann nicht automatisch annehmen, sie könnten nur dazu gezwungen sein. Von der Religion her lässt sich klar argumentieren, dass Kopftuchtragen erst ab der Religionsmündigkeit ein Thema wird. Dazu wird erklärt, dass nicht nur die körperliche Reife zählt, sondern auch die geistige. Kleiderverbote sind eine Bevormundung, die im krassen Widerspruch zur behaupteten Förderung von
Autonomie und Freiheit stehen.“
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